Murrhardt Kaleidoskop vielfältiger Klangfarben

Alexander Breitenbach (Deutschland), Nika Afazel (Iran), Daniel Hyunwoo (Großbritannien), EunAe Lee (Südkorea) und Akari Kimbara (Japan) gestalten ein Konzert in Murrhardt.
Alexander Breitenbach (Deutschland), Nika Afazel (Iran), Daniel Hyunwoo (Großbritannien), EunAe Lee (Südkorea) und Akari Kimbara (Japan) gestalten ein Konzert in Murrhardt. © Foto: Elisabeth Klaper
Murrhardt / Elisabeth Klaper 07.09.2018
Fünf Pianisten der Murrhardter Klavierakademie beeindrucken im vierten Teilnehmerkonzert. Sie präsentieren Werke aus Barock, Romantik und Impressionismus.

Ein überaus abwechslungsreiches Programm aus vorwiegend bekannten, facettenreichen Kompositionen verschiedener Epochen gestalten fünf Pianisten aus dem Iran, Großbritannien, Japan, Südkorea und Deutschland beim vierten Teilnehmerkonzert der Klavierakademie.

Gleich zum Auftakt verzaubert die Südkoreanerin EunAe Lee, Doktorandin an der Northwestern University in Illinois (USA), die vielen Zuhörer in der Festhalle mit zwei wunderschönen impressionistischen Tondichtungen von Claude Debussy (1862 bis 1918). In der Étude Nr. 11 „Für die komponierten Arpeggien“, also die gebrochenen Akkorde, lässt sie ihre Finger vergnügt über die gesamte Tastatur tanzen. So gestaltet sie eine ästhetische Klangfantasie aus perlenden Akkord-­Kaskaden und verschiedenen Figuren mit einigen modernen Elementen.

Wellenartige Klangfiguren

„Die Insel der Freude” ist eine Anspielung auf die sonnige britische Kanalinsel Jersey, die Debussy als Refugium diente. Eine wichtige Rolle spielt darin die lydische Tonleiter, die der Tonart F-Dur ähnelt und der die alten Griechen sinnliche Ausstrahlung zuschrieben. Da taucht die Pianistin ganz in die Musik ein und malt mit feinsinnigem Spiel wellenartige Klangfiguren, die das Meer und die Fahrt zur Insel illustrieren. Sensibel, aber auch kraftvoll bringt Lee ekstatische Glücksgefühle, eine Kantilene von bezaubernder Anmut, verspielte Effekte und stürmisch bewegte Rhythmen zur Entfaltung.

Ein weiterer Höhepunkt ist die zugleich anmutige und temperamentvoll-eindringliche Interpretation des ersten Satzes der Fantasie C-Dur Opus 17 von Robert Schumann (1810 bis 1856), ein Lieblingskomponist von Alexander Breitenbach aus Siegen. Er studiert Klavier im künstlerischen Bachelorstudiengang mit künstlerischem und pädagogischem Profil am Standort Wuppertal der Musikhochschule Köln. Die Satzanweisung „Durchaus phantastisch und leidenschaftlich vorzutragen“ setzt er mit brillanter Spielkultur um.

Empathisch eindringlich bringt Breitenbach die dramatische, verzweifelte Stimmung zum Ausdruck, in der sich Schumann zur Entstehungszeit des Werks im Sommer 1836 befand, als er Clara für sich verloren glaubte. Klangschön stellt er die schwermütige Melodik heraus, die aufgewühlt brodelnde, düstere Figuren untermalen. Wunderbar zart malt der Pianist den liedhaft-optimistischen Schluss mit einem Zitat Beethovens: „Nimm sie hin denn, meine Lieder“ aus dem Zyklus „An die ferne Geliebte“.

Vergnügt, verspielt und virtuos präsentiert der Brite Daniel Hyunwoo, der zurzeit den Masterstudiengang Klavier am Royal College of Music in London absolviert, vier Sätze aus Johann Sebastian Bachs (1685 bis 1750) Partita Nr. 6 e-Moll (Bach-Werke-­Verzeichnis 830). Voller Energie, aber auch mit viel Fingerspitzengefühl arbeitet er den Wechsel von Akkorden und Läufen mit festlicher Melodik und raffinierten Verzierungen im ersten Satz, einer Toccata, heraus. Fast romantisch wirkende Melodiebögen und Gefühle bringt er im zweiten Satz, einer Allemande, zur Geltung. Prächtig wie Samt mit feinen Goldornamenten lässt er den fünften Satz erstrahlen, eine Sarabande, entwickelt aus einem zeremoniellen spanischen Tanz. Und im siebten Satz, einer Gigue, ursprünglich ein ländlicher Tanz aus England, bietet er stilvoll die kunstreich ausgearbeitete symmetrische Mehrstimmigkeit dar.

Harmonisch, fein akzentuiert

Die Iranerin Nika Afazel, die ebenfalls an der Musikhochschule Köln studiert, erfreut die Zuhörer mit ihrem harmonisch und melodisch fein akzentuierten Vortrag des vierten Satzes „Rondo: Allegretto“ aus Franz Schuberts (1797 bis 1828) Klaviersonate A-Dur (Deutsch-Verzeichnis 959). Sie gehört zu den letzten, klangschönsten und pianistisch überaus reich durchgestalteten Sonaten des berühmten Frühromantikers. Mit großer Sorgfalt, aber auch spielerischer Finesse stellt Afazel die idyllischen, aber auch dunklen Nuancen sowie reizende virtuose Details dar.

Mit temperamentvoller Tastenartistik, aber auch sehr feinfühlig, bietet die Japanerin Akari Kimbara, die an der Kunst- und Musik-Universität in Aichi studiert, Maurice Ravels (1875 bis 1937) „Morgenständchen eines Narren“ dar, viertes Werk aus dem „Spiegel“-Zyklus. Souverän meistert sie die Fülle technisch schwierig zu spielender Elemente, wie kontrastierende düstere und helle, laute Partien, kurze dissonante, perlende Motive sowie raffinierte Effekte wie Tonwiederholungen und komplexe mehrstimmige Passagen in spanischer Tonsprache. Mit tosendem Beifall danken die Zuhörer den Interpreten für den großen Hörgenuss.

Info

Das Abschlusskonzert der Klavierakademie beginnt am Samstag, 8. September, um 19 Uhr in der Festhalle. Der Eintritt ist frei.

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