Gschwend Hüte erzählen Geschichten

Paloma Weber, Modistin aus Gschwend, stellt im Rundschau-Fenster aus.
Paloma Weber, Modistin aus Gschwend, stellt im Rundschau-Fenster aus. © Foto: Brigitte Hofmann
Gschwend / Brigitte Hofmann 05.09.2018
Die Hutmacherei ist für Paloma Weber Hobby und Beruf zugleich. Seit April arbeitet sie im eigenen Atelier in Gschwend. Kostproben ihrer Künste gibt’s im Rundschau-Fenster.

Mir steht kein Hut.“ Solche Aussagen lässt Paloma Weber nicht gelten. Allerdings komme es schon darauf an, den passenden Hut auf dem Kopf zu tragen, findet sie. Sie sehe auf den ersten Blick, ob der Hut, der einen Kopf bedeckt, zu klein, zu groß oder von der Form her nicht der richtige ist, sagt die junge Hutmacherin aus Gschwend.

„Hüte können Geschichten erzählen. Sie verschaffen Selbstbewusstsein und sind das i-Tüpfelchen der Garderobe“, stellt sie fest. Wichtig sei herauszufinden, was zu einer Persönlichkeit passt, diese bestenfalls sogar unterstreicht, und dass die Person sich mit der Kopfbedeckung wohlfühlt. Und bisher habe sie noch jeden Traum vom Hut erfüllen können. Paloma Weber hat das Zeug dazu, mit Kreativität, Geschick und Geduld Hüte von klassisch bis total verrückt, in Stroh, in Filz, mit Federn, Schleifen oder sonst wie anzufertigen. Für sie gebe es nichts Schöneres, sagt sie, als wenn ein Mann oder eine Frau mit einem ihrer Hüte auf die Straße tritt und bis über beide Ohren strahlt.

Hinterbliebene Hutschätze, vererbtes Werkzeug und viele Geschichten, die man ihr über ihre Urgroßtante Emma Maria Deutsch­le erzählt hat, haben Paloma Weber dazu bewogen, dieses Handwerk zu erlernen. „Tante Mick“ zu Ehren lässt sie ihr Atelier und die Homepage unter deren Namen laufen. Aufgewachsen ist Paloma Weber in Schechingen im Ostalbkreis.

Nach der Ausbildung zur Modistin in Stuttgart kam sie über Zwischenstationen in Urbach und Schwäbisch Gmünd im Frühjahr nach Gschwend. Ihren beruflichen Standort hat sie in der Frickenhofer Straße, wohnhaft ist sie in Mittelbronn. Sie fertigt Hüte in ihrer Werkstatt, bietet Workshops an, in denen sich jeder nach eigenem Gusto seine Hutkreation selbst anfertigen kann, und sie besucht Kunsthandwerkermärkte. Am kommenden Sonntag ist sie in Dinkelsbühl, am letzten Wochenende im September in Nördlingen und vom 12. bis 14. Oktober in der Silberwarenfabrik in Heubach anzutreffen.

Kunstwerke aus Haar und Wolle

Paloma Weber betrachtet jeden Hut als kleines Kunstwerk. Sie lebt  zwischen Filz, Nähmaschinen, Bügelbrett, Regalen, Spiegeln und bereits fertigen Gebilden richtig auf. Zur Herstellung der Hüte verwendet sie Rohlinge vorzugsweise aus Wolle, Kaninchenhaar oder Stroh. Der Werkstoff wird über einen Stumpf aus Holz gespannt und dann von Hand in Form gezogen. Er bekommt Knicke oder Falten oder einen Rand. Zur Zierde dienen Bänder, Federn, Köpfe, Borten, je nach Geschmack der künftigen Trägerinnen und Träger. Manches nähe sie mit der Maschine, aber vieles sei reine Handarbeit, erklärt die Modistin. Das Faszinierende daran ist für sie, mit Farben, Formen und Beiwerk zu spielen. Sie ist 26 Jahre jung, aber mutig genug, sich mit der Hutmacherei eine Existenz aufzubauen.

Einige ihrer Kreationen sind bis Ende des Monats im Rundschau-Fenster ausgestellt.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel