Oberrot Johannes Mayer referiert im ehemaligen Adelssitz in Oberrot über Klostermedizin

Dr. phil. Johannes Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin referierte im ehemaligen freien Adelssitz in Oberrot über alte Heilpflanzen.
Dr. phil. Johannes Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin referierte im ehemaligen freien Adelssitz in Oberrot über alte Heilpflanzen. © Foto: Werner Schmidt
Oberrot / WERNER SCHMIDT 14.07.2016
Die heutige Schulmedizin hat viel altes medizinisches Wissen verdrängt. Am Sonntag erinnerte Dr. phil. Johannes Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin an der Uni Würzburg im Freien Adelssitz Oberrot daran.

  Im „Lorscher Arzneibuch“ sind die medizinischen Geheimnisse des frühen Mittelalters verzeichnet. Das in lateinischer Schrift von Klostermedizinern verfasste Buch stammt vermutlich aus der Zeit Karl des Großen und gehört seit 2013 zum Unesco-Weltdokumentenerbe. Seit etwa 1000 Jahren ruht es in Bamberg. Im ehemaligen freien Adelssitz in Oberrot, der heute das Äskulap-Infozentrum beherbergt,   ist eine Kopie zu besichtigen.

Die Verbindung zwischen Oberrot und dem Kloster Lorsch an der Weinstraße besteht auch schon seit weit mehr als 1000 Jahren. Sie wurde begründet, als Oberrot 788 als Schenkung an das Kloster ging. Und schon damals wussten die Klostermediziner zum Beispiel um die schmerzstillende Wirkung des Schlafmohns, berichtet Johannes Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin an der Uni Würzburg bei seinem Vortrag im ehemaligen freien Adelssitz.

Natürlich, so Mayer, war damals nicht bekannt, dass es der Wirkstoff des  Opiums war, das erst gut 1000 Jahre später entdeckt wurde. Vor allem habe es damals nicht abhängig gemacht: „Nimmt man Opium nur als Schmerzmittel, gibt es kaum eine Abhängigkeit. Und falls doch, bekommt man die schnell in den Griff“, sagte Mayer den rund 30 Zuhörern. „Vielleicht sollte man doch einmal umdenken, und von unseren Vorfahren lernen“, schlug der Doktor der Philosophie vor.

Schulmediziner wollen es lieber genauer wissen

Der Beifuß werde heute zwar noch verwendet, aber nur als Küchengewürz. Dabei galt das Gewächs über Jahrhunderte als die „Mutter aller Kräuter“ und wurde häufig bei Menstruationsbeschwerden verwendet. Heute komme der Beifuß  wieder in die Diskussion, insbesondere der einjährige Beifuß. Die chinesische Pharmakologin Youyou Tu bekam 2015 einen halben Medizin-Nobelpreis für ihre Entdeckung, dass ein Extrakt aus dem einjährigen Beifuß, das sogenannte Artemisinin, das Wachstum von Plasmodien hemmt, die Malaria auslösen.

Viele Wirkstoffe seien noch gar nicht erforscht, stellte Mayer fest. Die heilsame Kamille enthalte etwa 80 Wirkstoffe: „Und wir wissen noch immer nicht, welche wirken.“ Ein Problem sei dies besonders für Schulmediziner: „Die wollen es lieber genau wissen.“ Im Gegensatz zu herkömmlichen, meist synthetisch hergestellten Medikamenten, haben Heilpflanzen vermutlich auch wegen ihrer Vielzahl sich ergänzender Wirkstoffe sehr viel weniger Nebenwirkungen, sagte Mayer.

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