Gaildorf In zwei Wochen rollt der letzte Laster

Das Ein-/Auslaufbauwerk im Unterbecken des Naturstromspeichers. Die Beckenböschung ist zum Teil bereits befestigt. Im Hintergrund eines der vier Windräder.
Das Ein-/Auslaufbauwerk im Unterbecken des Naturstromspeichers. Die Beckenböschung ist zum Teil bereits befestigt. Im Hintergrund eines der vier Windräder. © Foto: Richard Färber
Gaildorf / Richard Färber 29.10.2018
Das Unterbecken in der Rotaue wird demnächst fertig. Bis Weihnachten soll auch die Böschung befestigt sein. Das Gelände nimmt dann seine endgültige Form an.

Fast wär’s eine Punktlandung geworden. In zwei Wochen wird der letzte Lastwagen mit Aushub vom Unterbecken des Gaildorfer Naturstromspeichers von der Baustelle rollen  – falls die Witterung nicht noch in den Zeitplan grätscht. 18.000 Kubikmeter Erdreich, das entspricht 2000 Lkw-Fahrten, sind dann seit Mitte September nach Übrigshausen abtransportiert worden. Das Erdreich wird verwendet, um in dem Untermünkheimer Teilort eine alte Lehmgrube aufzufüllen. 19.000 Kubikmeter aus der Rotaue sind dort schon eingebaut.

Damm entlang der B 298

Das Becken selbst soll bis Weihnachten fertiggestellt sein. Derzeit wird die Böschung mit gebrochenen Natursteinbrocken, sogenannten „Schroppen“, befestigt. Ein „geotextiles Filtervlies“ zwischen Steinschicht und Böschung soll verhindern, dass später Feinteile aus der Erde ins Becken gespült werden.

Von der B 298 aus, die zwischen Gaildorf und Unterrot am Unterbecken vorbeiführt, sieht man von den Baufortschritten freilich so gut wie nichts. Ein langer Damm versperrt die Sicht auf die Rotaue; auf einem Dammabschnitt in Richtung Unterrot ist zudem Humus gelagert, allerdings nur vorübergehend.

Ein paar Meter weiter in Richtung Gaildorf wurde kürzlich direkt neben der Straße eine große Grube ausgehoben. Mit dem Naturstromspeicher hat diese Maßnahme allerdings nichts zu tun. Man habe dort eine Druckleitung der Nordostwasserversorgung NOW austauschen müssen, erklärt Johannes Kaltner, Bauleiter des Naturstromspeicher-Bauherren Max Bögl Wind. Bis Testläufe unter Druck zeigen, dass die Leitung dicht bleibt, werde die Grube auch offen gehalten.

Rampe wird wieder abgebaut

Baufahrzeuge erreichen das Unterbecken derzeit über eine Rampe, die von der B 298 zur Baustelle hinabführt. Diese Rampe wird später, wenn das Becken fertig ist, wieder abgebaut.

Das Gelände wird dann auch langsam seine endgültige Form annehmen, auch der Humus wird Verwendung finden – und in ein paar Jahren wird die Anlage um das Becken begrünt sein. „Das wird eine schöne Sache“, sagt Kaltner – er ist überzeugt, dass die Gaildorfer die Anlage schnell annehmen werden.

Ob das Unterbecken am Ende auch von der Straße aus zu erkennen sein wird, „hängt von der Fahrzeughöhe ab“, sagt  Kaltner: Aus einem normalen Pkw heraus wird man also wohl eher nicht über den Damm lugen können.

Gelände für Naherholung

Autofahrern eine interessante Aussicht zu verschaffen ist allerdings auch nicht das primäre Ziel der Baumaßnahme. Gleichwohl wird das Gelände der Naherholung dienen: ein Weg wird um das Becken führen und auch der Kocher-Jagst-Radweg kann angeschlossen werden (wir haben berichtet).

Das Unterbecken, 400 Meter lang, 150 Meter breit und sechs Meter tief, soll im kommenden Frühjahr einmalig geflutet werden. Allerdings nicht komplett, weil das Becken auch als Retentionsraum dienen soll. Ursprünglich war dort für den Hochwasserfall eine Flutmulde vorgesehen. Deren Funktion bleibt in dem neuen Becken erhalten.

Das Unterbecken bildet zusammen mit dem Pumpspeicherkraftwerk, das auf der anderen Kocherseite gebaut wird, und den Wasserspeichern in den Windrädern auf den Limpurger Bergen ein geschlossenes System. Der Mix aus Wind- und Wasserkraft ermöglicht dann sekundenschnelle Wechsel zwischen Stromspeicherung und -lieferung.

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