Vor drei Tagen ist eine Schülergruppe des Schenk-von-Limpurg-Gymnasiums aus Tansania zurückgekommen. Die Schülerinnen und Schüler nehmen am Schüleraustausch teil, den das Gaildorfer Gymnasium mit der King’Ori Secondary School in Arusha in Tansania pflegt. Ein erster Bericht über ihre Erlebnis ist am 13. Februar erschienen, nun folgt Teil 2:

 

Was braucht man für einen gelungenen Gottesdienst? Sind aufwendige Dekorationen, ein Gesangbuch und Bänke nötig? Seit Sonntag wissen wir, 120 weiße Gartenstühle, teilweise verstimmte Instrumente, eine Bibel-App und eine ordentliche Portion Lebensfreude reichen vollkommen aus. Dass weniger mehr sein kann, zeigt sich daran, dass wir ohne Liedblätter und sprachliche Kenntnisse den kompletten Vormittag mit Freude verbracht haben.

Festmahl mit Maultaschen

Doch nach der Kirche war der Tag noch lange nicht vorbei, da wir zusammen mit unseren und den letztjährigen Austauschpartnern ein gemeinsames „Festmahl“ mit schwäbischen Maultaschen veranstalteten. Danach spielten wir Karten- und Brettspiele und kickten auf dem Sportplatz, der direkt neben dem Community Knowledge Center liegt. Der Austausch mit unseren Partnern war sehr rege, alle Themen wurden durchgesprochen.

Nachdem wir am Montagmorgen erfolgreich unser Bauprojekt hatten, ging es direkt am Nachmittag sehr musikalisch weiter. Wir lernten einige Tänze und Lieder von unseren Austauschschülern, welche sie mit ihrem Musiklehrer einstudierten. Im Gegenzug brachten wir ihnen Lieder bei, die wir mit unseren Lehrern vorbereitet hatten. Am Ende stand ein hervorragender Gospelchor bereit.

Crailsheim

Aber „Pole, Pole!“ – „Langsam, langsam!“  – und immer schön der Reihe nach.  Seit dem letzten Bericht haben wir wieder einiges erlebt. Zunächst erhielten wir eine Führung durch das Krankenhaus von Himo, das mit dem Diak in Schwäbisch Hall zusammenarbeitet und das wohl am besten ausgestattete Krankenhaus der Gegend ist.

Polizeiliche Starthilfe

Da in Tansania die Sonne früh und schnell untergeht, war es nach einem Zwischenstopp auf dem Markt, in der nächstgrößten Stadt, Moshi, bereits dunkel.  Abenteuerlich ging es weiter als wir mitten in der Nacht von der Polizei auf der Autobahn, der einzigen geteerten Straße von Nairobi nach Dar es Salam, angehalten wurden. Auf dieser Straße ist die Polizei sehr präsent, weil sie von Drogenschmugglern genutzt wird. Größere Sorgen machte uns aber die Tatsache, dass nach diesem Stopp unser Auto nicht mehr ansprang.

Was nun? ADAC rufen? Der Polizist höchstpersönlich gewährte uns Starthilfe, natürlich gegen eine Entschädigung von 20.000 tansanischen Schilling, also etwa acht Euro, was hier dem Tageslohn eines Lehrers entspricht. Zum Glück sind wir am Ende des Tages wohlbehalten in unserer Unterkunft angekommen.

Am nächsten Tag starteten wir früh morgens mit dem sogenannten „Yellow Bus“ Richtung Arusha. Wir waren pünktlich, der Bus jedoch nicht: eine Stunde Verspätung. Aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse und ständigen Stopps zum Be- und Entladen benötigt man für 45 Kilometer und mit einer gefühlten Last von zehn Tonnen auf dem Dach knappe drei Stunden. Gewürzt wird die Fahrt von unzähligen unterschiedlichen Körpergerüchen, die man hautnah im wahrsten Sinne des Wortes miterleben darf. Der Austausch soll eben ein ganzheitlicher, mit allen Sinnen, sein.

Endlich der berühmte Massaimarkt. Frisch angekommen  fanden wir zahlreiche Ladenbesitzer vor, die alle mit den gleichen Sprüchen „Hello brother/sister, come visit my shop. Looking for free!“ werben. Wir hatten uns aber fest vorgenommen, unseren Großeinkauf auf den nächsten Besuch am kommenden Mittwoch zu verschieben, und verschafften uns daher lediglich einen großen Überblick über Preise, Qualität und Feilschmethoden.

Sprachlos im Museum

Überwältigend war das Cultural Heritage Center, das wir im Anschluss besuchen durften. Sprachlos standen wir vor der größten Sammlung afrikanischer Kunst aus Tansania. Das hatten wir nicht erwartet! Leider mussten wir uns losreißen, da uns der Schulleiter, Mr. Mutungi, zu einem üppigen Abendessen in sein Privathaus eingeladen hatte. Auch an diesem Tag kamen wir mit einer Fülle von Eindrücken nicht vor 22.30 Uhr zu Hause an.

Schon mal versucht, mit Wasser elektronische Fensterheber zu reparieren? Hier gehört das zu den einfachsten Handwerkertipps. Man kippt einfach Wasser auf die Kontakte.

Apropos Wasser, unser fließendes Wasser ist aufgebraucht, und wir müssen jetzt unser Wasser zum Duschen und Spülen aus Regentanks schöpfen. Auch Strom gibt es nicht immer, sodass wir mit Kerzen für romantische Stimmung sorgen. Jedoch lassen wir uns dadurch nicht die gute Laune verderben, da bei Nudeln mit Tomatensoße jedem das Wasser im Mund zusammenläuft.

Wir danken an dieser Stelle nochmals der Bürgerstiftung Gaildorf, die uns diesen Austausch ermöglicht und dem PAD (Pädagogischer Austauschdienst des Kultusministeriums, Initiative PASCH), der ihn unterstützt.

Das könnte dich auch interessieren: