Geht es der heimischen Wirtschaft gut, profitiert davon auch die Stadt – durch die Gewerbesteuer. Und die sprudelt in Gaildorf derzeit zwar nicht üppig, wenn man das Aufkommen mit anderen Kleinstädten vergleicht, aber dennoch passabel. Für das laufende Jahr rechnen die Finanzexperten auf dem Rathaus, dass diese bedeutendste Quelle der eigenen Steuereinnahmen rund 5 Millionen Euro bringen könnte.

„Schwer planbare Ertragsart“

Der Trend, der sich in den vergangenen Jahren abgezeichnet hat, könnte sich also zumindest noch 2019 fortsetzen. Wobei die Stadtverwaltung im Entwurf zum Haushaltsplan – den der Gemeinderat Ende des Monats zu beschließen hat – gewohnt vorsichtig zu Werke ging. Nicht um die Planung schönzurechnen und am Ende keine überraschenden negativen Abweichungen zu bekommen. Sondern schlicht deswegen, weil die Gewerbesteuer „eine nur sehr schwer planbare Ertragsart darstellt“, wie es im Kommentar zum Etat heißt.

Nachdem sich in der ersten Hälfte dieses Jahrzehnts das Aufkommen dieser Steuer unter der Grenze von 4 Millionen Euro bewegt hatte – 2013 waren es 2,6 Millionen – und niemand an einen starken Zuwachs glauben wollte, ging es bergauf: 2017 konnte mit mehr als 5,2 Millionen Euro ein neuer Höchstwert erreicht werden, deutlich über den guten Ergebnissen des vorangegangenen Jahrzehnts.

Diese Entwicklung hat sich 2018 fortgesetzt: Gerechnet worden war mit einem Einpendeln des Steueraufkommens auf rund 4,5 Millionen Euro. Tatsächlich dürfte das Ergebnis am Ende des Jahres – das noch nicht vollständig abgerechnet ist – nach Einschätzung der Stadtverwaltung annähernd den Wert des Jahres 2017 erreichen.

Sind nun die eingeplanten 5 Millionen Euro realistisch? Die städtischen Planer meinen ja. Denn die konjunkturelle Entwicklung könnte den Prognosen zufolge ihren Zenit überschritten haben. Deshalb, so die Verwaltung, wird zwar fürs laufende Jahr ein gegenüber 2018 um eine halbe Million Euro höherer Wert eingeplant, der aber noch unter den bisherigen Rekordzahlen liegt.

Als insgesamt „vorteilhaft“ sehen die Planer, dass sich das Steueraufkommen auf eine „vergleichsweise breite Basis an Steuerpflichtigen“ stütze und keine „zu große Abhängigkeit von den Zahlungspflichten“ eines einzelnen größeren Betriebs bestehe.

Die ARWA-Vergleiche hinken

In diesem Zusammenhang werden im Volksmund nach wie vor Vergleiche mit dem bislang größten Industriebetrieb im Raum Gaildorf angestellt, den von 1949 bis 1973 ansässigen ARWA­-Strumpfwerken mit bis zu 1700 Beschäftigten. Was dabei übersehen wird: Dieses Unternehmen hat in Unterrot und später in Gaildorf nie eine Mark an Gewerbesteuer bezahlt.

Das könnte dich auch interessieren:

Info


So errechnet sich die Gewerbesteuer: Das erwartete Einkommen, abzüglich Betriebsausgaben und Freibetrag, ergibt das zu versteuernde Einkommen; davon 3,5 Prozent (die bundesweit einheitliche Steuermesszahl) herausgerechnet ergibt den Steuermessbetrag, der sich um den von der Kommune festgelegten Hebesatz – in Gaildorf sind es 350 Prozent – erhöht.