Murrhardt Internationale Talente an den Tasten

Internationale Talente kann man bei der Internationalen Klavierakademie in Murrhardt hören. Beim zweiten Teilnehmerkonzert spielten (von links): Binqi Yang (China), Yun Ling Chien (Taiwan), Jion Nakamura (Japan), Kyoko Kohno (USA), Hyelim Kim (Südkorea).
Internationale Talente kann man bei der Internationalen Klavierakademie in Murrhardt hören. Beim zweiten Teilnehmerkonzert spielten (von links): Binqi Yang (China), Yun Ling Chien (Taiwan), Jion Nakamura (Japan), Kyoko Kohno (USA), Hyelim Kim (Südkorea). © Foto: Elisabeth Klaper
Murrhardt / Von Elisabeth Klaper 03.09.2018
Die Teilnehmerkonzerte der internationale Klavierkonzerte in Murrhardt begeistern das Publikum. In der zweiten Runde zeigen vier junge Pianistinnen und ein Pianist ihr großes Können.

Spielfreude und Hingabe, Sorgfalt und hohes Einfühlungsvermögen: Vier junge Pianistinnen aus Taiwan, Südkorea, China und den USA, sowie ein junger Pianist aus Japan zeigen beim zweiten Teilnehmerkonzert der Internationalen Klavierakademie in Murrhardt ihr hohes künstlerisches Potenzial.

Sie präsentieren Werke aus Barock, Klassik und Romantik. Sie werden in angemessenem Tempo, fein abgestufter Lautstärke und den unterschiedlichen Charakteren und Stimmungen entsprechend vorgetragen. So machen die jungen Pianistinnen und Pianisten  die große Vielfalt musikalischer Ideen für die zahlreichen Zuhörer in der Festhalle transparent.

Beschwingte Partita

Elegant bietet die Taiwanesin Yun Ling Chien, die vor kurzem ihre Master-Abschlussprüfung an der National-Universität ihres Heimatlandes abgelegt hat, Johann Sebastian Bachs Partita in B-Dur (BWV 825) dar. Filigran gestaltet sie die Sätze, deren Reihenfolge der französischen barocken Tanzsuite entspricht und in denen eine beschwingte Melodie kunstvoll und verspielt mit verschiedenen Klangfarben und Figuren, Tanzrhythmen und Stimmungen va-  riiert wird.

Einen Höhepunkt des Abends bilden Robert Schumanns 13 Kinderszenen Opus 15. Die 1838 komponierten kurzen Stücke waren eigentlich gar nicht für Kinder gedacht, sondern „Rückspiegelungen eines Älteren und für Ältere“. Die Chinesin Binqi Yang, die an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig studiert, bringt jede Szene emotional und charakterlich treffend zum Ausdruck. Bezaubernd schön gestaltet sie vor allem die bekannten, fantasievollen und idyllischen Stücke „Von fremden Ländern und Menschen“, die „Träumerei“ oder das „Kind im Einschlummern“.

Ein großer Hörgenuss ist auch die brillante Interpretation der Sonate in e-Moll Nr. 27, Opus 90 von Ludwig van Beethoven durch den Japaner Jion Nakamura, der an der Liszt Ferenc Musikakademie in Budapest studiert. Beethoven komponierte die Sonate 1814 während der Befreiungskriege gegen Napoleon und versah sie mit deutschen Satzbezeichnungen. Mit höchster Genauigkeit arbeitet Nakamura die teils aggressiv und dramatisch wirkenden Kadenzen und Läufe heraus. Im zweiten Satz „Nicht zu geschwind und sehr singbar vorgetragen“ bringt er klangschön die liedhafte Melodik zur Entfaltung.

Außerdem gibt es zwei facetten- und klangfarbenreiche Balladen von Frédéric Chopin zu hören. Die an der Robert Schumann Musikhochschule in Düsseldorf studierende Südkoreanerin Hyelim Kim bietet temperamentvoll die Ballade Nr.1 in g-Moll, Opus 23 dar. Voller Energie bringt sie deren reiches Ideen-Panorama zum Ausdruck. Mit Verve und ausgeklügelter Spieltechnik gestaltet sie die unterschiedlichen lyrischen und dramatischen Stimmungen mit perlenden Motiven, Figurationen und Läufen.

Grollende Dissonanzen

Den Schlusspunkt setzt die US-Amerikanerin Kyoko Kohno, die an der privaten Northwestern University in Illinois studiert, mit der Ballade Nr. 3 in Chopins Lieblingstonart As-Dur, Opus 47. Mit souveränem, anmutig beschwingtem Spiel stellt sie die drei Themen mit mehreren nuancenreichen Variationen vor, wobei sich eine anfangs gelöste Stimmung in grollenden Dissonanzen verliert.

Emotional stellt Kohno leidenschaftliche und unruhige Passagen ebenso wie reiche Verzierungen dar und bringt die sich entwickelnden Klänge zum Strahlen. Zum Schluss der Ballade gestaltet sie brillant eine grandiose Modulation mit prächtigen gebrochenen Oktavakkorden. Mit lautstarkem Applaus danken die begeisterten Zuhörer allen Mitwirkenden für die faszinierenden Hörerlebnisse.

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