Kunst Im Hof des Alten Schlosses fliegen die Späne

„Ich steh auf üppige Formen“: Cornelia Brader, 18. Gaildorfer Stadtmalerin, mit ihrer ersten Gaildorf-Skulptur im Hof des Alten Schlosses. Die Inspiration für das Pferd aus Pappelholz gewann sie auf dem Pferdemarkt im Februar.
„Ich steh auf üppige Formen“: Cornelia Brader, 18. Gaildorfer Stadtmalerin, mit ihrer ersten Gaildorf-Skulptur im Hof des Alten Schlosses. Die Inspiration für das Pferd aus Pappelholz gewann sie auf dem Pferdemarkt im Februar. © Foto: Richard Färber
Gaildorf / Richard Färber 07.04.2018

Idyllisch findet Cornelia Brader ihren derzeitigen Arbeitsplatz. Unter der Galerie an der Ostseite des Schlosshofes hat sie das Pappelstück aufgestellt, das ihr der Bauhof im Februar besorgt hatte: ein mächtiger Sockel, aus dem im Lauf der Woche ein Pferd gewachsen ist. Als Modell dienten Fotos, die Cornelia Brader beim diesjährigen Pferdemarkt aufgenommen hat. Vor allem die Kaltblüter und die Friesen hätten es ihr angetan, sagt sie. Die Rassen, die auf dem Gaildorfer Pferdemarkt im Mittelpunkt stehen, kämen ihrem Geschmack ohnehin entgegen, „ich steh’ auf üppige Formen“.

Cornelia Brader ist die 18. Gaildorfer Stadtmalerin. Sie unterscheidet sich von ihren Vorgängerinnen und Vorgängern dadurch, dass sie sich nicht beworben hat, sondern quasi nominiert wurde, weil man das künstlerische Spektrum um die Bildhauerei erweitern wollte. Außerdem wird sie sich nicht durchgehend, sondern nur wochenweise in Gaildorf aufhalten: die aus Memmingen stammende Künstlerin hat daheim zwei Töchter.

Dieser Umstand macht das aktuelle Stipendium aber auch interessant und spannend. Cornelia Brader muss ihre Aufenthalte planen und strukturieren, ihre Wahrnehmung konzentrieren. Den Vorteil ihrer Vorgänger, die sich treiben lassen konnten, Abseitiges erkundeten oder neue künstlerische Interessen entwickelten, hat sie nicht. Man darf also gespannt sein, welche Themen und Arbeiten die 18. Gaildorfer Stadtmalerin entwickeln wird.

Nun ist die Holzbildhauerin erstmals zum Arbeiten nach Gaildorf gekommen. Ursprünglich hatte sie das schon in der Woche nach dem Pferdemarkt vorgehabt, allerdings wurde sie vom damals kursierenden Grippevirus er­wischt und musste abbrechen (wir haben berichtet). Der von Bauhof-Mitarbeiten eigens in den Schlosshof transportierte Pappelstamm blieb liegen.

Durchnässt bis in die letzte Faser sei das Holz, sagt Cornelia Brader und damit ideal zum Bearbeiten: „Wenn ich hineinsäge spritzt das Wasser.“ Eigentlich ist das Pappelpferd, drei Tage, nachdem die Stadtmalerin sich mit Elektrosäge und Stechbeitel ans Werk gemacht hatte, auch bereits so gut wie fertig – sogar eine Splintholz-Blesse hat sich ergeben. „Ich lass’ es noch ein Weilchen wirken“, sagt Brader, „vielleicht bemal’ ich es noch.“

Eine Hausaufgabe hat sie sich noch mitgebracht. Es handelt sich um eine Auftragsarbeit, eine Porträtskulptur, an der sie im Stadtmaler-Atelier arbeiten wird. Stress macht sie sich nicht, obwohl eine ihrer beiden Elektrosägen gerade den Geist aufgegeben hat. Entspannt und zufrieden blickt sie auf das namenlose Pferd: „Das ist wie Urlaub.“

Besuch aus dem Hohenlohischen

Viel rausgekommen ist sie freilich nicht in dieser Woche, sieht man von den regelmäßigen Besuchen des Kaffeehauses einmal ab. Martin Zecha hat zwar das Stadtmalerfahrrad diensttauglich gemacht, aber immer, wenn sie sich draufschwingen wollte, begann es zu regnen. Dafür hat ab und zu mal jemand bei ihr vorbeigeschaut, um ein Schwätzchen zu halten.

Eine Besucherin kam sogar „aus dem Hohenlohischen, richtig?“ Die Frau, die sich für Bildhauerei interessiert, habe den Bericht über sie in der Zeitung gelesen, sagt Brader, und sich dann in Memmingen gemeldet. Sie sei dann eigens nach Gaildorf gekommen, um mit ihr über Bildhauerei zu reden.

Eher mit gemischten Gefühlen hat Cornelia Brader die Jugendlichen wahrgenommen, die sich in den Abendstunden gerne im Schlosshof aufhalten. Ein Mal habe sie von der Wohnung aus heruntergerufen und den Jungs geraten, die Skulptur in Ruhe zu lassen. Künftig, meint sie, sollte das Pferd aber die Nacht besser dort verbringen, wo es eigentlich auch hingehört: im sanierten alten Pferdestall im Alten Schloss oder in den Nebenräumen. Sie habe Rolf Deininger, der sich um die Gaildorfer Stadtmaler kümmert, um eine Sackkarre gebeten.

Gestern hat sie sich freigenommen – beziehungsweise getan, wofür ihre Stadtmalerkollegen sich ein ganzes Jahr lang Zeit nehmen konnten: die Stadt und die nähere Umgebung erkundet. Zwei ihrer Schwestern hatten ihren Besuch angekündigt, Brader plante eine gemeinsame Wanderung zum Kernertum und noch ein Stückchen weiter. Für den Abend hatte sie sich vorgenommen, noch im Häberlen vorbeizuschauen, wo die Stadtmaler und ihre Künste gerne gesehen sind.

Saxofonist in Holz

An Pfingsten will die Stadtmalerin wiederkommen und eine weitere Gaildorf-Skulptur schaffen. Auch dafür hat sich Brader vom Pferdemarkt inspirieren lassen, genauer: beim Jazzfrühschoppen der Kulturschmiede. Der Saxofonist der Barrelhouse Jazzband habe sie beeindruckt, sagt sie. Also? „Wahrscheinlich wird’s ein Musiker.“

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