Das baumbestandene Gelände vor dem Rathaus ist für sommerliche Abendveranstaltungen wie geschaffen. Der Arbeitskreis „Soziale Dienste“ mit Jugendreferentin Pia Dahlinger sowie Andrea Malich und Dagmar Seybold vom Diakonieverband hatte zum Hörspielabend eingeladen. 18 Personen waren mit Liegestühlen und  Decken gekommen, um das knapp einstündige Feature „Saat des Sieges“ von Michael Lissek gemeinsam anzuhören. Die Produktion des Südwestrundfunks stammt von 2011, ist aber immer noch aktuell.

In zehn Kapiteln konfrontiert der Autor seine Zuhörer mit den politischen und sozialen Qualitäten des Gärtnerns. Da wird die Auswahl von Pflanzensamen diskutiert, die Frage nach der Rendite aufgeworfen, der Selbstversorger-Gedanke hochgehalten oder auch die Möglichkeit des Müßiggangs bei der Gartenarbeit gelobt. In Großstädten weiß man seit langer Zeit nichts mehr davon, wie Landwirtschaft funktioniert. Obst und Gemüse werden im Supermarkt eingekauft. Die „Bodenhaftung“ ist abhanden gekommen. Michael Lissek wirft sogar die Frage auf, was geschehen wird, wenn der Supermarkt weder Salat noch Äpfel bereithalten kann, weil der Transport der Ware ohne Treibstoff nicht mehr möglich ist. Wird uns diese apokalyptische Vorstellung alle wieder zur Notgemeinschaft der Selbstversorger machen?

Gemeinsam gärtnern

Es verwundert deshalb nicht, wenn sich Leute zusammenfinden, um städtische Brachflächen zu nutzen und einen Gemeinschaftsgarten anzulegen. Ein kleines Stück Erde kann beim Bepflanzen mit Radieschen oder Gurken wieder einen natürlichen Bezug zur Ernährung herstellen – und der eigenen Freizeit eine neue Qualität geben. Das gemeinschaftliche Tun ist dabei nicht Beiwerk, sondern eine zentrale Erfahrung. Der hilfreiche Gedanken- und Erfahrungsaustausch im Herzen einer Stadt kommen bei der eigenen Gartenarbeit hinzu. Pia Dahlinger nahm das Feature zum Anlass, den Gedanken eines Gemeinschaftsgartens in Gaildorf ins Gespräch zu bringen. Die Zuhörer diskutierten diese Idee durchaus kontrovers, zumal sich ein Gemeinschaftsgarten in Form eines „Urban Gardening“ (Gärtnern in der Stadt) in der eher ländlichen Region des Limpurger Landes nicht aufdrängt. Aber dem Arbeitskreis geht es hauptsächlich um die sozialen Qualitäten eines Gemeinschaftsgartens. Es gibt genügend Menschen in der Region, die sich einen eigenen Garten nicht leisten können oder wollen. Für psychisch belastete Menschen, für Arbeitslose, Migranten und orientierungslose Jugendliche könnte solch ein Garten eine neue Lebensqualität bedeuten und wichtige soziale Kontakte herstellen. Die Sommer-
veranstaltung mit dem Garten-Hörspiel bleibt bedenkenswert. Der Gemeinschaftsgedanke kann als zentrale Überschrift für den Impuls stehen.

Übrig bleiben jedoch die noch offenen Antworten auf manche Fragen: Wer wird die Idee weiterentwickeln? Wo könnte der Garten eingerichtet werden? Gibt es wirklich Bedarf? Wird die Gemeindeverwaltung den Gedanken unterstützen?