Schwäbisch Hall Heidenheimer Knackis in Schwäbisch Hall

Der Innenhof des Haller Gefängnisses.
Der Innenhof des Haller Gefängnisses. © Foto: dpa
Heidenheim/Schwäbisch Hall / VERENA BUFLER 09.08.2012
Im Schwäbisch Haller Gefängnis in der Stadtheide wird’s eng, und im Heidenheimer Kittchen stehen bald alle Zimmer leer. Beides hängt miteinander zusammen.

Das Heidenheimer Gefängnis schließt morgen. 44 Untersuchungs- und Strafgefangene waren bisher dort untergebracht. Zum Vergleich: In Hall leben 370 Verurteilte. Einen Freibrief für die Heidenheimer Gefangenen gibt’s wegen der Auflösung freilich nicht. Vielmehr müssen sie umziehen. 22 U-Häftlinge werden nach Ellwangen und Ulm verlegt, 22 Strafgefangene haben ihr Köfferchen in Hall wieder ausgepackt. „Die Häftlinge sind schon da“, sagt JVA-Leiter Martin Hengstler.

Die Schließung der kleinen Außenstelle in Heidenheim ist einem Trend der Landespolitik geschuldet. „Größere Anstalten sind wirtschaftlicher“, erklärt Hengstler. Probleme bereiten ihm die Neuen nicht. „Sie haben sich schon gut integriert.“ Bei den Zuzüglern handelt es sich um Kleinkriminelle, die zwischen einem und fünf Monaten absitzen müssen, etwa wegen Beleidigung oder Sachbeschädigung.

Nicht nur Gefangene ziehen von Heidenheim nach Hall: Auch vier uniformierte Beamte wechseln ihre Arbeitsstelle. 194 Mitarbeiter sind damit im Haller Gefängnis tätig.

Warum die 20 Gefangenen aus Heidenheim ausgerechnet nach Hall verlegt werden? „Das hat geografische Gründe“, sagt Martin Hengstler. Andere Anstalten in der Umgebung scheiden aus: Ellwangen und Ulm haben keinen geschlossenen Vollzug, in Schwäbisch Gmünd sind nur Frauen inhaftiert.

Mit 360 Strafgefangenen bei 367 Plätzen ist das Haller Gefängnis in der Stadtheide nun fast ausgelastet. Dagegen sind das Freigängerheim sowie die Kleincomburg mit 15 beziehungsweise 16 Personen jeweils nur zur Hälfte voll. „Aber da braucht’s auch geeignete Gefangene, bei denen keine Fluchtgefahr oder Bedrohung für die Bevölkerung besteht“, weiß Hengstler.

Bisher wurden im Haller Gefängnis in der Kolpingstraße nur Gefangene aufgenommen, die eine Mindestfreiheitsstrafe von sechs Monaten – bishin zu lebenslänglich – zu verbüßen hatten. Nun ist Hall auch für Kleinkriminelle zuständig. Und die werden für gewöhnlich nicht im Polizeiauto gebracht, sondern fahren mit dem Bus oder Taxi vor. „Selbststeller“, wie sie genannt werden, stehen nicht selten mit ihrem Köfferchen vor der mächtigen Eingangstür, der Atem von der letzten durchzechten Nacht in Freiheit gezeichnet, und melden sich kleinlaut zum Antritt ihrer Strafe.