Strom Großbohrgeräte rücken dem Keupergestein auf die Pelle

Gaildorf / Richard Färber 11.03.2017
In der Kocheraue werden derzeit die Bohrpfahlwände für das Pumpspeicherkraftwerk des Gaildorfer Naturstromspeichers gesetzt. An der Windkraftanlage 5 wird mit dem Bau des Aktivspeichers begonnen

Vorgestern Nacht müsste er zurückgekommen sein, der Großkran, den man vor Kurzem noch über den Limpurger Bergen aufragen sah. Dort, am Standort der Windkraftanlage Drei des Gaildorfer Naturstromspeichers, ragt bereits ein mächtiger Zylinder aus dem Wald. Es handelt sich um den Aktivspeicher, der das Fundament der noch zu errichtenden Windkraftanlage bildet und aus dem später das Wasser zum Pumpspeicherkraftwerk in die Talaue strömen soll – beziehungsweise in den das Wasser gepumpt wird, wenn’s grad Überschüsse gibt. Gebaut wurde der Speicher aus Beton-Fertigteilen, den sogenannten „Tübbingen“ – die Technologie hat man den Tunnelbauern abgeguckt.

Leichter Verzug wetterbedingt

Der Großkran war notwendig, um diese Tübbinge in die Baugrube zu lupfen. Er sein nun vorübergehend an einer anderen Baustelle im Einsatz gewesen, berichtet Bauleiter Johannes Kaltner. Nun werde er benötigt, um den Aktivspeicher an der Windkraftanlage fünf aufzustapeln. Diese Anlage, sagt Kaltner, werde am deutlichsten zu sehen sein.

Auf dem Aktivbecken der Wind­anlage Drei wird nun bereits mit dem Einbau des Ortbetonfundaments begonnen, auf dem später der Windkraftturm montiert werden soll. Die Arbeiten sind vor allem wegen der bisweilen ungünstigen Witterung etwas im Verzug. Allerdings enthält die Ablaufplanung auch einen Puffer:  Der Endtermin für die Inbetriebnahme der Windkraftanlage sei nicht tangiert, sagt Kaltner.

Er steht im Schlamm des rechteckigen Ein-Auslauf-Bauwerkes in der Kocheraue. Dreieinhalb Meter tief ist es bereits ausgehoben, acht Meter sollen es werden. Kocherseits wurden wasserdichte Bohrpfahlwände gesetzt, die anderen drei Seiten bestehen aus Spundwänden. Spezialisten der Firma Bögl installieren gerade die Spannlitzen, die die Wände sichern sollen. Ja, bestätigt Kaltner und grinst, es handle sich um eine Art Dübeltechnologie, bloß etwas komplizierter. Später wird nur die Bohrpfahlwand bleiben. Die anderen Wände werden abgebaut, wenn das Unterbecken ausgehoben ist.

Zweites Bohrgerät angefordert

Auf der anderen Kocherseite wird’s tiefer hinabgehen. Das Pumpspeicherkraftwerk soll 25 Meter tief versenkt werden. Derzeit werden dort entlang einer einbetonierten, kreisrunden Bohrschablone die Bohrpfähle versenkt. Die beiden Bohrgeräte wühlen sich durch Bohrrohre nach unten. Dann werden Armierungen eingesetzt und mit Beton verfüllt. Die Bohrpfahlwand wird aus 64 Betonpfählen mit einem Durchmesser von jeweils 1,2 Metern bestehen. Damit sie wasserdicht ist,  wird „überschnitten“ produziert. Das heißt: Zunächst wird jeder zweite Bohrpfahl gesetzt, der nächste wird dann sozusagen dazwischengeschnitten.

Das zweite Bohrgerät habe man angefordert, weil sich die Bauzeit wegen des schwierigen Untergrunds zu verzögern droht, sagt Kaltner: Nach 15 Metern stößt man auf massiven Keuper.  Dieser Umstand wird auch den Aushub erschweren. Man werde wohl Lockerungssprengungen vornehmen müssen, sagt Kaltner. Zuletzt wird dann der Kocher unterquert und der sogenannte „Düker“ verlegt, der Pumpspeicherhaus und Ein- und Auslaufbauwerk verbindet.

Am kommenden Mittwoch wird sich der Gaildorfer Technische Ausschuss erneut mit dem Projekt beschäftigen. Die Naturspeicher GmbH plant mittlerweile, einen großen Teil des Aushubs, der beim Bau des Unterbeckens anfällt, für die Gelände-Modellierung zu verwenden. Weil diese Maßnahme in der Baugenehmigung noch nicht enthalten war, wurde ein weiterer Bauantrag eingereicht.

Auf einen Blick

Pilotprojekt Der Gaildorfer Naturstromspeicher wird aus vier Windrädern bestehen, deren Füße auch als Wasserspeicher fungieren. Sie sind mit einem Pumpspeicherkraftwerk in der Kocheraue verbunden. Als Wasserreservoir dient das Unterbecken. Die Windgeneratoren haben eine Leistung von jeweils 3,4 Megawatt, der Pumpspeicher liefert 16 Megawatt. Die weltweit einmalige Anlage ist als Pilotprojekt konzipiert. Sie soll dazu dienen, Dellen und Spitzen im Netz auszugleichen. Bei Bedarf produziert sie Strom, Überschüsse nützt sie, um die Speicher aufzufüllen. Projektentwickler und Mitgeschäftsführer Alexander Schechner rechnet mit täglich zehn bis 50 Start-Stopp-Vorgängen. Der Pumpspeicher könne aus dem Stand binnen dreißig Sekunden auf Volllast gefahren werden. rif