Naturstromspeicher Im Unterbecken geht’s in die letzte Runde

Baustelle Unterbecken: Mit den Steinen werden in den nächsten Tagen die Böschungen belegt. Im Hintergrund das Ein-Auslaufbauwerk, die Verbindung von Unterbecken und Pumpspeicherkraftwerk.
Baustelle Unterbecken: Mit den Steinen werden in den nächsten Tagen die Böschungen belegt. Im Hintergrund das Ein-Auslaufbauwerk, die Verbindung von Unterbecken und Pumpspeicherkraftwerk. © Foto: Richard Färber
Gaildorf / Richard Färber 15.09.2018
Ab der kommenden Woche wird wieder Aushub abgefahren. Bis Ende Oktober soll der Wasserspeicher in der Rotaue komplett ausgebaggert sein.

Wo einst Wiese war, sieht’s jetzt ein wenig nach Mondlandschaft aus. Hinter dem Wall entlang der L 1066 zwischen Unterrot und Gaildorf befindet sich ein rund 400 Meter langes, 150 Meter breites und sechs Meter tiefes, künstliches Becken. Am Rand liegen große Haufen „Schroppen“, gebrochene Natursteine, mit denen in den nächsten Wochen die Böschungen belegt und gesichert werden. Das Becken wird in der Mitte von einer Art Damm geteilt, der allerdings bereits eine breite Lücke aufweist und in den nächsten fünf bis sechs Wochen vollends verschwinden wird.

18 000 Kubikmeter sind übrig

So lange werden dann auch wieder die Lastwagen rollen. Ab Montag werde der letzte Aushub abtransportiert, erklärt Johannes Kaltner, Bauleiter des Bauherren Max Bögl Wind. Um die Verschmutzung so gering wie möglich zu halten, werde gegebenenfalls auch die Reifenwaschanlage für die Lkw wieder in Betrieb genommen.

Das Material wird verwendet, um eine alte Lehmgrube bei dem Untermünkheimer Teilort Übrigshausen aufzufüllen. Das Unternehmen hat dafür eine Auffüllgenehmigung erhalten. 19 000 Kubikmeter sind dort schon eingebaut, nun folgen weitere 18 000 Kubikmeter, also rund 2000 Lkw-Fahrten – und dann, sagt Kaltner, „ist das Unterbecken fertig ausgehoben“.

Insgesamt werden dann 220 000 Kubikmeter aus der Kocheraue zwischen Gaildorf und Unterrot geschaufelt worden sein – wobei der Großteil, nämlich 150 000 Kubikmeter für die Geländemodellierung vor Ort verwendet wurde. Ursprünglich sollte der komplette Aushub abgefahren werden, die Planänderung bewirkte dann allerdings, dass man mehr als 550 000 Lkw-Kilometer einsparen konnte.

Das Unterbecken des Naturstromspeichers soll im Frühjahr nächsten Jahres befüllt werden. Allerdings nicht komplett, da es auch als Retentionsraum dient. Etwa 160 000 Kubikmeter Wasser fassen die Speicher an den Füßen der vier Windkraftanlagen auf den Limpurger Bergen, und dieses Volumen wird auch im Unterbecken benötigt.

Drei Speicher gebaut

Mit dem Wasser soll später das Pumpspeicherkraftwerk betrieben werden, das neben dem Unterbecken im Boden versenkt und mit den Windkraftanlagen und dem Unterbecken verbunden sein wird. Pumpspeicher und Windenergieanlagen, das ist die Idee, liefern dann Strom, wenn Bedarf herrscht. Überschüsse im Netz hingegen werden genutzt, um das Wasser wieder in die „Oberbecken“ an den Windenergieanlagen zu pumpen. Weil der von den erneuerbaren Energien dominierte Strommarkt stark fluktuiert, wird auch ein überaus reaktionsschneller Pumpspeicher benötigt.

Bisher wurden drei dieser Oberbecken an den Windrädern gebaut. Da sich die Technik laufend weiterentwickelt, will man mit dem Bau des vierten Oberbeckens noch ein paar Jahre warten. Aktuell werden die Polyethylenrohre zwischen den Windrädern verlegt. Die für Neuentwicklungen und Innovationen zuständige Naturspeicher GmbH in Ulm hat dafür eigens eine neue Technologie entwickelt.

Vom Meißelhammer fehlt jede Spur

Einbrecher Zweimal ist die Baustelle in der Kocheraue bereits von Dieben heimgesucht worden. Im Juli wurde ein Baucontainer aufgebrochen. Gestohlen wurden eine Motorsäge, ein Schlagschrauber und ein Akku im Gesamtwert von etwa 1500 Euro.

Professionell Im August rückten Profis an und stahlen einen drei Tonnen schweren Meißelhammer im Wert von 30 000 Euro, von dem bisher jede Spur fehlt. Die Diebe müssten mit einem Kran und einem Lastwagen angerückt sein, berichtete die Polizei. Weil an der Baustelle zu diesem Zeitpunkt nur noch wenig Equipment gelagert wurde, sei die Überwachungsanlage kurz zuvor demontiert worden, erklärt Bauleiter Johannes Kaltner. Vermutlich hatten die Diebe nur darauf gewartet. rif

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