Gaildorf Am Naturstromspeicher geht’s weiter

Derzeit kann man bei Gaildorf fußläufig den Kocher unterqueren: Der sogenannte „Düker“ zwischen dem Einlaufbauwerk und dem Schacht für das Pumpspeicherkraftwerk ist begehbar. Im Bild: Nancy Fürst und Johannes Kaltner.
Derzeit kann man bei Gaildorf fußläufig den Kocher unterqueren: Der sogenannte „Düker“ zwischen dem Einlaufbauwerk und dem Schacht für das Pumpspeicherkraftwerk ist begehbar. Im Bild: Nancy Fürst und Johannes Kaltner. © Foto: Richard Färber
Gaildorf / Richard Färber 24.03.2018
Im April beginnen wieder die Aushubarbeiten am Unterbecken in der Kocheraue. In Ulm wird die Fertigung von PE-Rohren vorbereitet. Das Pumpspeicherkraftwerk soll im Sommer 2019 den Betrieb aufnehmen.

Die meisten wollen wissen, wann das Unterbecken geflutet wird, sagt Johannes Kaltner. Der Bauleiter des Naturstromspeichers  hat gestern zusammen mit Jürgen Joos, kaufmännischer Leiter Wind bei Max Bögl, und Marketingleiterin Nancy Fürst über den aktuellen Stand informiert. Danach werden am 9. April die restlichen Aushubarbeiten am Unterbecken in der Kocheraue beginnen. Etwa 40.000 Kubikmeter müssen noch abgefahren werden, der Rest wird für die Geländeprofilierung verwendet. Das Abfuhr-Konzept will Kaltner noch im April im Gaildorfer Gemeinderat erläutern. Auch eine Lkw-Waschanlage werde bis dahin installiert sein, kündigt er an.

Inbetriebnahme Mitte 2019

Aktuell werden Vorbereitungsarbeiten durchgeführt, Leitungen und Rohre verlegt, am Damm zum Kocher beispielsweise, wo eine bereits existierende Abwasserleitung und zwei Stromkabel passiert werden müssen. Auf der Straßenseite des Unterbeckens werkeln Mitarbeiter der NOW und auch die ENBW ist vor Ort, um ihre 110-kV-Leitung in Sicherheit zu bringen. Geflutet werden soll das Unterbecken allerdings nicht wie bisher angenommen bereits Ende des Jahres, sondern erst im Frühjahr 2019. Die Inbetriebnahme des Pumpspeicherkraftwerkes ist dann für Sommer geplant.

Die Verzögerung ist sozusagen innovationsbedingt. Für den Naturstromspeicher wurden neue Polyethylenrohre mit einem bisher nicht dagewesenen Durchmesser von zwei Metern sowie eine neuartige Verlegetechnik entwickelt, die derzeit getestet wird. All diese Innovationen, die sich in der Entwicklungs- und Bauphase ergeben haben, sollen im Pilotprojekt ihre Funktionstüchtigkeit erweisen, sagt Joos.

Letzter Arbeitsschritt

PE-Rohre bis zu einem Durchmesser von 1,6 Metern, wie sie zwischen den Windrädern auf den Limpurger Bergen verlegt werden, will Max Bögl Wind zukaufen.  Die Zwei-Meter-Rohre aber, die für die Verbindung zum Pumpspeicherkraftwerk benötigt werden, wird das Unternehmen selbst herstellen. In Ulm werde derzeit die Fertigung aufgebaut, erklärt Joos. Mit der neuen Technik, die auch zum Patent angemeldet ist, könnten die Rohre künftig aber auch direkt an den Baustellen hergestellt werden.

Die Verlegung von den Limpurger Bergen hinab zum Pumpspeicherkraftwerk wird der letzte Arbeitsschritt vor Inbetriebnahme des Pumpspeicherkraftwerkes sein. Es wird bei Münster die Bundesstraße unterqueren, die für die Verlegung aufgegraben werden muss. Zwei gleichzeitige Baustellen – in Münster soll auch die Kocherbrücke erneuert werden – sind allerdings nicht zulässig, weil Münster sonst vom Verkehr abgeschnitten wäre. Der Brückenbau, sagt Kaltner, habe aber Priorität.

Der Bauleiter ist ein vielgefragter Mann. Dreimal pro Woche führt er derzeit Besucher durch die Baustelle, die Nachfrage ist so groß, dass die Zahl der Führungen beschränkt werden musste. Wirtschaftsvertreter, Verbandsfunktionäre, Wissenschaftler, viele Fachstudenten, aber auch privat organisierte Gruppen melden sich für die Warteliste. Gerne führt Kaltner die Besucher auch durch den sogenannten „Düker“ unter dem Kocher hindurch. Das derzeit noch begehbare 104 Meter lange Rohr verbindet das Einlaufbauwerk am Unterbecken mit dem 25 Meter tiefen Schacht, in dem das Turbinenhaus untergebacht werden soll.

Weltweites Interesse

Mit der Inbetriebnahme des derzeit höchsten Windrads der Welt bei Gaildorf ist das öffentliche Interesse an der Anlage förmlich explodiert. Berichteten bis dahin überwiegend Fachmedien über diese neuartige Verbindung von Wind- und Pumpspeicherenergie, melden sich nun auch die großen Agenturen, Sender und Publikationen. Anfragen gebe es aus aller Welt, sagt Nancy Fürst, sogar „Fox News“, Donald Trumps Lieblingssender, habe sich schon gemeldet.

Grenzwerte nicht annähernd erreicht

Grenzwerte Sind die Wind­räder des Gaildorfer Naturstromspeichers lauter als zulässig? Im Bezirksbeirat Unterrot war die Forderung nach Schallmessungen laut geworden, weil die Anlagen „dermaßen stark“ zu hören seien. In einem Leserbrief wird „fliegerähnlicher Lärm“ beklagt. Weitere Beschwerden lägen aber nicht vor, erklärt das Bau- und Umweltamt im Landrats­amt auf Anfrage. Es gebe auch keinen Handlungsbedarf. Die für insgesamt 16 Messpunkte festgesetzten Grenzwerte würden nicht annähernd erreicht.

Faktoren Für die Berechnung der Emissionen wird die schalltechnische Vermessung der Anlage durch den Hersteller zugrundegelegt. Diese Messergebnisse werden im sogenannten „Interimsverfahren“ weiter verfeinert. Dazu werden Faktoren wie Bewuchs oder Bebauung miteingerechnet.  Hatte es sich bei den ursprünglich zur Genehmigung gemeldeten Rotoren noch um einen Prototyp ohne schalltechnische Spezifikation gehandelt, sind die nun verwendeten Rotoren von General Electric bereits am Markt etabliert. rif

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