Handgemachtes Bier für die fünfte Crailsheimer Jahreszeit

GUIDO SEYERLE 23.08.2014

Biermanufaktur - das hört sich im ersten Moment etwas ungewohnt an. "Wir wollen damit sagen: Unser Bier wird von Hand gemacht", sagt Alexander Fach (39). Der Juniorchef verkörpert die fünfte Generation. Sein Vater Wilhelm Fach ist ebenfalls noch im Betrieb aktiv. Mit 35 Mitarbeitern gehört die Firma Engel zu den kleinen Brauereien im Land. Der Fokus liegt daher auf der Regionalität. Die Braugerste kommt komplett aus der Region. Eines der Gerstefelder war bis vor kurzem von Crailsheim kommend kurz vor Wolpertshausen in der Nähe des Wasserturms zu sehen. In Kooperation mit den Landwirten und der BAG-Raiffeisen wurde die Gerste inzwischen geerntet. Der Hopfen kommt aus Spalt im mittelfränkischen Landkreis Roth, das Wasser für die rund 30 verschiedenen Biere aus dem eigenen Brunnen. Das Sortiment wechselt über das Jahr gesehen, derzeit gehört das Volksfestbier zu den Favoriten. Die fünfte Jahreszeit in Crailsheim beginnt am 19. September. Engel ist seit 110 Jahren mit einem eigenen Zelt am Start. Dort passen zwar 6000 Menschen hinein. Aber wer nicht vorreserviert, wartet oft längere Zeit vor dem Eingang.

75 Prozent vom Gesamtumsatz macht das Bier aus, der Rest entfällt auf Limonade. Vom Bierumsatz sind wiederum 65 Prozent aus dem Bereich Fassbier. Wer denkt, dass daran das Volksfest einen großen Anteil hat, der irrt. Dies sind gerade einmal ein Prozent aus dem Fass-Umsatz.

Engel trotzt dem zurückgehenden Gesamtmarkt. Im Jahr 1989 wurden deutschlandweit noch 148 Liter Bier pro Kopf getrunken, derzeit sind es nur noch 105 Liter. In Baden-Württemberg ging die Zahl der Brauereien in den vergangenen zehn Jahren um 35 Prozent zurück. Alexander Fach nennt einen der Gründe, warum es in seinem Betrieb gut läuft: die gewonnnenen Auszeichnungen. Die bedeutendste ist der European Beer Star aus dem Jahr 2013. In verschiedenen Kategorien bewerben sich zur Blindverkostung um diese Goldmedaille meist mehrere 100 Brauereien. Engel gewann diese für das "Keller hell". Fachs haben sich zudem im Ausland ein weiteres Standbein aufgebaut. Ihr Bier wird unter anderem in Mexiko, Israel und China ausgeschenkt.

Die Probe beginnt mit dem Keller-hell alkoholfrei. Im Unterschied zu vielen anderen alkoholfreien Bieren schmeckt es nicht nur eisgekühlt angenehm frisch - was auch an dem höheren Gehalt an Kohlensäure liegt. Mit dem Naturradler naturtrüb hat Engel einen milden Durstlöscher im Programm. Das Thema Radler hat im Betrieb eine lange Geschichte. Fachs ließen sich vor vielen Jahren höchstrichterlich bestätigen, dass das Radler auch zu den "Bieren" gehört (der Fall ging bis vor den Bundesgerichtshof). Sonst hätte man es "Bier-Mix" nennen müssen. Das diesjährige Volksfestbier (5,5 Prozent) ist gewohnt kräftig, der leichte Malzgeschmack bleibt kurz auf der Zunge.

Kellerbiere sind unfiltriert und naturtrüb. Die Version Keller-dunkel zeigt im Glas einen schönen Schaum, die Farbe geht Richtung Walnussholz. Auf der Zunge ist es leicht weich-malzig. Wer es einen Moment im Mund behält, kann sowohl süßen als auch leicht bitteren Geschmacksrichtungen nachschmecken. Das Bock-dunkel (7,2 Prozent) kommt wie erwartet wuchtig daher. Auch bei ihm sind süß-bittere Nuancen zu erkennen, die im Abgang von Karamelltönen begleitet werden.