Vortrag Hohes Haus mit langer Geschichte

In ihrem Vortrag befasste sich Maria Fassbender mit der Geschichte des ehemaligen "freien Adelssitzes" Oberrot.
In ihrem Vortrag befasste sich Maria Fassbender mit der Geschichte des ehemaligen "freien Adelssitzes" Oberrot. © Foto: Brigitte Hofmann
Oberrot / Von Brigitte Hofmann 12.07.2017
Mit Hingabe beschäftigt sich Maria Fassbender mit ihrem Erbe, einem geschichtsträchtigen Haus an der Rottalstraße in Oberrot.

Maria Fassbender lebt in Gmünd und setzt sich seit vielen Jahren mit der Geschichte ihres Hauses in Oberrot auseinander. Ein schwieriges Kapitel, denn ihre Veröffentlichungen stoßen nicht allseits auf Gegenliebe. Sie lässt sich nie beirren, durchstöbert viele Archive, bis sie findet, was sie sucht: Die Bestätigung für den Kauf des Hauses durch ihren Vorfahr Michael Weller. Der Eintrag als „Zehntscheuer“ in der Liste der Kulturdenkmale lasse sich somit widerlegen, führte sie aus. Und sie fand Hinweise darauf, dass das Haus, das heutige Äskulap-Infozentrum, einst Wohnsitz Adeliger war. Ihre Recherchen reichen bis in die Zeit Karls des Großen zurück. Sie stieß auf die Ritter von Roth, und sie fand Hinweise auf ein „Hohes Haus“ in Oberrot.  Zumindest ein Kellerteil stamme vom Turmhaus aus dem Mittelalter, sagte sie, was sich aus der Begutachtung des früheren Landeskonservators Prof. Dr. Goer schließen lasse.

Linie stirbt aus

Mit dem Tod von Fritz starb die männliche Linie der Ritter von Roth 1542 aus.  Seine Mutter Margaretha starb 1549 und hinterließ drei Töchter, die in diesem Turmhaus wohnten. Sie verkauften es an die Schenken von Limpurg, die für den „Frey Adel Sitzes zu Oberroth“ umgehend einen Neubau planten. 1555 kam es zu einer Besitz-Transaktion zwischen den Limpurgern und Georg von Gaißberg aus  Schnait im Remstal. Gaißberg wurde Vogt in Oberrot und verwaltete die Besitztümer der Schenken von Limpurg. Nummern in Dachbalken und Dachziegel stützen diese Version. 1571 verkaufte Gaißberg das Haus mit erheblichem Gewinn an Heinrich Senft von Sulburg aus Schwäbisch Hall. Sein Epitaph befindet sich im Chor der Bonifatius-Kirche in Oberrot. Die Familiengeschichte der Senft von Sulburgs nahm eine ausführliche Passage in Maria Fassbenders Vortrag ein. Einer der Nachfahren, Nikolaus von Tessin, starb 1690 und wurde in Oberrot beigesetzt. 1714 ging der Adelssitz erneut an die Schenken von Limpurg über. Sie tätigten darin ihre Geschäfte, ehe sie nebenan ein neues Amtshaus errichten ließen. Das alte Amtshaus wurde 1781 an den Amtmann Gaertner verkauft, der im Jahr darauf starb. 1784 erwarb es Michael Weller, dem die Obermühle gehörte. In Erbfolge gelangte es dann in den Besitz von Maria Fassbender. „Was macht man mit so einem Haus?“, fragte sie in die Runde. Es sei ein schwieriges Erbe. Als sie nach dem Tod ihrer Mutter Mina Böltz im Jahr 2002 Eigentümerin der geschichtsträchtigen Immobilie wurde und eine gemeinsame Nutzung mit der Gemeinde nicht zustande kam, gründete sie mit zehn Mitgliedern einen Förderverein. Die Satzung schreibt vor, das Kulturdenkmal zu erhalten sowie wissenschaftliche Vorträge, vorrangig im Bereich der Medizin, und Führungen anzubieten. Maria Fassbender und ihr Freundeskreis arbeiten daran.

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