Schädling In den Wipfeln der Eichen lauert der Juckreiz

Von Richard Färber 06.07.2017
Im Gaildorfer Stadtgebiet wurden vier Bäume entdeckt, die vom Eichenprozessionsspinner befallen sind. Heute soll’s dem Schädling an den Kragen gehen.

Die ersten Bluesfestgäste sind schon da, und sie sind unerwünscht. Am Fußweg von der Gaildorfer Kocherwiese nach Unterrot wurden einige Eichen entdeckt, die vom Eichenprozessionsspinner beziehungsweise von dessen Raupen befallen wurden. Auf dem Weg zum Falter durchlaufen sie fünf bis sechs Entwicklungsstadien, und ab dem dritten Stadium sollte man nicht in ihre Nähe kommen, weil sie Brennhärchen mit Widerhaken entwickeln, die ein Nesselgift enthalten.

Der Kontakt mit diesen Härchen führt unweigerlich zu Juckreiz und Rötungen, in schlimmeren Fällen zu Hautentzündungen; eingeatmet können sie zu Bronchitis und Asthma führen. Abstand zu halten, ist also ratsam, und auch auf die Windrichtung sollte man achten: Die Härchen brechen leicht und können vom Wind weit getragen werden.

Passanten schlagen Alarm

Weil der Eichenprozessionsspinner meist in den Wipfeln der Eichen sitzt, bemerkt man ihn oft erst, wenn’s bereits juckt. In Gaildorf  kam’s in diesem Jahr allerdings nicht so weit: Passanten hätten Alarm geschlagen, nachdem sie eines der Nester entdeckt hatten, berichtet Steffen Munz, der Leiter des Gaildorfer Baubetriebshofs. Der viel frequentierte Fußweg nach Münster, der gerne von Joggern genutzt wird, wurde umgehend gesperrt, die Stadtverwaltung hat entsprechende Warnhinweise aufgestellt.

Zwischenzeitlich wurden noch zwei weitere befallene Bäume gemeldet. Einer steht in Münster, der zweite an einer Bushaltestelle bei Winzenweiler. er ist leicht erkennbar: er trägt kaum noch Blätter. Munz hat nun eine Spezialfirma beauftragt, die dem Schädling heute zu Leibe rücken wird. Vorsorglich habe man auch noch jene Bäume kontrolliert, die in den letzten Jahren befallen waren, berichtet er. Sie seien allerdings sauber, man habe es mit Neubefall zu tun.

Seit der Eichenprozessionsspinner in den 1990-er Jahren in Süddeutschland gehäuft aufzutreten begann, wurden etliche Methoden entwickelt, um der Raupe Herr zu werden. Im Forst wird in der Regel nur dann eingegriffen, wenn der Schädling, der hauptsächlich Eichen anfällt, bleibende Schäden anzurichten droht. In Wohngebieten, an stark frequentierten Straßen, Parks oder in der Nähe von Spielplätzen aber kann man ihn nicht dulden.

Spritzmittel entwickelt

Die rabiateste Methode ist das Abflammen. Dabei müssen aber auch Schäden am Baum in Kauf genommen werden. Alternativen wären das Absaugen oder die Verwendung der biochemischen Keule. Mittlerweile gibt es nämlich auch ein Spritzmittel, das mit dem Bakterium Bacillus thuringiensis versetzt ist und bei der Raupe zu dermaßen nachhaltiger Appetitlosigkeit führt, dass sie schließlich eingeht.

In Gaildorf kommt eine weitere Methode zum Einsatz, die sich in den letzten Jahren recht gut bewährt hat. Die Nester werden einfach versiegelt und können dann abgenommen und entsorgt werden. Mittel der Wahl bei der Versiegelung ist haushaltsübliches Eiglas. Die Methode hat auch den Vorteil, dass die Brennhärchen der Raupen nicht durch die Gegend gewirbelt werden.

Ob der Fußweg nach Münster bis zum Bluesfest wieder begehbar sein wird, ist noch offen. Derzeit wisse man von zwei befallenen Bäumen, sagt Munz. Die Nester, die man bisher entdeckt habe, befänden sich in zehn bis zwölf Metern Höhe, zu erreichen nur mit Spezialgerät. Das wahre Ausmaß des Befalls werde man möglicherweise erst heute erkennen, wenn die Hebebühne nach oben gefahren ist. Unter Umständen müsse die Firma dann noch einmal anrücken.

Für Bluesfestbesucher besteht  keine unmittelbare Gefahr, sofern sie den Fußweg nach Münster meiden. Das befallene Gebiet befindet sich außerhalb des Bluesfestgeländes, zu dem am kommenden Wochenende auch der Schlosspark gehört, der während des Festivals zum Campen genutzt werden kann.

Igluzelt wird Sondermüll

Bluesfestveteranen sind mit dem Thema übrigens durchaus vertraut. Der Fotograf Martin Feldmann berichtet, dass er das goldfarbene Igluzelt, in dem er in Gaildorf immer genächtigt hatte, entsorgen musste, weil es mit Brennhärchen verseucht war. Der Vorfall schmerzt ihn noch heute: Mit dem Zelt flogen zahlreiche nicht eingelöste Bluesfest-Biermarken beziehungsweise „wichtige Gaildorfer (Zeit-)Dokumente“ auf den Müll.