Wenn sie circa 800 Gramm Gewicht erreicht haben, gehen Igel Ende November, spätestens Mitte Dezember, in den Winterschlaf“, weiß Monika Hülsmann aus Oberrot. Der kleine Igel, dem sie den Namen „Börnie“ gegeben hat, wog gerade mal 280 Gramm, als sie ihn im November 2019 in ihrem Garten gefunden hat. Das war viel zu wenig, um den Winter zu überstehen. Also hat sich Monika Hülsmann dazu entschlossen, ihn in ihrem Keller aufzupäppeln. Sie hat sich im Internet kundig gemacht, Fachliteratur gelesen und Experten befragt. Sie konnte zum Beispiel auf den Rat einer Fachfrau zurückgreifen, die bereits seit 40 Jahren eine Igelstation betreibt.

Als Börnie im Dezember das nötige Gewicht erreicht hatte, konnte er im Garten in einem Freigehege den Winterschlaf antreten. Genau nach Anweisung hatte Monika Hülsmann eine Igelhütte gebaut. „Igel brauchen einen richtig engen, warmen Platz“, sagt sie. Mitte März kam Börnie dann wohlbehalten aus seinem Winterschlaf.
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Laichingen

Hinterlauf abgesägt

Dieses Frühjahr tauchte dann noch Igel Hope am Fressnapf in ihrem Garten auf. Den stellt Monika Hülsmann in ihren Garten, solange es noch nicht genügend Insekten als Futter gibt. Hope hatte Zecken und Flöhe.  Ein Hinterlauf war ab dem Knie abgesägt. Die Igelmama vermutete, dass eine Motorsense oder ein Mähroboter die Verletzung verursacht hat. Sie beschloss, den Igel zu retten.

Es war nicht leicht, einen Tierarzt zu finden, der zu einem akzeptablen Preis die Operation durchführt. Schließlich wurde Hope von einer jungen, engagierten Tierärztin in Öhringen operiert.  „Die kleinen Tiere haben einen unglaublichen Lebenswillen“, berichtet Hülsmann. Hope hat sich zwischenzeitlich gut erholt und wird mit drei Beinen zurechtkommen. Mittlerweile gibt es genügend Insekten zum Jagen. Dann muss er nicht mehr gefüttert werden, und dann öffnet die Oberroterin das Freilandgehege.

„Seit es ein Neubaugebiet in unmittelbarer Nachbarschaft gibt, kommen viel mehr Igel in meinen Garten als vorher“, erzählt die engagierte Igelschützerin. Dass die Tiere vor den Bautätigkeiten flüchten, ist für sie klar. „Überhaupt aber sind viel mehr Igel in den Gärten unterwegs, als man denkt“, erzählt sie. Um sie wahrzunehmen, muss man nachts raus, denn Igel sind Nachttiere.
Gerade nachts bestehe die Gefahr, dass sie Mährobotern zum Opfer fallen. Monika Hülsmann ärgert sich, dass immer mehr Menschen sich solche Mähroboter zulegen und die Nacht über durchlaufen lassen. Wenn sie so etwas beobachtet, scheut sie sich nicht, Mitbürger darauf anzusprechen und sie zu ermahnen, die Roboterfahrzeuge nachts auszuschalten. Auch Rasenmäher, Kantenschneider, Mistgabeln und Laubsauger können für die Tiere mitunter gefährlich sein, wenn man nicht umsichtig vorgeht, ist Monika Hülsmann überzeugt.

Im Garten lauern viele Gefahren für Igel

Der Schutz der kleinen Wildtiere ist für sie inzwischen zu einer Herzensangelegenheit geworden. Sie appelliert dafür, im Garten nicht mit der chemischen Keule unterwegs zu sein, denn Insekten sind die wichtigsten Nahrungstiere der Igel. Gruben, Lichtschächte, Schwimmbecken und Teiche können für Igel zu Todesfallen werden. Ein Brett mit Querleisten kann hier zur Rettung werden. Auch achtlos weggeworfene Behältnisse wie Joghurtbecher oder Dosen können für Igel eine Gefahr werden, weiß Hülsmann: „Sie können sich darin auf der Suche nach Nahrungsresten verklemmen und jämmerlich zugrunde gehen“.

Schon mit kleinen Dingen könne man Igeln helfen,  so zum Beispiel eine Tränke im Garten aufstellen. Igel benötigen nämlich täglich frisches Trinkwasser. Dazu eignet sich ein flaches Gefäß, das nicht umkippen kann – ein Blumentopf-Untersetzer zum Beispiel. Nie aber sollte man Igeln Milch geben, warnt die Oberroterin. „Igel können davon schweren Durchfall bekommen, weil sie den Milchzucker nicht verdauen können.“ Von exotischen Igeln, die man kaufen kann, solle man die Finger lassen, warnt sie. Sie eignen sich nicht als Haustiere. Lieber soll man sich für Lebensräume für Wildigel einsetzen, sich um deren Schutz bemühen und sich um untergewichtige,  verletzte und kranke Igel kümmern.