Landkreis Hall Im Kreis geht der Spritklau um

Werkstattleiter Frank Milläger von der Firma Stegmaier in Crailsheim inspiziert einen Lkw-Tank: Der Laster kann 1300 Liter Diesel bunkern. Foto: Harald Zigan
Werkstattleiter Frank Milläger von der Firma Stegmaier in Crailsheim inspiziert einen Lkw-Tank: Der Laster kann 1300 Liter Diesel bunkern. Foto: Harald Zigan
Landkreis Hall / HARALD ZIGAN 25.04.2012
Gelegenheit macht Diebe - und der Preis: Diesel und Benzin kosten derzeit so viel wie nie. Mittlerweile vergeht auch im Kreis Schwäbisch Hall keine Woche ohne nächtlichen Spritklau und Tankbetrug an der Zapfsäule.

Die Autokennzeichen sind oft gestohlen, gefälscht oder gut getarnt. Dreiste Nulltarif-Tanker an den Zapfsäulen scheren sich auch keinen Deut darum, dass Videokameras ihr Konterfei im Bild festhalten.

Eine weitere Gattung der Spezies "Spritdieb" braucht Aufnahmen, die zuweilen durchaus zum Täter führen, erst gar nicht zu fürchten. Ihr nächtlicher "Arbeitsplatz" besonders am Wochenende sind vor allem Parkplätze, Baustellen und die freie Feldflur: Aus Lastern, Baggern und Mähdreschern lassen sich auf einen Schlag schon mal 1000 Liter Diesel und mehr schläucheln.

In den Datenbanken der Polizeidirektion in Schwäbisch Hall sind für den Zeitraum von April 2011 bis April 2012 exakt 59 Spritdiebstähle aufgelistet - davon 37 "besonders schwere Fälle", weil die Tankschlösser geknackt wurden. Rein rechnerisch wechselt derzeit im Kreis Schwäbisch Hall also mindestens einmal pro Woche eine opulente Menge der kostbaren Flüssigkeit illegal den Besitzer - wie im August 2011, als nervenstarke Ganoven einen Sattelzug auf dem Reußenberg-Parkplatz der Autobahn 6 um 800 Liter Diesel erleichterten, während der Fahrer in seiner Kabine schlummerte.

Frank Milläger kennt die Folgen solcher energetischen Raubzüge nur zu gut: "Tankschlösser werden mit brachialer Gewalt aufgehebelt - und wenn das nicht gelingt, wird kurzerhand ein Loch in den Tank gebohrt", wie der Werkstattleiter der Nutzfahrzeuge-Firma Stegmaier in Crailsheim sagt.

In einem solchen Bohr-Fall helfen allerdings auch robuste Drahtsiebe nichts, die viele Lkw-Besitzer in die Einfüllstutzen der Tanks nieten, um die Saugrüssel von Elektropumpen fernzuhalten.

Viele Fuhrunternehmen haben mittlerweile vor dem ausufernden Spritklau resigniert und statten die Tanks ihrer Lkw-Flotten erst gar nicht mehr mit Schlössern aus, um den Schaden im Ernstfall nicht noch größer werden zu lassen.