Uwe Frontzek und Jutta Urban sitzen in der Gaststube des Gschwender Ochsen am Stammtisch, an den anderen Tischen ist aufgestuhlt. Die Stühle werden auch nicht mehr heruntergenommen, denn das Gastronomen-Paar hat aufgehört. Seit Ende November ist der Gasthof geschlossen. Altershalber, sagt der 63-jährige Frontzek.

17 Jahre lang haben die beiden den Traditionsgasthof betrieben, jetzt werden sie in den Schwarzwald ziehen. Marketa Kühl, die langjährige Bedienung, hilft beim Aufräumen. Sie hat sich einen neuen Job gesucht. Ab Januar, sagt sie, geht’s „in die Fabrik“.

Der Ochsen war ein Ort der jüngeren Dorfgeschichte

Und der Vermieter hat Schilder in die Fenster gehängt: Der Gasthof am Marktplatz ist ablösefrei zu vermieten. Frontzek sieht’s mit gemischten Gefühlen: Das denkmalgeschützte Gebäude, sagt er, müsste dringend saniert werden. Andererseits kann’s ihm egal sein: „Zum Jahresende sind wir weg!“

Dass der Ochsen geschlossen ist, kann die Gschwender nicht freuen. Das Haus prägt nicht nur die Marktplatz-Kulisse, es ist auch ein Ort der jüngeren Dorfgeschichte. Unter Rolf Kuhn war es das „Vereinslokal“ der „Kreativen“ in Gschwend, dort wurde die Ausstellung geplant, mit der einst die Geschichte der Gschwender Musikwinter begann – im Ochsen stand die Wiege des Bilderhaus-Vereins.

Und ein paar Kilometer weiter befand sich einst das Mekka der Schnitzelfreunde. Im „Bierhaus“ in Rotenhar, früher weithin berühmt als „Schnitzelfabrik“, ist ebenfalls aufgestuhlt. In den letzten Jahren hat’s dort diverse Pächterwechsel gegeben, zwischendrin gab’s gar eine Phase, in der es sich empfahl, rechtzeitig zu reservieren. Wenn man jetzt die Homepage aufruft, landet man auf einer Seite mit der Überschrift „Wirtshaussterben auch in Gschwend …“ Weil kein geeigneter Pächter gefunden werden konnte, habe er beschlossen, den regelmäßigen Gastronomiebetrieb zu schließen, schreibt der Hausbesitzer Kurt Hinderer. Für Veranstaltungen oder Versammlungen könne das Wirtshaus weiterhin angemietet werden.

Bierhaus in Rotenhar wird im Februar wieder eröffnen

An der Zuverlässigkeit habe es gemangelt, sagt Hinderer auf Anfrage, deshalb habe er die Reißleine ziehen müssen. Gleichwohl wird die Wirtschaft wohl doch nicht sterben müssen. Hinderer hat das Haus verkauft; der neue Eigentümer, berichtet er, werde von Stuttgart nach Rotenhar ziehen und die Gaststätte im Februar wieder eröffnen. Besucher des benachbarten „Weiter Weg“, Wanderer auf dem Kultur- und Landschaftspfad Frickenhofen und anderen Wegen und Steigen im Schwäbischen Wald können sich dann auf eine gutbürgerlich-schwäbische Küche freuen.

Die gibt es auch weiterhin, vor ­allem in den Gschwender Teilorten, in der Sonne in Frickenhofen etwa, oder im Stern in Mittelbronn. Im Hauptort freilich ­bricht mit der Schließung des Ochsen etwas weg: Kebap gibt’s noch ­und Pizza, und auf der anderen Seite die Trattoria im Waldhorn und die vorzügliche, aber halt auch gehobene Küche der Herrengass. Ein Griechisch-Gastspiel im Vereinsheim des TSV Gschwend war nach wenigen Monaten beendet. Eine ­ausgewachsene „Gastronomiekrise“ sei da im Anzug, schreibt ein Leser: „Regierung, höre!“

Land stockt Föderung für Landgasthäuser auf


Bedeutend Dass die Landgasthäuser in Baden-Württemberg darben, sei zumindest statistisch nicht zu belegen, heißt es in der Antwort des Ministeriums für den Ländlichen Raum und Verbraucherschutz auf eine Anfrage des CDU-Abgeordneten Dr. Patrick Rapp vom 25. Oktober. Es wird aber auch darauf verwiesen, dass Investitionen in den Erhalt von Dorfgasthäusern schon seit Jahren gefördert werden. Man habe ihre „Bedeutung als Krisallisationspunkte für das Gemeindeleben (...) bereits früh erkannt“. Mittel könnten über eine LEADER-Aktionsgruppe beantragt werden oder über das Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum.

Sonderlinie Letzteres wurde für diese Zwecke eigens aufgestockt. Im Doppelhaushalt 2020/21 sind für das ELR-Programm jeweils 90 Millionen vorgesehen, jeweils zehn Millionen sind in einer neuen „Sonderlinie“ für die ländliche Gastronomie reserviert. Der Fördersatz wird von 20 auf 35 Prozent aufgestockt. Anträge werden über die Kommunalverwaltungen eingereicht. rif