Gaildorf Unterbecken Ende 2018 fertig

Größte Baustelle in der Geschichte Gaildorfs: Zwischen Gaildorf und Unterrot wird derzeit mit Hochdruck am Unterbecken des Naturstromspeichers gearbeitet. Der Aushub wird für die Geländemodellierung verwendet.
Größte Baustelle in der Geschichte Gaildorfs: Zwischen Gaildorf und Unterrot wird derzeit mit Hochdruck am Unterbecken des Naturstromspeichers gearbeitet. Der Aushub wird für die Geländemodellierung verwendet. © Foto: Richard Färber
Gaildorf / Richard Färber 06.07.2018
Bauleiter Johannes Kaltner berichtet im Gaildorfer Gemeinderat über den Baufortschritt und beantwortet Frage zur Geländemodellierung.

Kocheraue kann man jetzt wohl nicht mehr sagen. Was einst Wiese war, wird nun zum Unterbecken des Gaildorfer Naturstromspeichers ausgebaut. Seit Wochen wird dort wieder gebaggert, man kann Lastwagen und Traktoren beobachten, die ausgehobenes Erdreich transportieren. Der Aushub wird nicht mehr weggefahren, sondern für die Geländemodellierung verwendet. Es wachsen Hügel und Dämme und begrenzen auch die Sicht entlang der Bundesstraße. Lediglich auf der Gaildorf zugewandten Seite gibt’s einen freien Blick auf das künftige Becken; dort ist es bereits bis zu seiner endgültigen Tiefe ausgehoben, den Grund sichert eine Schutzschicht.

Johannes Kaltner hat am Mittwoch den Gaildorfer Gemeinderat besucht. Der Bauleiter von Max Bögl Wind informierte über die Fortschritte auf den Baustellen und beantwortete Fragen. Die betrafen hauptsächlich den Bau des Unterbeckens, die wohl größte Baustelle in der Geschichte Gaildorfs. Das sehe von außen derzeit möglicherweise etwas willkürlich aus, räumte Kaltner ein, tatsächlich aber arbeite man exakt nach Plan. Die Baumaschinenführer seien mit Drei-D-Plänen ausgestattet und alle zwei Wochen schicke man eine Drohne los, um Luftbilder zum Abgleich zu gewinnen.

Etwas komplizierter gestaltet sich die Geländemodellierung an der Bundesstraße an der Nordseite des Geländes. Dort muss die geplante Umgehungsstraße berücksichtigt werden, die über das neue Geländeprofil geführt wird. Der Bau der Profilierung erfordere eine genaue Abstimmung mit dem Regierungspräsidium, müsse überwacht und dokumentiert werden, erklärte Kaltner. Ende 2018 werde das Unterbecken fertig sein, die Befüllung erfolge dann zwischen Januar und März 2019, wenn der Kocher genügend Wasser führe.

1,5 Meter „ab Asphalt“

Bernhard Geißler von der Offenen Liste hatte schon zu Beginn der Sitzung das Fehlen von Plänen mit Höhenlinien moniert. Die würden nachgeliefert, sagte Bürgermeister Frank Zimmermann; bis dahin aber konnte Kaltner abhelfen. Die Höhenlinie der Geländemodellierung in Bezug zur Bundesstraße werde maximal 1,5 Meter „ab Asphalt“ betragen. Derzeit sei sie zwar etwas „überbaut“, final aber werde sie noch zurechtgeschoben. Und, auf Anfrage von Frank Stettner: Die Böschung werde begrünt und könne für den Fall, dass der Verkehrslärm zu stark in die nahe gelegene Siedlung reflektiert werde, auch mit Gehölzen bepflanzt werden.

Fragen gab’s auch zu dem Fuß- und Radweg, der unterhalb der Bundesstraße am Becken entlang führen und – im Nichts enden wird. Vorerst. Ein Anschluss an den Kocher-Jagst-Radweg sei vorgesehen, sagte Zimmermann, allerdings müsse man noch klären, wie der Weg zurück zur Haupttrasse geführt werde: entweder über ein noch zu bauendes Brück­chen oder durchs Stadtgebiet.

Kocherseits ist freilich kein Weg vorgesehen, und das missfiel. Margarete John insistierte zugunsten von Spaziergängern und Wanderern und Kaltner leistete keinen grundsätzlichen Widerstand: Der Abstand zwischen Becken und Kocher sei groß genug, man könne einen Weg mulchen.

Viele Maßnahmen seien nur temporär, machte Kaltner deutlich. Das betrifft beispielsweise einen Hilfsdamm im Kocher, der Margarete John aufgefallen ist. Dort befindet sich der „Grund­ablass“ des Unterbeckens, ein zwei Meter dickes Rohr. Der Damm sei nötig für den Bau des Zuflusses, werde dann aber wieder verschwinden, sagte Kaltner.

Seine weiteren Ausführungen wurden überwiegend zur Kenntnis genommen. Das Pumpspeicherkraftwerk soll bis Januar 2019 fertiggestellt werden; das Ein- und Auslaufbauwerk, das Unterbecken, Pumpspeicherkraftwerk und die Wasserspeicher an den Windrädern verbindet, bereits Ende Oktober dieses Jahres. Und noch in diesem Monat, nämlich ab dem 23. Juli, soll die 110 Meter lange Verlegeplattform die Arbeit aufnehmen.

Verlegeplattform bereits erprobt

Dieses eigens entwickelte Technikmonstrum schweißt und verlegt die 1,6-Meter-Rohre zwischen den vier Windkraftanlagen in einem Arbeitsgang – und weil es nur bis zu einer Tiefe von 3,5 Metern arbeitet, mussten Teile des Weges zwischen den Windkraftanlagen tiefer gelegt werden. Später werde man das wieder auffüllen, sagte Kaltner.

Die Maschine wurde bereits im Max-Bögl-Stammsitz in Sengenthal aufgebaut und vor wenigen Tagen erprobt. Sie funktioniere wie erwartet, freute sich Kaltner. Bernhard Geißler zeigte sich erheitert und drückte seinen Respekt für die Wahl des Wortes „minimalinvasiv“ aus. Verglichen mit herkömmlichen Verfahren treffe diese Beschreibung durchaus zu, erwiderte Kaltner.

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