Oberrot Internationaler Museumstag: Start mit Johanna und Sophie

Vier starke Frauen beim Internationalen Museumstag: Maria Fassbender (rechts) und Traudl Hirschauer (hinten) waren sprachlich in die Rollen von Jeanne d'Arc und Sophie Scholl (mit weißer Rose) geschlüpft.
Vier starke Frauen beim Internationalen Museumstag: Maria Fassbender (rechts) und Traudl Hirschauer (hinten) waren sprachlich in die Rollen von Jeanne d'Arc und Sophie Scholl (mit weißer Rose) geschlüpft. © Foto: Brigitte Hofmann
Oberrot / BRIGITTE HOFMANN 18.05.2015
Der "Freie Adelssitz" ist durchgelüftet, das Inventar aufpoliert, das Vortragsprogramm steht. Am Sonntag, am Internationalen Museumstag, fiel im Äskulap Infozentrum der Startschuss in die neue Saison.

Mit großem Elan und immer neuen Ideen strickt Maria Fassbender unermüdlich weiter an ihrem Lebenswerk. Es ist ihr eine Herzensangelegenheit, ihr privates Museum in der Ortsmitte von Oberrot zu erhalten und die Freude darüber mit den Besuchern zu teilen. So sind Begegnungen im Lauf der Jahre zu Freundschaften geworden, und an den offenen Sonntagen, in der Regel an jedem zweiten Sonntag im Monat, finden sich Geschichtsinteressierte, Freunde und Wegbegleiter in ihrem Haus ein. Auch aus Stuttgart und Schwäbisch Gmünd kamen diesmal Gäste nach Oberrot in den "Freien Adelssitz", darunter Professor Michael Goer, Konservator am Landesamt für Denkmalpflege. Das Gebäude und die Besitzerin kenne er seit Jahren, sagte er, und er bewundere und schätze sie sehr.

Der "Freie Adelssitz" ist Maria Fassbenders Elternhaus, erbaut im Jahr 1550, in dem sie kostbare Bücher und andere Schätze sorgsam verwahrt, mit großem Aufwand hegt und pflegt und sehr liebevoll und optisch ansprechend präsentiert. Darunter hübsche Puppen-Arrangements, Kleider, Möbel oder Exponate, die zwei Jahrtausende europäischer Medizingeschichte dokumentieren. Als thematische Ergänzung schließt sich an der Hinterseite des Gebäudes ein hübsch angelegter Heilkräutergarten an. Eine kleine Oase, in der es sich zwischen Huflattich, Salbei und Lungenkraut prima sitzen und genießen lässt. Die Hausherrin ließ es sich wieder einmal nicht nehmen, ihren Gästen Kaffee und viererlei selbst gebackenen Kuchen anzubieten. Ab fünf Uhr in der Früh sei sie in der Küche gestanden, erzählte sie am Nachmittag - und immer noch war sie frohgelaunt.

Ihre Fortsetzung findet die Sonderausstellung über bedeutende Frauen von der Antike bis in die Neuzeit samt begleitender Vorträge. In schlichte Worte gefasst und deshalb leicht verständlich, stellt Maria Fassbender jeweils zwei Persönlichkeiten gegenüber. Tage und Nächte sitzt sie über Büchern und anderen Quellen, um die Referate fein säuberlich zu erarbeiten. Und darin gibt es keine Aussage, die sie nicht vorher hätte von fachkundiger Seite überprüfen lassen. Den Anfang machten Jeanne d'Arc, auch bekannt als Johanna oder Jungfrau von Orléans, und Sophie Scholl. Die eine lebte in der ersten Hälfte des 15., die andere in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Beide kämpften für ihre Überzeugung und verloren durch Verrat noch jung an Jahren ihr Leben. Während Johanna auf dem Scheiterhaufen endete und heute von der römisch-katholischen Kirche als Heilige verehrt wird, wird Sophies Einsatz gegen die Diktatur des Nationalsozialismus wohl auf alle Zeit unvergessen bleiben.

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