Gaildorf „Gaildorf chillt“: Natur als idealer Lernort

Eine Besuchergruppe aus dem Raum Stuttgart sitzt auf einer Bank. Die jungen Leute stärken sich. Freunde aus Gaildorf haben sie über die Aktion informiert und zum Besuch animiert. Jetzt schauen und erleben sie, wie Gaildorf chillt.
Eine Besuchergruppe aus dem Raum Stuttgart sitzt auf einer Bank. Die jungen Leute stärken sich. Freunde aus Gaildorf haben sie über die Aktion informiert und zum Besuch animiert. Jetzt schauen und erleben sie, wie Gaildorf chillt. © Foto: hof
Gaildorf / Brigitte Hofmann 21.08.2018
Die Natur mit allen Sinnen erfahrbar und erlebbar zu machen, ist Sinn und Zweck des Projekts Gaildorf chillt. Viele große und kleine Naturerforscher sind unterwegs.

Immer wieder bleiben Olga und Harra stehen, um zu verschnaufen. Auch ihnen setzt die Hitze zu. Die beiden Pferde der Kochertaler Fuhrhalterei Bentrup werden aber nicht müde, die Fahrgäste in der Kutsche vom Hallengelände aus hinauf zum Stadtwald am Kirchberg und wieder zurück zu bringen. Der kleine Jonathan hat es gut. Er wird von den Eltern Ralf und Eliane Gleß im grünen Fahrradanhänger hochgeschoben. Die Familie aus Bühlertann hat die Veranstaltung Gaildorf chillt schon öfter besucht und findet sie „richtig schön“. Töchterchen Philin freut sich besonders darauf, Stockbrot zu grillen, Häschen zu streicheln und über die Seilbrücke zu laufen. Am Gelände angekommen, werden sie von Dafina und Chiara begrüßt und wie alle Passanten darauf hingewiesen, dass Rauchen im Wald der Dürre wegen strikt untersagt ist.

Die beiden jungen Damen handeln im Auftrag des Veranstalters und sind zudem angehalten, für spätere Auswertungen nach dem Herkunftsort zu fragen sowie die Teilnehmerzahlen zu ermitteln. Um 15 Uhr steht die Zahl bei 400. Wer will, darf sich ein Schild mit dem Vornamen anheften, denn sich zu duzen, ist an diesem Tag ausdrücklich erwünscht.

Verweilen und Nichtsttun

„Mit vielen Liegestühlen, ungewöhnlichen Aktionen und ganz gechillt“ will das Projekt Gaildorf chillt besonders junge und jung gebliebene Leute locken, für einen Tag Natur und Landschaft rund ums Städtle neu kennenzulernen und mit allen Sinnen zu erleben. Zieht man die vielen Kinder in Betracht, die die Jugendlichen von morgen sind, dann ist die eigentliche Zielgruppe zumindest zum Teil erreicht. Man werde daran arbeiten, sagt Bürgermeister Frank Zimmermann bei seinem Rundgang mit Naturpark-Geschäftsführer Bernhard Drixler, einigen Kreis-, Stadt- und Ortschaftsräten, dem Landtagsabgeordneten Stephen Brauer, anderen interessierten Gästen und nicht zuletzt Jugendreferentin Pia Dahlinger. Sie ist die Initiatorin und treibende Kraft hinter Gaildorf chillt.

Der große Zuspruch an diesem Tag ist für sie, die Stadt und alle Kooperationspartner die Bestätigung dafür, dass es sich lohnt, den Menschen direkt vor der Haustür naturnahe Freizeitangebote zu machen. Zu den Attraktionen zählen die roten Liegestühle entlang des drei Kilometer langen Rundwegs. Sie laden zum Verweilen und Nichtstun ein.

Der Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald ist Kooperationspartner der Stadt Gaildorf und muss noch mehr erreichen. Denn er ist gehalten, die seit April geltende gesetzliche Vorgabe umzusetzen, Bildung für eine nachhaltige Entwicklung zu vermitteln. Hinter dem Begriff verbirgt sich eine Initiative des Unesco-Weltaktionsprogramms mit dem Ziel, die Menschen darin zu bestärken, das eigene Leben, die Gesellschaft und die Zukunft im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung mitzugestalten. Das heißt, Kompetenzen im Kontext von Ökonomie, Ökologie und Soziales erlernen und für Landschaft und Natur sensibilisiert werden. „Eine Herausforderung, die Mut und Kreativität erfordert“, erklärt Geschäftsführer Bernhard Drixler. Weiterhin sei es Aufgabe, Urlaubsalternativen hierzulande auszumachen, um so einen nachhaltigen Tourismus zu fördern. Gaildorf chillt zählt er zu den Modellprojekten mit Zukunft.

Dass der Naturpark einen idealen Lernort darstellt, liegt auf der Hand. Naturparkführer, Vereine, Organisationen, Kunstschaffende bis hin zu Privatleuten stellen sich an diesem Tag in den Dienst der Sache. Wie Autor Christian von Aster aus Leipzig, der mit seinen Koboldlesungen die Zuhörer fesselt und damit zur Entschleunigung zwingt. Das nächste Mal chillt Gaildorf am Sonntag, 21. Oktober.

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