Gaildorf Naturstrom: Innovationsschmiede mit Aussicht

Die Firma Naturspeicher in Ulm: Hier werden ab Herbst die PE-Rohre gefertigt, die das Pumpspeicherkraftwerk des Gaildorfer Naturstromspeichers mit den Wasserbecken der Windräder verbinden.
Die Firma Naturspeicher in Ulm: Hier werden ab Herbst die PE-Rohre gefertigt, die das Pumpspeicherkraftwerk des Gaildorfer Naturstromspeichers mit den Wasserbecken der Windräder verbinden. © Foto: Volkmar Könneke
Gaildorf / Richard Färber 31.07.2018
Richtfest im Ulmer Science-Park: Dort sollen die Polyethylenrohre für den Gaildorfer Naturstromspeicher gefertigt werden.

Für ein „Start-up“, wie Geschäftsführer Alexander Schechner die Naturspeicher GmbH nennt, legt die Firma ein beachtliches Tempo hin. Zu dritt haben sie vor fünf Jahren als Max Bögl Schechner GmbH in einem angemieteten Büro in Ulm angefangen, mittlerweile brennen 45 Beschäftigte für diesen Ableger des Gaildorfer Naturstromspeichers. Platz gibt’s jetzt auch: Am vergangenen Donnerstag wurde die Richtkrone auf das neue Firmengebäude im Science Park 3 gehoben.

Bei dem Neubau handelt es sich um eine 45 mal 25 Meter große Fertigungs- und Entwicklungshalle mit einem angebauten, dreigeschossigen Verwaltungsgebäude. Und mit Aussicht: Das Gebäude liegt an einem Hang, von den oberen Stockwerken aus kann man einen schönen Blick Richtung Merklingen auf der Hochfläche der Alb genießen.

In der Halle werden künftig die eigens entwickelten Polyethylenrohre produziert, die erstmals beim Naturstromspeicher in Gaildorf zum Einsatz kommen und unter dem Namen „Ecopipe“ weltweit vertrieben werden sollen. Die 2000-Millimeter-Rohre, mit deren Herstellung noch im Herbst dieses Jahres begonnen werden soll, verbinden in Gaildorf die Wasserspeicher an den Windrädern mit dem Pumpspeicherkraftwerk im Tal. Sie müssen, wenn die Fließrichtung binnen wenigen Sekunden zwischen Speichern und Stromerzeugung wechselt, extreme Drücke aushalten. Für die weniger belasteten Rohrverbindungen zwischen den vier Windrädern, die derzeit verlegt werden, genügen konventionelle PE-Rohre.

Auch „Wärmespeicher“ werden in der Produktionshalle produziert. Sie sind ein in der Ulmer Innovationsschmiede entwickeltes Nebenprodukt des Naturstromspeichers, der weltweit unter dem Namen „Wasserbatterie“ vermarktet werden soll. Die in den Unterbecken schwimmenden Anlagen ermöglichen es, zusätzlich zur Stromerzeugung auch Fernwärme anzubieten. Das Prinzip funktioniert auch unabhängig von der Wasserbatterie: erste Wärmespeicher versorgen bereits Privathaushalte.

In dem neuen Firmengebäude werden solche Wärmespeicher selbstredend ebenfalls zum Einsatz kommen; die dafür benötigten Gruben sind bereits ausgehoben. Gleichzeitig werden sogenannte „Aktivwände“ eingebaut, die für einen kontinuierlichen Luftaustausch sorgen und die konventionelle Lüftungstechnik ersetzen. „Mit den Aktivwänden gewinnen wir ein ganzes Stockwerk“, sagt  der Energieingenieur Martin Heffner, der aktuell an seiner Bachelorarbeit sitzt und sich sozusagen „nebenbei“ noch um die Aktivwand-Technologie kümmert. Herkömmliche Lüftungsanlagen werden bei solchen Gebäuden nämlich üblicherweise aufs Dach gebaut. Beliebig nach oben bauen darf man aber auch im „Science Park 3“ nicht.

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