Ab dem 11. Dezember 2016 bis zum Frühjahr 2017 „erfolgt eine komplette Umstellung auf Doppelstockwagen (teilweise klimatisiert). Somit wird sich der Reisekomfort deutlich verbessern.“  Diese, in einem Hochglanzprospekt von Land und Bahn im vergangenen Jahr gedruckte Ankündigung machte Hoffnungen für Bahnreisende und Pendler auf der Murrbahn in Richtung Stuttgart.

Zunächst gab es aber eine Verspätung: Erst  am Donnerstag vergangener Woche kam die erste Doppelstock-Garnitur in den Umlauf zwischen Stuttgart und Nürnberg. Am Freitag vergangener Woche dann die nächste Einheit aus vier Wagen. Die bieten zusammen rund 475 Sitzplätze in der 2. Klasse und 25 in der eng bestuhlten 1. Klasse. Bei den bisherigen Zügen mit fünf Silberling-Wagen waren es 432 bzw. 30 Plätze.

Nach Aussage der Bahn müssen die weiteren für die Murrbahn vorgesehenen Doppelstockzüge noch diverse Tests bestehen. Nicht immer passen Elektronik und Abschluss der Wagen auf Anhieb zusammen. „Anfang bis Mitte März sollen planmäßig alle Doppelstockwagen im Einsatz sein“, lässt die Pressestelle der DB AG in Stuttgart wissen. Ob mit der Einführung der Doppelstockzüge die Pünktlichkeit verbessert wird, muss sich erst noch zeigen. Da ist noch viel Luft nach oben (siehe Tabelle unten).

Teilweise nur mit Lüftung

Wer jedoch gehofft hatte, dass die rund 40 Jahre alten Silberlinge durch neue oder relativ neue Wagen ersetzt werden, dürfte enttäuscht werden. Die Wagen der bislang eingesetzten Doppelstock-Garnituren wurden in den Jahren  1994 bis 1997 gebaut. Ein Zug besteht aus Wagen, die zuvor in den Netzen DB Regio Nord im Emsland, in Hannover und Braunschweig eingesetzt waren und 2006 nachträglich eine Klimaanlage  sowie teilweise neue Sitze und Fahrradabteile erhielten.  Die Wagen der anderen Zuggarnitur rollten zum Teil aus Nordrhein-Westfalen ins Land und haben nur teilweise eine Klimaanlage. Die jetzt verwendeten Steuerwagen stammen aus den Jahren 1996/1997 und fuhren zuvor in Bremen und verfügen statt einer Klimaanlage  nur über eine Lüftung. Und noch in einem Punkt unterscheiden sich die Steuerwagen am Zugende von den drei anderen Wagen: Der Einstieg ist nur 76 cm über der Schienenoberkante. Für Hessental (Bahnsteighöhe 38 cm, da fährt noch ein Tritt aus), für Gaildorf oder Crailsheim (beide 76 cm) ist das kein Problem.  Die Bahnsteige in Winnenden und Waiblingen sind aber 96 cm hoch. Das bedeutet: Für den Reisenden geht es vom Bahnsteig aus rund 20 cm hinunter in den Wagen bzw. beim Aussteigen 20 cm hinauf auf den Bahnsteig. „Es entstehen keine Probleme für die Einsteigenden, da (...) neben dem Steuerwagen zahlreiche Einstiegsmöglichkeiten existieren“, teilt die Bahn dazu mit. Besondere Maßnahmen werden jedenfalls nicht ergriffen.

Auf der Linie Hessental-Stuttgart fahren weiterhin die Silberlinge – noch bis Dezember. Dann sollen diese Sitzwagen durch die neuen Triebwagen der Bauart „Talent2“ ersetzt werden. Die haben je nach Bauart eine Einstiegshöhe von 60 bis 80 cm, nur dann nicht nur bei einzelnen Wagen, sondern auf der ganze Zuglänge.

Personalabbau und Stundentakt


Die Westfrankenbahn hat die Ausschreibung des Landes für die Strecken Crailsheim-Heilbronn und Crailsheim-Lauda-Wertheim gewonnen. Ab Dezember 2019 werden nur noch modernisierte Triebwagen der Bauart 642 eingesetzt – montags bis freitags im Stundentakt. Bis dahin baute die DB-Tochter aber 60 ihrer bislang 350 Stellen ab. Besonders betroffen ist der Standort Lauda (Bericht folgt). jjs