Gaildorf Schulstandort benötigt Investitionen

Als Pausenfläche dient dieser Bereich zwischen Schloss-Realschule und Schenk-von-Limpurg-Gymnasium. Darunter befinden sich bereits Schulräume und darüber könnte nun für die nötige Erweiterung der Realschule aufgestockt werden.
Als Pausenfläche dient dieser Bereich zwischen Schloss-Realschule und Schenk-von-Limpurg-Gymnasium. Darunter befinden sich bereits Schulräume und darüber könnte nun für die nötige Erweiterung der Realschule aufgestockt werden. © Foto: Foto Richard Färber
Gaildorf / Richard Färber 10.07.2018
Dem Gaildorfer Gemeinderat wird der Schulentwicklungsplan vorgelegt. Vor allem in der Schlossrealschule wird’s danach eng. Sie soll erweitert werden.

Die gute Nachricht: Gaildorf wird weiter wachsen. Die schlechte: In den Schulen wird’s eng. Jürgen Mühlbacher von der LBBW Immobilien Kommunal­entwicklung GmbH hat am Mittwoch im Gemeinderat den Schulentwicklungsplan vorgestellt, mit dem die Firma im März 2017 beauftragt worden war. Die Untersuchung befasst sich vor allem mit den Zuständigkeiten des Schulträgers, also der räumlichen und technischen Ausstattung der Schulen. Pädagogische Konzepte spielen nur am Rande eine Rolle.

Bedarf nicht abgedeckt

71 Seiten umfasst der Bericht, für den sowohl die Bevölkerungsentwicklung als auch die schulpolitischen Vorgaben des Landes berücksichtigt wurden. Insbesondere für die Parkschule und die Schloss-Realschule ergibt sich dadurch Handlungsbedarf, der über die bereits beschlossenen  oder bereits durchgeführten Sanierungsmaßnahmen hinausgeht. Der Raumbedarf, der sich dort in den nächsten Jahren ergeben wird, ist nicht abgedeckt. Ohne weitere Baumaßnahmen aber, so Mühlbacher, werde Gaildorf in der Konkurrenz der Schulstandorte verlieren.

Da die Stadt auf Wohnbauentwicklung setzt, wird die Einwohnerzahl kontinuierlich wachsen. Bis 2035 wird mit einem jährlichen Plus von zwei Prozent gerechnet. Die Stadt dürfte dann 12.550 Einwohner haben. Durchschnittlich 23 neue Wohneinheiten entstehen pro Jahr, einen weiteren Schub wird es in den nächsten Jahren geben, wenn sich die 60 Bauplätze in Eutendorf füllen.

Die Grundschule Eutendorf-Ottendorf dürfte sich dadurch stabil zweizügig entwickeln. Perspektiven ergeben sich durch den Schulverbund der Grundschule mit der Peter-Härtling-Schule, den das Schulamt anstrebt. Das Raumprogramm am Standort Hohbühl dürfte dann ausreichen. Bis dahin könnte die gut ausgestattete Peter-Härtling-Schule Schulraum zur Verfügung stellen. Das Platzangebot an der Bühläckerschule im Bildungszentrum Unterrot ist hingegen ausreichend.

Übergänge aus dem Rottal

Auch an der Parkschule ist mit einem Zuwachs an Grundschülern bis zur Dreizügigkeit zu rechnen. Die Übergangsquote zur Werkrealschule setzt die LBBW wegen der Konkurrenz mit der Schloss-­Realschule bei wackligen 24 Prozent an; die Zahl könne aber durch Schüler aus den Nachbargemeinden stabilisiert werden. Dabei wird auch die „vorgesehene Schließung der Werkrealschule Oberrot/Fichtenberg“ genannt, von der die beiden betroffenen Gemeinden  noch gar nicht wissen – „das hör ich zum ersten Mal“, sagt der Fichtenberger Bürgermeister Roland Miola.  Weil auch Räume für die Sonnenhofklasse und die Vorbereitungsklasse benötigt werden, und Inklusionsräume gänzlich fehlen, wird die Situation in der Parkschule als insgesamt angespannt bewertet.

Barrierefreiheit dringend

Die meisten Schulübergänge, nämlich 44 Prozent, werden der Schloss-Realschule zugewiesen. Auch dort ist die Situation angespannt, es fehlen Räume für Differenzierung und Inklusion. Die Verwaltung lässt derzeit aber prüfen, ob im Rahmen der Sanierung am Übergang zum Gymnasium aufgestockt werden kann. Zudem muss laut Bürgermeister Frank Zimmermann dringend in die Barrierefreiheit investiert werden, da die Schule ein Kind mit Behinderung aufnehmen wird.

Zusätzlichen Platz für die Schloss-Realschule gibt’s möglicherweise aber auch nebenan. Sollte der derzeitige Raum-Überhang am Gymnasium von Dauer sein, gäbe es dort auch Räume. Allerdings geht das Berechnungsmodell der LBBW davon aus, dass auch das Gymnasium Schüler dazugewinnt und deshalb durchgängig dreizügig werden könnte.

Dass die Schloss-Realschule erweitert werden soll, wurde vom Gemeinderat einhellig begrüßt.  Die Parkschule könnte dann Räume zurückerhalten, die bisher von der Realschule genutzt werden, sagte Margarete John. Zusammen mit Axel Spix regte sie zudem an, bessere Busverbindungen auszuhandeln. Bernhard Geißler bemängelte, dass Räume für die Schulsozialarbeit nicht berücksichtigt würden. Heinrich Reh erkundigte sich nach der Situation im Schulsport – auch hier sei mit mehr Bedarf zu  rechnen, sagte Mühlbacher, im Detail könne die Frage aber derzeit nicht beantwortet werden.

„Digitalpakt“ in Arbeit

Auch zur Digitalisierung können derzeit noch keine Aussagen getroffen werden. Zwar hat der Bund bereits 2016 ein fünf Milliarden Euro schweres Programm angekündigt, bisher blieb es allerdings bei der Ankündigung. Die Mittel sind auch im Haushaltsentwurf 2018 nicht enthalten. Eine Übergangsfinanzierung durch das Land wird derzeit verhandelt. Schulen, Verwaltung und „ein großer IT-Dienstleister“ arbeiten deshalb derzeit an einem „Digitalpakt“, der als Voraussetzung für eine Förderung genannt wird.

Beides, Schul- und Medienentwicklungsplanung, fand am Mittwoch die Zustimmung des Gemeinderates. Die Verwaltung wurde zudem ermächtigt, das vorgestellte Maßnahmenprogramm, das allerdings noch nicht konkretisiert ist, umzusetzen. Falls größere bauliche Investitionen nötig werden, wird sie Vorgespräche mit den Schulbehörden führen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel