Im kommenden Jahr feiert der Kammerchor Oberaspach sein 30-jähriges Bestehen. Er ist derzeit in hervorragender Verfassung: Die nur 14 Sängerinnen und acht Sänger fügen sich zu einem einheitlichen, unaufgeregten Klangkörper zusammen. Keine Stimme sticht hervor, die Höhen kommen weich und die Tiefen sonor, und wo der Chor-Tenor die Melodie hat, entwickelt er fast solistische Qualitäten, ohne aufzutrumpfen.

Mit diesem Niveau kann das Kammerorchester Trisono, ein Ensemble der Musikschule "3Klang" in Freising, nicht ganz mithalten. Man kann vermuten, dass sich der Chor mit mehr Proben auf das Konzert vorbereitet hat als das Orchester. Aber gemeinsam entsteht doch ein großes Ganzes, das den etwa 150 Besuchern in der Kirche St. Josef viele Klanggenüsse bietet.

Das Konzert beginnt mit einem kurzen, schlichten Werk von Gabriel Fauré: "Cantique de Jean Racine". Es beginnt als ruhiger Männerchor, dann fächert sich der Klang weit auf und entfaltet intensive Wirkung. Schon hier zeigt sich, was an diesem Abend oft positiv auffällt: Der Chor differenziert die Lautstärkegrade sehr genau.

Es folgt die Bach-Kantate "Gleich wie der Regen und Schnee vom Himmel fällt", ein Werk, in dem der Chor wenig gefragt ist. Dafür dürfen sich die Solisten vorstellen: Bass Eric Fergusson, der anfangs mit kräftiger, klarer Stimme und sehr deutlicher Aussprache gefällt, geht im Laufe des Konzerts zu fast grober Tongebung über. Sopranistin Alice Paper-Burghardt hat eine lockere Höhe und gestaltet die Melodien auch in Koloraturen präzise.

Hauptwerk des Konzerts ist das Requiem von Fauré. Darin ist der Chor-Tenor mehrfach in fast solistischen Phrasen gefragt. Die nur vier Sänger entfalten einen klaren, aber weichen Klang. Das gilt auch für die Sopran-Gruppe. Die Höhen kommen leicht, der Klang ist ausgewogen, keine Einzelstimme sticht hervor. Alt und Bass treten in den Werken dieses Abends nicht hervor, sind aber die Stütze für den Gesamtklang. Gemeinsam mit dem Orchester, das in ungewöhnlicher Besetzung spielt - im Programm sind außer einer Solovioline keine Geigen aufgeführt, dafür zwei Viola-Gruppen -, zaubern die Musiker eine so innige Stimmung, dass die Spannung auch nach dem Schluss noch minutenlang im Raume steht. Erst danach gibt es kräftigen Beifall.