Von 1870 Innungsbetrieben sind 80 Prozent solche mit unter zehn Mitarbeitern, und wir sind einer davon, und wir bekommen einen Preis.“ Mario Esch kennt das Handwerk im Rems-Murr-Kreis. Der Betriebswirt und Schreinermeister arbeitet seit vielen Jahren in der Prüfungskommission des Schreinerhandwerks. Und er ist stolz auf die Auszeichnung, die er mit seiner Frau Petra Schweitzer beim Schreinertag entgegennahm. „Wir freuen uns auch über einen zweiten Thalhofer-Innovationspreis“, meint der 50-Jährige strahlend.

Vor zwei Jahren hat’s für den ersten Platz gereicht. Damals stand der Wettbewerb unter dem Thema „vorausdenken – nachhaltig handeln“, diesmal ging’s um Digitalisierung.

Umzug in große Halle

Vor drei Wochen ist Mario Esch mit seinem Betrieb von Althütte nach Fornsbach ins Industriegebiet umgezogen, weil er dort den benötigten Platz hat. In der geräumigen Halle steht seine Erfindung, eine mehrere Meter lange und circa drei Meter hohe Maschine. Diese Konstruktion schneidet die Platten zu und bohrt die notwendigen Löcher. „Die Maschine optimiert den Verschnitt“, erklärt Petra Schweitzer, „und sie kann keine Fehler machen. Das ist wichtig.“ In der Industrie werde dieses System in der Serienproduktion eingesetzt mit dem Ziel, effizienter zu arbeiten. „Und genau das wollen wir auch“, sagt der Chef.

Weniger Verschnitt

Beim Kunden vermisst er lasergestützt den Raum und plant mit einem CAD-Zeichensystem den Entwurf in 3-D. So sieht der Kunde, wie das Möbelstück im Raum wirkt und kann Änderungswünsche äußern. Esch überspielt dieses Profil ins System, das automatisch erkennt, welche Holzmenge benötigt wird, wie viele Scharniere und Griffe und ordert die Bestellung.

Es füttert die Maschine mit den für den Zuschnitt relevanten Daten. „Nach zehn, 15 Minuten rollt der fertige Zuschnitt vom Band und der Kollege kann die Teile montieren“, erklärt Mario Esch. Ein Etikett auf der Platte zeigt ihm sogar an, wo noch eine Kante aufzubringen ist.

„Die Maschine übernimmt die Arbeiten, die langweilig sind, und wir haben so mehr Zeit, kreativ zu sein“, freut sich Geselle Lars Selig. Ihm macht die Arbeit in der Schreinerei Esch Spaß. „Wir können jetzt noch leistungsfähiger sein“, sagt der Schreiner. Innerhalb von drei bis fünf Wochen liefert er seine maßgefertigten und den persönlichen Bedürfnissen angepassten  Möbel. „Unsere Kunden schätzen es, dass sie nicht wochenlang auf ihr Möbelstück warten müssen“, meint Petra Schweitzer. Sie erwähnt einen weiteren Vorteil der Innovation: „Wir können günstiger arbeiten und dem Kunden bessere Preise anbieten.“

Die Digitalisierung nimmt dem Schreinerehepaar so viel Arbeit ab und spart so viel Zeit, dass sie noch vier weitere Gesellen einstellen könnten, „die es aber nicht gibt“, wie er bedauernd nachschiebt. Heute habe der Beruf 17 bis 19 Auszubildende pro Ausbildungsjahr, früher waren es 120 bis 140, erzählt Mario Esch. Er kann sich vorstellen, dass die Digitalisierung seinen Beruf für junge Leute attraktiver macht.

Ein Leuchtturmprojekt

Das neue System „ist ein Leuchtturmprojekt, für das wir viel recherchiert haben“, berichtet der Schreinermeister. Vier Firmen waren beteiligt. „Jede hat in ihrem Bereich mit einem Digitalisierungssegment gearbeitet, wir haben alle zusammengeführt.“

Ein Ziel sind wettbewerbsfähige Betriebe


Der Innovationspreis des baden-württembergischen Schreinerhandwerks ist mit 12 000 Euro dotiert und wird vom Landesfachverband und der Thalhofer Holzzentrum GmbH & Co. KG ausgelobt. Die Georg Thalhofer OHG stiftet den Preis seit 2004 mit dem Ziel, herausragende Leistungen und handwerkliches Können auszuzeichnen. Außerdem sollen innovative Entwicklungen des Schreinerhandwerks gefördert werden, die zu einer Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe führen. In diesem Jahr stand er unter dem Thema Digitalisierung.

Den ersten Preis erhielt in der Kategorie der Betriebe bis zehn Mitarbeiter die Zanzinger GmbH in Crailsheim. Der Fensterbauer stellt Wintergärten her. ka