Café Soirée Herbstmusik und die kürzeste Oper der Welt

Katharina Wibmer, Gerhard A. Schiewe und Cecilla Castillo (von links) spielen Tangos auf dem Kieselberg. Foto: Reinhold Haring
Katharina Wibmer, Gerhard A. Schiewe und Cecilla Castillo (von links) spielen Tangos auf dem Kieselberg. Foto: Reinhold Haring © Foto: Foto: Reinhold Haring
Gaildorf / Reinhold Haring 26.10.2016
Beim Trio „Tangoinpetto“ auf dem Kieselberg darf auch getanzt werden. Die meisten hören lieber zu.

Es waren nicht nur besondere Musiker, es war auch sonst ein eher ungewöhnlicher Café-Soirée-Abend auf dem Hofgut Kieselberg. Gerhard A. Schiewe, Katharina Wibmer und Cecilla Castillo zählen sicher zu den besten deutschen Tangointerpreten. Als Trio „Tangoinpetto“ spielen sie Tangos, Vals oder Mingos,  authentisch, gefühlvoll und leidenschaftlich. Dabei erklingen Tango-Klassiker von Astor Piazzolla oder Richard Galliano ebenso wie Eigenkompositionen von Schiewe.

Der Akkordeonist lebt als freier Musiker in Berlin und betrachtet Tango als seine künstlerische Sprache.  Nicht weniger tangoverrückt ist die aus Österreich stammende Katharina Wibmer – man spürt es sofort, wenn sie zu ihrer Geige greift. Die dritte im Bunde, Cecilla Castillo, hat praktisch den Tango in die Wiege gelegt bekommen. Die Cellistin wurde in La Rioja in Argentinien geboren.

Es war das erste Mal in der Geschichte der Café-Soiree-Veranstaltungen, dass eine Tanzmöglichkeit bestand. Es war sogar ausdrücklich gewünscht, allerdings machte das Publik nur zögerlich von dem Angebot Gebrauch und  hörte lieber zu. Tango passt ja auch hervorragend in diese Jahreszeit. In der Musik lebt die Schwermut des Übergangs, etwa im „Tango im November“.

Es kann aber auch ganz weltlich zugehen. „Por una cabeza“ ist ein populärer Tango von Carlos Gardel (Musik) und Alfredo Le Pera (Text) aus dem Jahr 1935. Das Lied stammt aus dem Musical-Film „Tango Bar“ und handelt von einem notorischen Spieler, der die Anziehungskraft, die ein Pferderennen auf ihn ausübt, mit der seiner Frau vergleicht – die er dann bei Pferderennen verliert. Schiewe nennt das Stück „die kürzeste Oper, die ich kenne. In drei Minuten ist alles vorbei.“

Gespielt wurde auch eine Komposition aus dem Film „Man muss mich nicht lieben“,  geschrieben von Eduardo Makaroff und Christoph H. Müller. Die beiden wurden durch das „Gotan Project“ bekannt, das den Tango mit zeitgenössischen Pop-Elementen vermengt. Gerhard A. Schiewe gab dem Stück einfach den Namen „Tango aus dem Film ‚Man muss mich nicht lieben’“.

Das Trio glänzte indes nicht nur mit reinen Tangos. Von  Homeri Manzi erklangen ein echter argentinischer Walzer und die Milonga „Negra Maria“ aus dem Jahr 1941. Milonga ist zwar eine Untergruppe des argentinischen Tangos, unterscheidet sich jedoch von diesem im Rhythmus. Das sachkundige Publikum erklatschte sich zwei Zugaben.

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