Infrastruktur Im Gaildorfer Stromnetz ist noch Platz für Windenergie

Die vier großen Windräder des Gaildorfer Naturstromspeichers drehen sich. Über eine Trafostation wird in Unterrot Strom ins Hochspannungsnetz eingespeist. Das Bild zeigt eine bis zu 3,4 Megawatt leistende Großanlage des Modellprojekts. Die beiden Windräder im Hintergrund gehören bereits zum Windpark Kohlenstraße der Firma Uhl.
Die vier großen Windräder des Gaildorfer Naturstromspeichers drehen sich. Über eine Trafostation wird in Unterrot Strom ins Hochspannungsnetz eingespeist. Das Bild zeigt eine bis zu 3,4 Megawatt leistende Großanlage des Modellprojekts. Die beiden Windräder im Hintergrund gehören bereits zum Windpark Kohlenstraße der Firma Uhl. © Foto: Peter Lindau
Gaildorf / Peter Lindau 03.02.2018

Energiegewinnung aus regenerativen Quellen ist politisch gewollt und wird massiv gefördert. Das gilt auch für den Gaildorfer Naturstromspeicher. Aus dem Umweltinnovationsprogramm des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit fließen 7,15 Millionen Euro Zuschuss. Die vier Windräder erzeugen jeweils bis zu 3,4 Megawatt elektrischer Leistung und können theoretisch 10 000 Haushalte mit Strom versorgen. Das vorhandene Netz kann durch die Einspeisung aber nicht unbegrenzt belastet werden.

Im Norden der Republik geht viel Energie verloren, wenn Windkraftanlagen auf höchsten Touren laufen, der erzeugte Strom aber vom Netz nicht transportiert werden kann. Die Frage ist auf lokaler Ebene, ob die von der neuen Gaildorfer Großanlage erzeugte Energiemenge uneingeschränkt bei den Verbrauchern ankommt.

Nancy Fürst von der Firma Max Bögl sagt „Ja“. Das Unternehmen aus dem oberpfälzischen Neumarkt ist an dem Modellprojekt beteiligt und hat die Türme der Windkraftanlagen aus Betonfertigteilen und Stahlsegmenten gebaut. „Für die Region Gaildorf gibt es keinen Netzengpass, es ist genug Kapazität für die Strommenge da“, versichert Nancy Fürst. Die Rotoren der Großanlagen mit einem Durchmesser von 137 Meter standen aber in letzter Zeit häufig still, während die in der benachbarten Kohlenstraße montierten Windräder der Firma Uhl eifrig Strom lieferten.

Anlage noch im Probebetrieb

Nancy Fürst erklärt, die Stillstandszeiten liegen daran, „dass wir aktuell die Anlagen noch im Probebetrieb laufen lassen“. Es handle sich bei dem Gaildorfer Projekt um die weltweit höchsten Anlagen und Prototypen. Das bedeute, „wir haben hier längere Testphasen“.

Bei der Naturspeicher GmbH und ihrem Pilotprojekt ist man davon überzeugt, einen wichtigen Beitrag für die „Fortsetzung der Energiewende“ im Landkreis Schwäbisch Hall zu leisten. Denn die Gaildorfer Anlage kann bekanntermaßen noch mehr als Windstrom liefern. Durch die Verknüpfung mit einem Pumpspeicherkraftwerk kann überschüssige Energie aus dem Netz mit Hilfe einer bewährten Technik gespeichert werden. Wenn zusätzlicher Strom benötigt wird, rauschen aus 200 Metern Fallhöhe bis zu 160 000 Kubikmeter Wasser aus den Betonsockeln der Windkraftanlagen durch Kunststoffrohre mit einem Durchmesser von bis zu zwei Metern in ein zwischen Gaildorf und Unterrot gebautes Turbinenhaus. Damit stehen bis zu 16 Megawatt elektrischer Leistung zur Verfügung. Das Wasser wird in einem kleinen See gesammelt und wieder in Richtung der Windkraftanlagen gepumpt, wenn überschüssiger Strom im Netz zur Verfügung steht. Der schnelle Wechsel zwischen Stromerzeugung und Speicherung macht die Anlage im Kochertal so innovativ. Denn konventionelle Kraftwerke auf Basis von Kohle oder Kernspaltung können nicht so einfach ein- und ausgeschaltet werden.

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