Himbeergeist bringt die Düfte des Sommers zurück

SWP 04.01.2014

Es gibt wohl kein größeres Lob für einen Schnapsbrenner wie dieses: Vor ein paar Jahren stand Siegfried Strecker am Marktstand in Waldenburg und bot seine Produkte an. Ein Touristenpaar aus Schottland wunderte sich, dass er Whiskey verkaufte. Zuerst probierte der Schotte, dann dessen Frau. "Dann sagte er zu ihr: Das gibt es eigentlich nicht, dass ein Deutscher Whiskey brauen kann. Doch der ist gut. Davon nehmen wir etwas mit", erzählt der Sittenhardter.

Bereits in der vierten Generation führen die Streckers die Tradition des Schnapsbrennens fort. Zwei Brennrechte liegen auf dem Hof am Sittenhardter Waldrand: eines für den landwirtschaftlichen, eines für den gewerblichen Bereich. Das Ehepaar Angelika und Siegfried Stecker wird dabei seit einigen Jahren von seinem Sohn, dem Landwirtschaftsmeister Ralf (23), unterstützt. Er bringt neue Ideen in den Betrieb ein und will "trotzdem die Tradition nicht vernachlässigen". Erste Beispiele sind der neue Online-Shop www.brennerei-strecker.de und modernere Flaschenetiketten.

Neben der Brennerei müssen auch die 60 Milchkühe versorgt werden. Das erfordert vom Familienbetrieb ein flexibles Zeitmanagement. Die Kühe wollen regelmäßig gemolken werden - auch wenn im Gebäude nebenan in diesem Moment Schnaps gebrannt wird. Das war schon in der Zeit des Zweiten Weltkriegs so. "Damals ging mit Geld nichts mehr", erinnert sich Siegfried Strecker an die Erzählungen seiner Eltern. "Aber Schnaps galt als Zahlungsmittel, das absolut sicher war und keiner Inflation unterlag."

Die Feinheiten des Schnaps-Brennens werden von Generation zu Generation weitergegeben. Jeder Betrieb hat sein Rezept. Dazu gehört auch, welches Getränk in welches Fass kommt. So wird der Schnaps eventuell aus dem Eichenfass in ein anderes Gefäß umgefüllt, sobald er den gewünschten Holzgeschmack und die Gelbfärbung bekommen hat.

Beim Whiskey gibt es noch weitere Besonderheiten. Die EU-Norm schreibt vor, dass er mindestens 40 Prozent Alkohol enthalten muss. Streckers füllen ihn mit 43 Prozent ins Fass, damit er auch noch nach ein paar Jahren über der Zahl 40 liegt. Der Rest verdunstet. Zuerst wurde vor zehn Jahren mit Weizen-und Maismaische experimentiert. Doch das Letztgenannte brachte nicht den gewünschten Geschmack. Nun baut Strecker seit vielen Jahren den passenden Weizen selbst an. Vor dem Schroten läuft das Korn durch eine Getreideputzmaschine. "Es sollen später nur die guten Körner die Grundlage meines Whiskeys bilden", sagt Strecker senior. Beim Verkosten schmeckt man das intensive Aroma, das sich angenehm würzig auch auf den hinteren Rachenraum legt. Danach setzt eine Scheibe Schwarzbrot die Geschmacksnerven auf Null zurück. "Williams Gold" heißt der Liebling des Juniorchefs, der darüber sagt: "Das ist eine Mischung für Mann und Frau." 25 Prozent Alkohol, viel Birnenfrucht, wenig Süße: Es fällt schwer, sich nur ein Schnapsgläschen davon zu gönnen. Der Senior trinkt am liebsten vom Waldhimbeergeist. Dabei füllt sich die Nase mit Himbeerduft und bringt den Sommer zurück.

Wer zuviel konsumiert, sollte besser ein Taxi für die Rückfahrt ordern, denn: "Schwankt der Bauer auf dem Schlepper, wars der leckere Schnaps vom Strecker."

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