Das Haller Amtsgericht unter Vorsitz von Richter Jens Brunkhorst hat einen 60-jährigen Gaildorfer von dem Vorwurf freigesprochen, gegen das Sprengstoffgesetz verstoßen zu haben. Damit hat der Hobby-Kanonenschütze einen klaren Sieg eingefahren. Ein Strafbefehl hatte ihn zuvor zu einer Geldstrafe von 2000 Euro verdonnert.

Der Angeklagte hat eine eigene Kanone in der Garage. Die braucht er, wenn er bei geschichtlichen Darstellungen mitwirkt. Zusammen mit anderen historisch Kostümierten stellt er beispielsweise die Völkerschlacht von Leipzig nach. Das Haller Landratsamt hat ihm deswegen die Erlaubnis erteilt, dass er drei Kilogramm Schwarzpulver aufbewahren darf, dazu etwas Böllerpulver. Der 60-Jährige aber macht gleich zu Beginn der Verhandlung klar: „So kann ich keinen amerikanischen Bürgerkrieg darstellen!“

Er brauche mehr Pulver als nur drei Kilogramm. Bei großen historischen Events würden 80 bis 120 Schuss abgegeben. Völlig legal habe er im April letzten Jahres bei einem bayerischen Händler 20 Kilogramm Schwarzpulver erworben. Den Beweis, dass ihm das genehmigt worden sei, tritt er sofort an: Auf seiner Erlaubniskarte aus dem Jahr 2015, die aussieht wie ein dünner Reisepass, ist eine grüne Überklebung, eine handschriftliche Abänderung und ein echter Stempel. Alles ist amtlich korrekt. Danach fällt die Begrenzung von drei Kilogramm für den Einkauf weg.

Eine Mitarbeiterin des Schwäbisch Haller Landratsamts habe diesen Zusatzeintrag vorgenommen, berichtet er dem Gericht. Erstaunt reagiert der 52-jährige Haller Amtsinspektor, der als Zeuge die Sprengstoff-Abteilung beim Landratsamt vertritt: „Das ist nicht meine Unterschrift!“ Er habe von dieser zusätzlichen Genehmigung nichts gewusst.

Die hohen Pulvermengen, die der Gaildorfer für sein Geschütz kaufen kann, darf er aber nach wie vor nicht bei sich selber einlagern. Sein Nachbar hat ihn deswegen im Mai letzten Jahres angezeigt. Viel mehr als erlaubt, nämlich neun Kilogramm Schwarzpulver und drei Kilogramm Böllerpulver, will der 43-Jährige in der Garage des Angeklagten gesehen haben. Ursprünglich war er ein guter Freund. Er ging mit dem Älteren mit dessen Kanone auf Tour und ließ sich von ihm anweisen. Aber irgendwann im Mai letzten Jahres gab es Streit wegen zu lauter Musik im gemeinsamen Hof.

Sprengstoff ist weg

Der 43-Jährige fühlte sich gerügt und holte zum Gegenschlag aus. Er gab seine angeblichen Insider-Beobachtungen über die Schwarzpulver-Vorräte seines Nachbarn an die Polizei weiter. Drei Wochen später rückten die Beamten mit einem Sprengstoffhund im Gaildorfer Anwesen des Angeklagten an. Der blaue Gitterkorb mit viel Schwarz- und Böllerpulver, den es nach Aussage des verfeindeten Nachbarn geben sollte, war aber nicht zu finden. Offensichtlich hatte sich der behauptete Vorrat in Schall und Rauch aufgelöst.

Staatskasse trägt Kosten

Nach alledem konnte es in diesem Prozess für den Hobby-Artilleristen nur einen Freispruch geben. Richter Jens Brunkhorst entschied entsprechend. Der ursprüngliche Strafbefehl über 2000 Euro ist vom Tisch, die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse.

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Schwäbisch Hall/Winnenden