Gschwend / Andreas Balko  Uhr
DLRG, DRK, Feuerwehr und Notfallteam informieren in Gschwend über ihre Arbeit vor Ort und berichten, wie sie belastende Erlebnisse verarbeiten.

Miteinander im Ehrenamt“ – unter diesem Motto stand ein sowohl unterhaltsamer als auch nachdenklicher Abend mit der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), dem Deutschen Roten Kreuz (DRK), der Feuerwehr und dem Notfallteam am dritten Tag der Zeltkirche in Gschwend. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung, zu der sich über 200 Menschen eingefunden hatten, von der Band „Akzente-Ostalb-Combo“. Durch den Abend führte souverän Gerald Luther.

Örtliches Unfallteam ist oft im Einsatz

Ein Reigen humorvoller Anspiele führte in die Thematik ein. So demonstrierte das DRK Gschwend mit Bobbycars, wie man eine Rettungsgasse bildet. Den durchaus selbstironischen Aufführungen schloss sich eine Podiumsdiskussion an, die von Siegfried Jahn moderiert wurde. Der ehemalige Pfarrer von Gschwend und jetzige Dekan des Kirchenbezirks Blaufelden engagiert sich in der Notfallseelsorge.

In Gschwend beginnt mit einem Gottesdienst die Zeltkirche der evangelischen Landeskirche.

Bürgermeister Christoph Hald aus Gschwend machte deutlich, dass ohne das örtliche Notfallteam eine zeitnahe Versorgung von Notfallpatienten nicht möglich sei. Grund dafür ist die Grenzlage der Gemeinde zwischen den Regionen. Simon Sorg vom Notfallteam beeindruckte mit den Einsatzzahlen. Während das Team 2004 etwa 50 Einsätze im Jahr zu verzeichnen hatte, wurden die Helfer im letzten Jahr 219 Mal gerufen. René Mursch, Abteilungskommandant der Feuerwehr, berichtete, was in einem Feuerwehrmann bei einer Alarmierung vor sich geht und wie die Kameraden schwierige Erlebnisse verarbeiten.

Auch noch mit 70 Jahren engagiert sich Christopher Mailänder im DRK. Seine Erfahrung sieht er als Vorteil bei der Verarbeitung schlimmer Erlebnisse bei den Einsätzen. Auch der Austausch mit seiner Familie habe sehr geholfen. Wenn die Reaktionen auf eine schlimme Ausnahmesituation länger als sechs Wochen anhalten, solle man aber auf jeden Fall professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Zu dieser habe man ebenfalls über die Notrufnummer 112 Zugang. Für die DLRG schilderte Corinna Röther einen typischen Einsatztag am Badesee und informierte über die Schwimmkurse und Trainingsangebote ihrer Organisation.

Die Modernisierung der Gaildorfer Rettungswache ist abgeschlossen.

Notfallseelsorger erzählt von seinen Erfahrungen

Schließlich interviewte Gerald Luther den Moderator. „Als einzige Organisation bringen wir Notfallseelsorger keine Gerätschaften mit zum Einsatzort, sondern nur uns selbst und Zeit“, meinte Siegfried Jahn. Wenn eine Einsatzanforderung bei ihm eingehe, setze er sich zunächst einmal hin, um runterzukommen, und spreche ein Gebet. In der Begegnung mit Menschen, die Schlimmes erlebt haben, kommt es ihm zuallererst darauf an, zuzuhören, präsent und hellwach zu sein. Natürlich kann er auch ein Gebet anbieten, wenn er spürt, dass dies gewünscht wird.

Zeltkirchenpfarrer Thomas Wingert informierte über die Rettungskette. Nach der Vorführung eines Films, den die Rettungsjugend eigens gedreht hatte, präsentierten die Organisationen die Gerätschaften, die sie bei Einsätzen mit sich führen. Wingert schloss den Abend dann ab mit einer Besinnung über die Frage, was ein Menschenleben wert ist. „Unser Umgang mit kranken, verletzten und alten Menschen ist nicht selbstverständlich, sondern aus dem christlich-jüdischen Menschenbild entstanden“, betonte er. Jeder Mensch sei unendlich wertvoll, weil Jesus sein Leben für jeden Menschen gegeben habe. Deshalb lohne sich auch der große Einsatz: „Gott und die Rettungskräfte ziehen an einem Strang, um uns zu retten!“

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