Naturstromspeicher Naturstromspeicher: In drei Wochen soll der erste Windstrom fließen

Gaildorf / Richard Färber 18.10.2017
An den Windenergieanlagen des Gaildorfer Naturstromspeichers hat die Endmontage begonnen. Die Erdaushub-Transporte wurden vorerst gestoppt, ein neues Abfuhrkonzept wird vorbereitet.

Die MBS Naturspeicher GmbH transportiert derzeit keinen Erdaushub mehr von Gaildorf nach Obersontheim. Die Transporte seien zwar genehmigungskonform gelaufen, so Nancy Fürst, Pressesprecherin der Max Bögl Gruppe, allerdings habe man nicht berücksichtigt, wie sehr die Anwohner an der L 1066 durch die täglichen LKW-Karawanen belastet werden (wir haben berichtet). Etwas mehr als 50 000 Kubikmeter wurden bereits abgefahren, die restlichen 20 000 Kubikmeter, die für die Deponie vorgesehen sind, sollen im Frühjahr das Gelände verlassen. Man werde bis dahin ein neues, deutlich entzerrtes Abfuhrkonzept erarbeiten, sagt Bauleiter Johannes Kaltner.

Umgehungsstraße tangiert

Der Großteil des Aushubs bleibt ohnehin vor Ort. Ursprünglich sollten 220 000 Kubikmeter abtransportiert werden. Dann wurde entschieden, 150 000 Kubikmeter zur Modellierung des Geländes rund um das Unterbecken zu verwenden. Das 400 mal 150 Meter große und sechs Meter tiefe Bassin wird später als Reservoir für das Pumpspeicherkraftwerk dienen, das wiederum mit den Wasserspeichern an den Füßen der vier Windkraftanlagen auf den Limpurger Bergen verbunden ist. Die Baugenehmigung für die Geländemodellierung hat zwar den Gaildorfer Gemeinderat passiert, liegt aber noch bei den zuständigen Genehmigungsbehörden. Der Plan sei nicht grunsätzlich strittig, sagt Kaltner, es seien aber noch Details etwa zur Neigung von Böschungskanten zu klären. Berücksichtigt werden müsse auch die Planung der künftigen Umgehungsstraße. Die Trasse wäre auf einer kurzen Strecke tangiert; die MBS muss dort dafür sorgen, dass die Planungshöhe der neuen Straße nicht überschritten wird.

Bis die dafür notwendigen Daten vorliegen, ruht die Arbeit nicht. Aktuell wird die Dichtwand des Unterbeckens gebaut. Dafür müssen rund um das Becken 1800 Bohrpfähle sechs Meter tief ins Erdreich getrieben werden. Weil das Keupergestein erst in fünf Metern Tiefe beginnt, geht das allerdings relativ flott. Etwa 40 Bohrpfähle könne man täglich setzen, sagt Kaltner, 50 Arbeitstage seien eingeplant. Die Bohrpfähle bestehen aus Flüssigboden und werden im Zweierabstand entlang einer betonierten Bohrschablone gesetzt. Ist der Flüssigboden in den beiden Pfählen angehärtet, wird ein weiterer Bohrpfahl verschnitten dazwischen gesetzt.

Es handelt sich um die gleiche Technik, die auch beim Bau der Grube für das Pumpspeicherkraftwerk verwendet wurde, das im kommenden Jahr in Betrieb gehen soll und dem das Pilotprojekt auch den Namen „Wasserbatterie“ verdankt. Allerdings bestehen die Bohrpfähle dort aus Beton und reichen 25 Meter tief. In die kreisrunde Grube wurde jetzt eine Tunnelbohrmaschine gesetzt. Sie wird die Verbindung zum Ein- und Auslaufbauwerk des Unterbeckens auf der anderen Kocherseite herstellen.

Die Leitungen zwischen den Windkraftanlagen und dem Umspannwerk westlich des künftigen Unterbeckens sind bereits gelegt und werden derzeit verbunden. Damit wäre dann auch alles für die Produktion und Einspeisung von Windstrom vorbereitet. In der zweiten Novemberwoche, schätzt Kaltner, werde sich der erste Rotor drehen. Der erste der 67,5 Meter langen Flügel wurde in der Nacht zum Dienstag an der Windkraftanlage Drei hochgezogen und gestern montiert. Ursprünglich sollte der komplette Rotor bis Montag fertig sein, allerdings traten technische Probleme auf, die erst noch behoben werden mussten.

Lange Transportwege

Die Windkraftanlage Fünf ist dann als nächstes an der Reihe. Die Generatorgondel ist bereits vor Ort und wird voraussichtlich heute hochgezogen und montiert; die Flügel, sagt Kaltner, dürften über Nacht angeliefert werden. An den Windkraftanlagen Zwei und Vier steht noch die Montage der Stahlmodule an, die auf die Betontürme gesetzt werden. Für den 26. Oktober ist die Anlieferung der Generatorengondel am Standort Vier vorgesehen; am Standort Zwei soll sie Anfang November geliefert werden.

Die Flügel, die in Rostock  produziert werden, folgen jeweils kurz danach am 27. Oktober und am 10. November. Die Generatorengondeln kommen übrigens aus Salzbergen im Landkreis Emsland in Niedersachsen, wo die GE Wind Energy ihren Sitz hat, die Windenergietochter des US-Unternehmens General Electric.

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