Gaildorf Gezupfte Klänge für Lieder in drei Sprachen

Alexandre Zindel hat seine Autoharp im Arm.
Alexandre Zindel hat seine Autoharp im Arm. © Foto: staufer.press
Gaildorf / Werner Schmidt 20.06.2018
Alexandre Zindel erfreut auf dem Gaildorfer Kieselberg mit Gesang und Saitenspiel.

Fernsehen hat auch seine guten „Saiten“. Ohne das TV wäre Alexandre Zindel wohl nie auf die Idee gekommen, sich der Autoharp zu widmen. Dann wäre das Publikum im Hofgut Kieselberg um eine musikalische Erfahrung ärmer. Denn dort trat der Musiker am Samstag mit seinem Saiteninstrument vor spärlichem, aber begeistertem Publikum auf.

Die Autoharp ist weder automatisch noch eine Harfe. Sie zählt zur Familie der Zithern, entwickelt aber einen Klang, der je nach Spielweise mal wie Gitarre, mal ähnlich einem Banjo klingen kann, manchmal auch nach keltischer Harfe.

Was hat denn nun dieses im ausgehenden 19. Jahrhundert in Sachsen entwickelte 36-saitige Instrument mit dem Fernsehen zu tun? Der studierte Musiker Alexandre Zindel zappte sich vor ungefähr neun Jahren zuhause durch die Sender und blieb bei dem Film „Walk the Line“ hängen. In dieser filmischen Biographie von Johnny Cash spielt dessen spätere Ehefrau June Carter die Autoharp. Und das Instrument inspirierte Zindel, der feststellte: „Das brauch ich auch.“ Er habe sich ein Instrument gekauft, sich ein Jahr lang im Keller eingeschlossen, „und als ich wieder hervorkam, gab ich mein erstes Konzert“. Seither ist er nach eigenen Angaben Deutschlands einziger professionell tourender Autoharpspieler.

Zum Soloprogramm des 1971 geborenen Sohns einer französischen Mutter und eines deutschen Vaters gehören Lieder, Chansons und Folksongs, die er auch dreisprachig singt. Dazu gibt es jeweils eine Erläuterung.

Zum Repertoire gehört auch ein schottisches Volkslied, das ursprünglich nur instrumental gespielt wurde, bis die englische Dichterin Eleanor Farjeon (1881–1965) im Jahr 1931 einen Text dazu schrieb. 40 Jahre später wurde das Lied durch Cat Stevens weltberühmt. Und Alexandre Zindel spielte und sang „Morning has broken“ zur Autoharp im Hofgut Kieselberg.

Zu seinem Repertoire gehören ebenfalls französische Chansons, von Edith Piaf „Je ne regrette rien“ oder „La Coeur fait boum“ und „La Mer“ von Charles Trenet. Mit „Wildwood Flowers“, der Erkennungsmelodie der „Carter-Family“, eröffnete Zindel den Abend, mit „Blue Suede Shoes“ beschloss er ihn. Dabei habe ihn der Wunsch getrieben, ein Lied in drei Sprachen singen zu wollen. Der Rock ’n’ Roll-Song, 1955 von Carl Perkins geschrieben, wurde am bekanntesten in der Interpretation von Elvis Presley. Aber auch der französische Rock ‘n’ Roller Johnny Hallyday sang ihn: „Comme un Fou“ – Wie ein Verrückter hieß die französische Version. Und schließlich gab es noch eine deutsche Fassung, die 1956 der legendäre Swing-Musiker Paul Kuhn unter dem Titel „Die Blauen Wildlederschuhe“ herausbrachte. Alexandre Zindel mischte alles zusammen zu einem bunten Sprachreigen und erfreute damit das vorwiegend ältere Publikum.

Die Autoharp oder Volkszither

Im Gegensatz zur Zither, die flach liegend gespielt wird, zupft der Spieler die Autoharp vor der Brust. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte der Deutsche Karl August Gütter das Instrument und nannte es „Volkszither“. Bei einem Besuch in seiner sächsischen Heimat hat der in den USA lebende Charles F. Zimmermann das Instrument kennengelernt, es in den USA nachgebaut und als eigene Entwicklung als Autoharp auf den Markt gebracht.

Inzwischen ist das Instrument in Deutschland weitgehend unbekannt, wird aber in den USA oft bei Bluegrass- und Country-Musik eingesetzt. Bekannt wurde das Instrument in den 20er-Jahren durch die Carter-Family.

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