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Bahnhofstraße
Gaildorf / Klaus Michael Oßwald  Uhr
Gaildorfs Ortsdurchfahrten bekommen Schutzstreifen für Radler. Nebeneffekt für die Kanzleistraße: Das Problem der Zweispurigkeit ist gelöst.

Worten sollen Taten folgen: Die stark befahrenen Durchgangsstraßen in der Gaildorfer Kernstadt werden mit Schutzstreifen für Radfahrer markiert. Ein entsprechendes Konzept – in Zusammenarbeit zwischen der Verkehrsbehörde des Landratsamts und der Stadt, der Polizei und des ADFC, der Stadtverwaltung und des Verbandsbauamts erarbeitet – hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung für gut befunden und mit Beifall quittiert.

Im Vordergrund stehe, wie es Bürgermeister Frank Zimmermann bereits im vergangenen Jahr angekündigt hatte und nun erneut betonte, „die Schaffung von mehr Sicherheit für Radfahrer im immer dichter werdenden Pkw- und Lkw-Verkehr“. Ein Plus an Sicherheit, wie es in der Vergangenheit Bürger, die Zukunftswerkstatt und der ADFC mehrfach angemahnt hatten. Denn in den täglichen Stoßzeiten war und ist die Gaildorfer Innenstadt für Radler ein brandgefährliches Pflaster.

Unter der Gaildorfer Marktplatzkreuzung werden ab Montag Glasfaserleitungen verlegt.

Für Verbandsbaumeister Manfred Sonner, der dem Gemeinderat das von Ordnungsamtsleiterin Nadine Fischer ausgearbeitete Maßnahmenbündel vorstellte, ist mit Blick auf die Verkehrsverhältnisse im Stadtgebiet der Fall klar: „Wir müssen für Radler was tun!“ Und zwar auf folgenden durch den Verkehr besonders belasteten Abschnitten fast durchgängig: Karlstraße und Schillerstraße, Kanzleistraße und Bahnhofstraße, Schloss-Straße und Eutendorfer Straße.

Mindestkriterien erfüllt

Ein schwieriges Unterfangen, zumal für die Anlage von Schutzstreifen verschiedene Mindestkriterien einzuhalten sind. So muss die übrigbleibende Fahrbahn bei „Zweirichtungsverkehr“ mindestens 4,50 Meter breit sein, der Radschutzstreifen selber 1,25 Meter. Der Sicherheitsabstand bei Längsparkplätzen wie beispielsweise in der Bahnhofstraße oder der Kanzleistraße sollte einen halben Meter nicht unterschreiten. Eine weitere Voraussetzung bezieht sich auf die Verkehrsbelastung von maximal 1000 Lastwagen pro Tag.

Ein Nebeneffekt für die Kanzleistraße: Durch eine Markierung löst sich laut Verbandsbaumeister das in den vergangenen Monaten heftig diskutierte Problem der Zweispurigkeit – die im Bereich des Fußgängerüberwegs nicht mehr zulässig ist – von selber. Die geforderte Einspurigkeit werde durch den Schutzstreifen hergestellt.

Die Debatte im Technischen Ausschuss des Gemeinderats führt noch nicht zu einem Beschluss in Sachen Kanzleistraße.

Insgesamt, so Manfred Sonner, würden die genannten Straßen durch die Sicherheitsmaßnahmen „optisch erheblich schmaler“; der Verkehr werde langsamer, ohne aber den Verkehrsfluss zu beeinträchtigen. Verschiedene Details müssten noch mit der Haller Verkehrsbehörde abgestimmt werden. Etwa eine besondere Markierung an Einmündungsbereichen. Die Finanzierung solcher Markierungen – für die es Fördermittel gibt – obliegt dem Straßenbaulastträger.

Rathauschef Zimmermann freut’s, dass durch diese „sehr fundierte Ausarbeitung“ nun der Radverkehr als gesunde und umweltfreundliche Mobilität gefördert werden kann. „Großes Lob“ äußerte auch Stadtrat Axel Spix (Offene Liste) – „klasse, dass das jetzt in Angriff genommen wird“. Mit einem „Super“ bedachte SPD-Fraktionschefin Margarete John das Projekt. Sie frage sich jedoch, warum das nicht schon vor zehn Jahren umgesetzt worden sei. Heinrich Reh, Vorsitzender der FWV-Fraktion, äußerte sich beeindruckt von dem umfangreichen Konzept, hinter dem viel Arbeit stecke.

Bitte um Anordnung

Das Votum des Gremiums fiel am Ende eindeutig aus: Bei einer Gegenstimme (Cornelia Dähmlow/CDU) nahmen die Räte die Planung zustimmend zur Kenntnis. Gleichzeitig beauftragten sie die Stadtverwaltung, die Verkehrsbehörde des Landkreises zu bitten, die Markierung der Schutzstreifen „verkehrsrechtlich anzuordnen“.

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Eindeutiges Signal für alle Verkehrsteilnehmer

Mit Schutzstreifen soll Radfahrern ein Raum auf der Straße markiert werden, der Fahrzeuglenkern signalisiert: In dieser Zone sind Radler unterwegs! Die Streifen dürfen dann überfahren werden, wenn dort keine Radfahrer zugange sind. Durch die Schutzstreifen-Markierungen erscheint die Fahrbahn optisch stark verengt, und der Verkehr wird insgesamt langsamer, was Beobachtungen in Städten zeigen, in denen solche Markierungen bereits angelegt sind.