Todestag Hermann Frasch: Gaildorfs prominentester Auswanderer

Gaildorf/Oberrot / HEIKE KRAUSE 30.04.2014
Eine Persönlichkeit aus dem Limpurger Land, die es im wahrsten Wortsinn zu Ruhm und Geld gebracht hat wie keine andere, ist am 1. Mai vor 100 Jahren verstorben: Hermann Frasch.

Als 17-Jähriger verließ er Gaildorf: Hermann Frasch. Er wurde am 25. Dezember 1851 in Oberrot als 14. Kind des Schultheißen Johannes Frasch geboren. Drei Jahre später, 1854, übersiedelte die Familie in die Oberamtsstadt Gaildorf; der Vater war zum Stadtschultheißen aufgestiegen.

Hier in Gaildorf besuchte Hermann zunächst die Volksschule, später die Lateinschule, begann 1865 eine Apothekerlehre und wechselte schließlich nach Schwäbisch Hall, um dort eine Buchhändlerlehre zu machen.

Warum Frasch seine Heimatstadt und schließlich Deutschland verließ, weiß man nicht. Es geschah aber im Einvernehmen mit seinen Eltern. Im Herbst 1868 immigrierte Frasch in die USA und lebte zunächst bei seinem Onkel Christoph Friedrich Frasch in Philadelphia. Dort arbeitete er in einer Apotheke, besuchte nebenher Abendkurse am College of Pharmacy and Science.

In den 1870er Jahren begann sein Aufstieg in der damals noch jungen Erdölindustrie; seine Patente machten ihn zum wohlhabenden Mann. Sein 1884 entwickeltes, mit Paraffinwachs getränktes Papier kommt heute noch bei der Verpackung etwa von Milchprodukten zum Einsatz. Das im Jahr 1891 patentierte Frasch-Verfahren zur Schwefelgewinnung machte Frasch zum "Schwefelkönig von Louisiana".

Trotz seines Reichtums vergaß er nie seine Mitmenschen - auch in Gaildorf nicht. Die "Frasch-Stiftung" unterstützte unter anderem hiesige Bedürftige.

Noch einmal kehrte Hermann Frasch in seine Heimatstadt zurück. Am 18. Juli 1906 besuchte er die Stadt auf der Durchreise nach Karlsbad. Legendär ist sein Scheck über 20.000 Goldmark zur Erstellung einer Turn- und Festhalle. Doch weder bei der Einweihung der Halle am 12. Juli 1908 noch bei der Verleihung der Ehrenbürgerwürde am 30. Juni 1908 konnte Hermann Frasch persönlich anwesend sein. Er sollte Gaildorf nie wieder sehen.

Völlig überraschend, im Alter von 62 Jahren, starb Hermann Frasch am 1. Mai 1914 in Paris. Seine Angehörigen nahmen das Angebot aus Gaildorf an, ihn hier beizusetzen. Dies geschah unter großer Anteilnahme der Bevölkerung am 19. Mai. Über der Gruft wurde in den Folgejahren das Mausoleum nach Vorbild der königlich-württembergischen Grabkapelle auf dem Rotenberg bei Stuttgart und nach Plänen des Stuttgarter Architekten Albert Eitel errichtet. Wegen des Ersten Weltkrieges, der am 1. August 1914 begonnen wurde, zog sich die Bauzeit in die Länge.

Als am 25. September 1924 Fraschs Witwe Elizabeth in Paris starb, nahmen die Nachkommen dies zum Anlass, sowohl ihren als auch Hermann Fraschs Leichnam in die USA zu überführen. Beide wurden auf einem Friedhof im Staat New York beigesetzt. Der Marmor-Sarkophag im Gaildorfer Mausoleum ist seither leer. Das Gebäude schenkten die Erben im November 1924 der Stadt Gaildorf mit dem Recht, hier Trauergottesdienste abhalten zu dürfen.

Info Die Autorin dieses Beitrags, Dr. Heike Krause, ist Stadtarchivarin in Gaildorf. Zu Fraschs 100. Todestag hat die RUNDSCHAU bereits am 26. April eine Geschichte von Richard Färber veröffentlicht. Titel: "Herr der Schwefelquelle".

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