Der Begriff Kirbe ist eigentlich eine Kurzform von „Kirchweih“. Die Feier zum Jahrestag einer kirchlichen Weihe in Gschwend war jedoch nicht der Anlass, die Kirbe-Tradition wieder aufleben zu lassen. Für die Ausrichtung des Festes zählte wohl lediglich der traditionelle Zeitpunkt im Oktober.

Ein Besuchermagnet

Hugo Abele hatte 1979 als Vorstand des Musikvereins die Gschwender Kirbe auf den Weg gebracht. Zehn Jahre später folgte ihm Dieter Grau, der dem Verein nun seit 30 wechselvollen Jahren vorsteht. Er freut sich, dass die Gemeindehalle zum aktuellen Jubiläum wieder sehr gut besucht ist. „Das ist einfach Tradition“, bestätigte eine Besucherin. Das gute Essen ist wie immer ein Besuchermagnet.

1979 war Karl Schmidt noch Bürgermeister in Gschwend und dürfte sich darüber gefreut haben, dass es mit dem Vorhaben des Musikvereins auch beim Feiern von Festen in der Gemeinde aufwärtsgeht. Der Handels- und Gewerbeverein hatte sich am Kirbe-Sonntag bis vor einigen Jahren immer wieder mit zusätzlichen Aktionen beteiligt. Dann war auch rund um den Marktplatz einiges geboten. Die Feuerwehr und das Notfallteam konnten in der Vergangenheit auch bei Übungen beobachtet werden. Allerdings stand jetzt im Jubiläumsjahr keine dieser Attraktionen den Besuchern zur Verfügung.

Der stattliche Musikverein Horn mit 27 Orchestermitgliedern unter der Leitung von Valentin Sachsenmeier sorgte bei den Gästen über die Mittagszeit für gute Laune. Die Tombola-Lose für einen Euro wurden gerne genommen, zumal auch Eintrittskarten für das Big-Band-Konzert der Bundeswehr in der Gemeindehalle am 21. November zu gewinnen waren. Der Kartenverkauf für das Benefizkonzert hat inzwischen begonnen und dürfte für viele Blasmusikfreunde eine besondere Attraktion darstellen.

Martina Rueß und Dennis Geist luden Kinder und Jugendliche in den oberen Räumen der Halle zum Probespielen von Instrumenten ein. Blank geputztes Blech und schmucke Querflöten und Klarinetten fanden beim jungen Publikum erstaunlichen Zuspruch. Bei kraftvoll angesetzter Trompete wurde so manche Jungmusikerin auf den Geschmack gebracht. Der Weg zum Einzelunterricht beim Musikverein sei recht einfach und erstaunlich kostengünstig, betonte Dennis Geist. Er leitet auch die Jugendkapelle und freut sich auf motivierten Nachwuchs.

Volles Programm steht bevor

Der Musikverein Gschwend ist nicht nur mit dem Big-Band-Konzert in den nächsten Wochen weiter aktiv. Zur Kürbisnacht auf dem Marktplatz wird am 25. Oktober aufgespielt. Ein Auftritt beim Weinfest in Welzheim und der traditionelle Martinsritt schließen sich an.

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Gschwend

Gefeiert, musiziert, getanzt und gelacht


Volksfeste wie die Kirbe oder die Kirchweih hatten bis etwa um die Mitte des 19. Jahrhunderts Tradition. Es wurde gefeiert, musiziert, getanzt, gelacht. Auf den Tisch kam, was Küche und Heller hergaben. Weil es dabei, wie aus spärlichen Nachrichtenquellen hervorgeht, nicht selten zu „Ausschweifungen“ gekommen sei, wurden die Kirbe-Feste mehr und mehr vom öffentlichen in den privaten Bereich verlagert. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die Kirbetradition wiederbelebt. Und so heißt es in der Beschreibung des Oberamts Gaildorf (1852): „Besondere Volksfeste gibt es nicht. Selbst die Kirchweihe geht still vorüber.“ Aber nicht ohne gutes Essen: „An gewissen Tagen, an hohen Festen“ wie etwa zur „Kirchweihe“ komme bei den Familien „Schmalzbackwerk auf den Tisch“, notierte der Oberamts-Chronist. Und stellte am Ende mit Entsetzen fest, dass damals viel Schnaps getrunken worden sei. kmo