Murrhardt Grandioser Abend der Akademie

Frédéric Otterbach (Deutschland), Rachel Kudo (USA), Marija Bokor (Schweiz), Albertina Eunju Song (Südkorea) und Junjie Zhang (China) gestalten ein Teilnehmerkonzert der Murrhardter Klavierakademie.
Frédéric Otterbach (Deutschland), Rachel Kudo (USA), Marija Bokor (Schweiz), Albertina Eunju Song (Südkorea) und Junjie Zhang (China) gestalten ein Teilnehmerkonzert der Murrhardter Klavierakademie. © Foto: Elisabeth Klaper
Murrhardt / Von Elisabeth Klaper 05.09.2018
Fünf Studenten der Murrhardter Klavierakademie beeindrucken im dritten Teilnehmerkonzert. Alle zeigen hohes technisches Können und einfühlsame Gestaltung.

Mit spieltechnisch ausgefeilten und wunderbar feinsinnig vorgetragenen Darbietungen vom Barock bis zum 20. Jahrhundert faszinierten fünf Pianisten aus drei Kontinenten die große Zuhörerschar beim dritten Teilnehmerkonzert der Internationalen Klavierakademie in Murrhardt.

Die Chinesin Junjie Zhang, die an der Universität der Künste Berlin studiert, präsentierte stilvoll und mit großer Empathie Robert Schumanns Humoreske in B-Dur, opus 20. Klangschön brachte sie die Fülle der Gedanken und Stimmungen in den sieben verschiedenartigen Abschnitten zum Ausdruck. Präzise arbeitete Zhang die rasch wechselnden verträumten und temperamentvollen Passagen mit scharfen Kontrasten heraus.

Kudo erntet Beifallsstürme

Für Furore sorgte die US-Amerikanerin Rachel Kudo, die heuer den Internationalen Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerb in Leipzig gewonnen hat. Brillant bot sie das Italienische Konzert dar, das Bach ursprünglich für Cembalo schrieb. Voller Spielfreude und mit höchster Präzision gestaltete sie mitreißend die barocken Klangelemente und kunstvollen ornamentalen Figurationen, ebenso den in der Komposition nachgeahmten Wechsel zwischen Solo und Orchester im Instrumentalkonzert.

Schwungvoll brachte Kudo das majestätische Hauptthema und die lyrischen Nebenthemen im ersten Satz zur Entfaltung. Einfühlsam bot sie den getragenen zweiten Satz dar, in dem die Melodie an eine pathetische, reich ausgeschmückte Arie erinnert. Ganz in ihrem Element war die amerikanische Pianistin im virtuosen dritten Satz voller quirliger, sprühender Spontaneität. Für ihren prächtigen Vortrag heimste sie Bravo-Rufe und tosenden Beifall ein.

Schon mehrfach besuchte die südkoreanische Pianistin Albertina Eunju Song, Publikumspreisträgerin des Internationalen Deutschen Pianistenpreises, die Murrhardter Klavierakademie. Sie begeisterte mit ihrem eleganten, souveränen und spielerisch beschwingten Vortrag des dritten und vierten Satzes aus Beethovens Klaviersonate Nr. 3 in C-Dur, opus 2/3.

Anmutig brachte Song das heiter verspielte Thema im Scherzo zur Geltung. Klar arbeitete sie den scharfen Kontrast zum düsteren Trio in a-Moll heraus, das gebrochene Akkorde mit Triolen auftürmt. Im Allegro assai zeigte die Künstlerin ihre virtuose Spieltechnik. Zudem brachte sie klangschön die liedhaften Passagen und ein Choralmotiv zur Geltung, dazu die schwungvolle Rhythmik. Auch Frédéric Otterbach, der in Schwäbisch Hall geboren wurde, in Wertheim aufgewachsen ist und jetzt an der Musikhochschule Würzburg studiert, besuchte bereits die Klavierakademie. Er beeindruckte mit seiner fein nuancierten Gestaltung der Klavierstücke opus 119 Nr. 3 in C-Dur und Nr. 4 in Es-Dur von Johannes Brahms. Stilvoll bot er das kurze, heitere Thema im Intermezzo Grazioso giocoso dar. Anmutig überspielte er es mit perkussiven Terzen, untermalte es mit einem durch die Tonlagen springenden Bass und brachte die Variationen schön zur Entfaltung.

Wilde Sprünge, scharfe Akzente

Mit pathetischem Ausdruck präsentierte Otterbach die monumentale Rhapsodie Allegro risoluto. Energisch und mit kraftvoller Betonung stellte er die wilden Sprünge, scharfen Akzente und gebrochenen Akkorde heraus, die zu einem mächtigen Schluss aus reichen Akkordkaskaden in dunklem es-Moll führen.

Zum Abschluss entführte die Schweizerin Marija Bokor, die sich zurzeit auf ihr Solistenexamen vorbereitet, die Zuhörer nach Andalusien mit dem Allegro moderato aus Manuel de Fallas „Fantasia Baetica“. Die impressionistische Komposition zelebriert die andalusische Kultur. Bravourös meisterte Bokor die komplexen Spieltechniken, die von der Gitarrenmusik abgeleitet sind. Mit enthusiastischem Applaus dankte das Publikum allen Mitwirkenden für das grandiose Konzert.

Info

Ein weiteres Teilnehmerkonzert findet am Donnerstag, ab 19 Uhr in der Festhalle Murrhardt statt. Das Abschlusskonzert der Klavierakademie beginnt am Samstag, 8. September, um 19 Uhr in der Festhalle. Der Eintritt ist frei.

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