Schwäbisch Gmünd Innig und prachtvoll im Klang: „La Venexiana“ glänzen in Gmünd

„La Venexiana“ in der Augustinuskirche in Schwäbisch Gmünd. Das von Vanni Moretto geleitete Ensemble, zu dem auch zehn Gesangsstimmen gehören, beeindruckte mit Monteverdis „Vespro della Beata Vergine“.
„La Venexiana“ in der Augustinuskirche in Schwäbisch Gmünd. Das von Vanni Moretto geleitete Ensemble, zu dem auch zehn Gesangsstimmen gehören, beeindruckte mit Monteverdis „Vespro della Beata Vergine“. © Foto: Ralf Snurawa
Schwäbisch Gmünd / RALF SNURAWA 03.08.2016
Lang anhaltenden und begeisterten Applaus erhielt das italienische Ensemble „La Venexiana“ am Samstagabend für seine Interpretation von Claudio Monteverdis „Vespro della Beata Vergine“.

Klangpracht stand am Beginn des Konzertes mit Monteverdis „Marienvesper“ in der Augustinuskirche in Schwäbisch Gmünd. Zwar klang die Interpretation  füllig; dies ging jedoch nicht auf Kosten der Transparenz des Ensembleklangs. Dies wiederholte sich zu Beginn des sechsstimmigen „Dixit Dominus“. Der „Virgam virtutis tuae“-Abschnitt nur mit den hohen Stimmen wirkte wunderbar als Kontrast. Später kam es zu schönem Ineinandergreifen der zehn Gesangsstimmen, die wiederum in ein explosiv-kraftvolles „Gloria Patri et Filio“ mündeten.

Starke Kontraste wurden vom Ensemble unter der Leitung von Vanni Moretto gern unterstrichen. Das betraf etwa den Beginn des 112. Psalms. Festliches Betonen des „Laudate, pueri, Dominum“ traf so auf sanfter getöntes „Sit nomen Domini benedictum“ mit stark verzierten melismenreichen Momenten. Am Ende wurde das einhaltend gestaltete „Suscitans a terra inopem“ erregten, fast tänzerischen Schlussversen gegenübergestellt.

Umschlungen vom Klang der Instrumente

Den von Monteverdi gern genutzten „stile concitato“ (erregte Art der Wiedergabe) wussten die Musiker vor allem zum 126. Psalm, „Nisi Dominus“, zu unterstreichen. Die Vertonung wirkte in der Wiedergabe durch Pulsieren und zahlreiche Akzentsetzungen geradezu fesselnd.

Momente des Einhaltens boten dagegen die von Monteverdi als Concerti bezeichneten Solovorträge. Vor allem das „Audi coelum, verba mea“ (Höre Himmel, meine Worte) erwies sich als inniges Tenor-Rezitieren von Raffaele Giordani mit Echoeffekten von Riccardo Pisani aus dem hinteren Teil des Kirchenchores. Wunderbar entrückt wirkte die zentrale Stelle, an der die beiden Sänger das süß-sanfte des „virgo illa dulcis“ hervorzuheben wussten.

Umso eindringlicher erschien dann der Einsatz aller Stimmen zu „Omnes hanc ergo sequamur“ (Dann lasset uns alle ihr folgen) und preisend am Schluss das „Benedicta es, virgo Maria“. Zart zurückgenommen wussten die Sopranistinnen, Emanuela Galli und Francesca Cassinari, das „Pulchra es, amica mea“ zu intonieren, dem später mit dem „Nigra sum“ ein drängendes Tenorsolo von Raffaele Giordani folgte.

Unheimlich in seiner Wirkung war das „Et hic tres unum sunt“, das die drei Tenöre Raffaele Giordani, Riccardo Pisani und Valerio Contaldo im „Duo Seraphim“ zu Gehör brachten. Zur „Sonata sopra ‚Sancta Maria‘“ waren die beiden Sopranistinnen noch einmal mit dem „Cantus firmus“ zu hören, umschlungen von den Tönen von Violinen, Zinken und Posaunen. Dem folgte der Hymnus „Ave maris stella“, den alle Sänger zu einem Wechsel von kantabler Innigkeit und expressiv zelebrierter Klangpracht werden ließen.

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