Im Rahmen der Gschwender Zeltkirche wurde erstmals in der Gemeinde eine Sternwanderung durchgeführt, zu der sich rund 100 Personen eingefunden hatten. Um die Situation der Landwirte ging es bei der anschließenden Podiumsdiskussion vor ungefähr 300 Zuhörern. Geistlich geleitet wurde die Veranstaltung von Pfarrer Ehring und der Kirchenchor Gschwend mit Jutta Peschke am Keyboard umrahmte sie musikalisch.

Bei Engpässen helfen Freunde

Das evangelische Bauernwerk hatte drei Landwirte eingeladen: Julian Keim, Jürgen Lang und Eckard Hägele. Keim ist ausgebildeter Landwirt und 21 Jahre alt. Er arbeitet als Betriebshelfer beim Maschinenring Ostalb, besucht nebenher die Meisterschule und betreibt mit den Eltern und der Schwester den heimischen Betrieb in Honkling. Dort werden Schwäbisch-Hällische Schweine im Außenklimastall gezüchtet und aufgezogen. Das Futter wird auf eigenen Äckern angebaut, die Heuernte wird verkauft.

Zeltkirche: Kinder bauen Gebiet aus Lego

Kirche Zeltkirche: Kinder bauen Gebiet aus Lego

Der Betrieb existiert in der ersten Generation. Der Ertrag sei aber nicht zufriedenstellend, sagt Julian Keim. Bei Engpässen helfen Freunde und Nachbarn aus. Er sehe seine Zukunft in der Landwirtschaft, so Keim, wolle seine Meisterschule erfolgreich beenden und den Betrieb zusammen mit seiner Familie so weiterentwickeln, dass man davon gut leben könne.

Auch Jürgen Lang sieht die momentane Situation kritisch. Der 54-Jährige betreibt zusammen mit seiner Frau einen Milchviehbetrieb mit 130 Kühen in Gschwend. Beide studierten Agrarwirtschaft, auch im Ausland. Lang stieg dann in den elterlichen Betrieb ein, der 1990 ausgesiedelt wurde. „Früher waren wir mittendrin im Dorf“, so Jürgen Lang. Durch die Ortsferne sei eine gewisse Entfremdung entstanden.

Lang bedauert die „oftmals emotionsreichen und faktenarmen Diskussionen“ um die Landwirtschaft. Zudem sei der bürokratische Aufwand gigantisch und werde immer umfangreicher. Er habe den Eindruck, dass den Landwirten die Eigenverantwortung für intakte Böden und gesunde Tiere immer mehr abgesprochen werde.

Menschen kommen in Zeltkirche zusammen

Glaube Menschen kommen in Zeltkirche zusammen

Frust durch Bürokratie

Eckard Hägele hat ebenfalls Agrarwirtschaft studiert. Nach mehreren Auslandsaufenthalten stieg er in den elterlichen Betrieb ein. Wegen knapper Agrarflächen und immer schwieriger werdender Produktionsbedingungen entschied er vor acht Jahren, den Hof aufzugeben. Heute arbeitet er als Vertreter und Berater in der Futtermittelbranche. Auch Hägele bedauert die Entfremdung zwischen Bevölkerung und Bauern sowie die überbordende Bürokratie. Dass dies für Frustrationen sorge, sei verständlich.

„Wie könnte die Landwirtschaft im Jahr 2030 in Gschwend aussehen?“, fragte Moderatorin Melanie Burkhardt. Der Strukturwandel sei nun mal nicht aufzuhalten, meinte Jürgen Lang. Wichtig sei ein Konsens zwischen Gemeinde, Bevölkerung und Landwirtschaft. Auch betriebliche Vielfalt sei wichtig, waren sich Lang, Keim und Hägele einig. Kleine Betriebe, Hobbylandwirte und Schäfer sorgen durch Weidebetrieb dafür, dass die Landschaften offen gehalten werden, wo Maschinen nicht zum Einsatz kommen. Keim wünscht sich zudem mehr Miteinander und weniger Konkurrenzdenken unter den Landwirten. Hägele stellte fest: „Die Dankbarkeit der Bevölkerung gegenüber der Landwirtschaft ist verloren gegangen.“

Mit Bezug auf die Hungersnot im Jahr 1816, an die das Gschwender Garbenwagenfest erinnert, betonte Eckard Hägele, dass es seit über 200 Jahren in Gschwend keine solch existenzielle Not mehr gegeben habe und dies ein Verdienst der Landwirte sei. „Mehr Wertschätzung wäre wünschenswert.“

Das könnte dich auch interessieren: