GEISTLICHE BESINNUNG · ZUM FEST DREIKÖNIG: Ein zweites Weihnachten auf der Schwelle zum Alltag

Das Symbol des Sterns soll an die weihnachtliche Botschaft erinnern. Foto: Balko
Das Symbol des Sterns soll an die weihnachtliche Botschaft erinnern. Foto: Balko
SWP 04.01.2014

Liebe Leserinnen und Leser! Nun sind sie also fast vorbei, die Feiertage. In der nächsten Woche werden in vielen Familien die Lichterketten samt Glaskugeln und Sternen abgehängt. Man räumt die Weihnachtsbäume aus den Wohnzimmern hinaus und stellt sie an den Straßenrand zur Abholung. Erloschen ist dann der Glanz, der die weihnachtlichen Stuben verzaubert hat. Verloschen sind auch die festlichen Lichter, die unsere Straßen und Plätze in der dunklen Winterzeit erhellt haben.

Manch einer ist froh, wenn die Weihnachtszeit endlich vorbei ist. Denn immer Weihnachten, immer freundlich sein und friedlich - wer hält das schon lange aus? Lieber lebt man jetzt auf Fasching zu oder schon auf das Frühjahr! Andere freilich trauern der Weihnachtszeit nach. Sie bedauern, dass nach den Festtagen nun wieder das Grau-in-Grau des Alltags in ihr Leben einkehrt.

Aber da blitzt am Montag mit dem Erscheinungsfest noch einmal etwas Weihnachtliches auf. Es ist sozusagen ein zweites Weihnachtsfest, das Christen feiern. Wir verdanken es dem Umstand, dass der 6. Januar im ost-römischen Teil der Kirche als Geburtstag von Jesus festgesetzt wurde. Das ist im Lauf des ersten Jahrhunderts geschehen und bis heute ist dieser Tag in den orthodoxen Kirchen das eigentliche Christfest. In West-Rom aber wurde der 25. Dezember zum Geburtstag von Jesus erklärt. So kam es zu einem zweifachen Weihnachtsfest. In unserer kirchlichen Tradition hat man wegen dieser Doppelung die Hirten und Engel dem 25. Dezember zugeordnet, während man am Erscheinungsfest an die Ankunft der Weisen und den Stern dachte. Deshalb ziehen in diesen Tagen auch die Sternsinger durch die Straßen. Auf der Schwelle zum Alltag feiern wir also am Montag ein zweites Mal Weihnachten. Nüchterner diesmal, denn der Zauber der Heiligen Nacht ist dem hellen Morgen gewichen. Aber bevor das Einerlei und der Stress wieder in unser Leben einkehren, wird uns noch einmal die Botschaft von Weihnachten gesagt. Ja, in das Grau-in-Grau des Alltags soll uns von Weihnachten her ein Licht leuchten. Auch wenn keine Lichterketten mehr die winterliche Dunkelheit erhellen, soll etwas vom weihnachtlichen Glanz weiter leuchten in unseren Augen und in unseren Herzen.

Die Wahrheit von Weihnachten bleibt: Gott meint es freundlich und gut mit uns Menschen. Gott will unserem Leben Licht und Frieden bringen. Wo Neid und Streit, Bitterkeit und Schuld sind, da will er unser Leben heil machen - durch Jesus, dessen Geburt wir feiern. Ich denke, wir Menschen brauchen diese weihnachtliche Botschaft nicht nur an hohen Festtagen. Sondern vor allem sind wir im Alltag auf sie angewiesen. Das Symbol des Sterns soll uns daran erinnern.

Der Weihnachtsstern will nicht nur die Weisen aus dem Morgenland zu Jesus bringen. Sondern er will uns zu Jesus führen und in seiner Geschichte weiter begleiten. Denn das Kind in der Krippe ist ja eines Tages erwachsen geworden. Nach etwa 28 Jahren wurde Jesus zur Hoffnung für viele, weil er die Menschen heilte und sie die Nähe Gottes spüren ließ. 30 Jahre nach seinem Geburtstag ist aus dem Kind in der Krippe der Mann am Kreuz geworden, der für uns gestorben ist. Und weitere drei Tage später ist er der auferstandene Christus.

So geht die Geschichte weiter. In diese Geschichte sollen wir uns hinein begeben. In dieser Geschichte können wir auch nach Weihnachten weiterleben. In dieser Geschichte lebend verändert sich unser Leben und kann heil und hell werden. Das wünsche ich uns allen.

Ihr Andreas Balko,

Pfarrer in Oberrot