Abschied Hans Kriso legt den Taktstock nieder

Bürgermeister Frank Zimmermann (links) bedauert den Abgang von Hans Kriso und bedankt sich mit einem Präsent.
Bürgermeister Frank Zimmermann (links) bedauert den Abgang von Hans Kriso und bedankt sich mit einem Präsent. © Foto: Hans Buchhofer
Gaildorf / Hans Buchhofer 10.01.2019
Der 62-Jährige beendet seine Tätigkeit als Dirigent der Stadtkapelle Gaildorf nach 15 Jahren.

Beim Neujahrskonzert verkündete Bürgermeister Frank Zimmermann den Rücktritt des langjährigen Dirigenten der Stadtkapelle. So wurde dieses Konzert eine grandiose Abschiedsvorstellung. Gaildorfs Bürgermeister würdigte die Ära Kriso, „da sich die Stadtkapelle in den letzten Jahren rasant zu einem hervorragenden Ensemble weiterentwickelt hat“.

Gaildorfs Rathauschef habe immer den Eindruck gehabt, dass sich die Musiker unter der musikalischen und kamerad­schaftlichen Leitung ihres Dirigenten wohlgefühlt haben. Auf die Stadtkapelle sei immer Verlass gewesen, sei es beim Neujahrskonzert, beim Pferdemarkt, bei öffentlichen Veranstaltungen, beim Volkstrauertag, bei Geburtstagsständchen und sonstigen Feierlichkeiten oder beim Weihnachtsspielen im Rathaus. Als Dank für diese Verbundenheit zur Stadt übergab Frank Zimmermann dem scheidenden Dirigenten ein Präsent. Lediglich zum Pferdemarkt wird Hans Kriso noch einmal zum Taktstock greifen, aber dann ist seine Ära bei der Stadtkapelle Gaildorf Vergangenheit.

Ruhe nach turbulenten Jahren

Auch der Vorsitzende der Stadtkapelle Achim Kosel dankte dem Dirigenten. Kosel erinnerte an die Zeit, als Kriso 2004 in Gaildorf verpflichtet wurde. Die Kapelle erlebte zuvor turbulente Jahre. Drei Dirigenten waren von 1997 bis 2004 bei der Stadtkapelle im Einsatz. Kriso brachte Ruhe und eine Linie in die Kapelle, wie sich der Vorsitzende an die ersten Jahre erinnert. Es folgte das erste Konzert, das in der Presse unter dem Titel „Feuerprobe bestanden“ gefeiert wurde. Auch mit seinem ersten Weihnachtskonzert machte Kriso auf sich und die Kapelle aufmerksam.

Regelmäßig folgten in den kommenden Jahren mindestens zwei große Konzerte, oft auch drei, wie zuletzt mit dem Herbstkonzert, dem Weihnachts- und dem Neujahrskonzert. Der Beifall des Publikums war der Lohn für die Musiker. Kosel listete die Überschriften der Zeitungsartikel über die Konzerte auf, die zeigen, welche Wertschätzung sich die Stadtkapelle nicht nur in Gaildorf erspielt hat.

Hans Kriso war kein bequemer Dirigent, denn er forderte seine Musiker und drängte ständig auf eine musikalische Verbesserung, getreu seiner Philosophie: „Es gibt keine gute oder schlechte Musik, sondern nur gut gemachte oder schlecht gemachte Musik“, und Letzteres konnte er gar nicht vertragen. Er schaffte es, die Stadtkapelle fit zu machen für jeden Auftritt, sei es mit Stimmungsmusik oder konzertanter Musik mit Tiefgang.

Kriso wuchs in Alfdorf auf und lebt bis heute dort. Sein Vater unterrichtete ihn an der Trompete, parallel wurde er von Karl Böhm vom Musikverein Alfdorf ausgebildet. Als aktiver Musiker fiel er dort schon mit 18 Jahren beim Solostück „Die Teufelszunge“ auf. Kriso beherrscht außerdem das Flügelhorn und das Tenorhorn. Mit 20 Jahren spielte er bei den „Original Fidelen Egerländern“ und war auch bei anderen bekannten Blasorchestern regelmäßig Gastmusiker.

Bei einer Reise nach Prag 1987/88 machte Hans Kriso Bekanntschaft mit Cibor Mestek, dem 1. Flügelhornisten des Zentralorchesters der tschechischen Armee. So lernte er Trompeter aus Philharmonie und Symphonieorchester der Prager Szene kennen. Beim Chefdirigenten des Zentralorchesters der Armee, Viliam Beres, erhielt er Unterricht im Dirigat. „Ein übermäßiges Erlebnis für mich“, erinnert sich Kriso an diese Zeit. Zwei Jahre weilte er in Prag, lernte die Sprache und vertiefte seine Liebe zur böhmisch-mährischen und zur Wiener Musik.

Höhepunkte in Gaildorf gab es für Hans Kriso viele. Natürlich die großen Konzerte, das Internationale Blasmusikfest der Jugend Europas in Bad Orb oder die Besuche in Gaildorfs Partnergemeinde Budajenö. „Meine musikalische Zukunft ist völlig offen, doch Musik wird mich immer begleiten – in welcher Form auch immer“, verrät Hans Kriso. Er will sich nun mehr seinen Hobbys widmen: Reisen, Geschichte, Fotografieren. Und Sinfonien hören, von Mahler, Dvorak und Bruckner – am besten live und von verschiedenen Orchestern gespielt. Sein Wunsch: gesund zu bleiben und noch viele schöne musikalische Erlebnisse genießen zu können.

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Ein Alfdorfer mit böhmischen Wurzeln

Hans Kriso wurde am 9. März 1956 in Alfdorf geboren, wo er auch heute wohnt. Sein Vater stammte aus Südböhmen, die Wurzeln der Mutter liegen in der Mittelslowakei.

Mit 14 Jahren begann Hans Kriso, beim Musikverein Alfdorf Trompete zu lernen. In Prag wurde er zum Dirigenten ausgebildet und war Mitglied der “Original Fidelen Egerländer“.

Als Dirigent fungierte Hans Kriso elf Jahre in Essingen, zehn Jahre in Althütte, fünf Jahre in Laufen/Kocher, sechs Jahre in Oberbrüden und seit 2004 in Gaildorf.

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