Gaildorf Leben in Tansania: köstliche Gastfreundschaft

Gaildorf / swp 06.08.2018
Gaildorfer Gymnasiasten besuchen die Familien ihrer Austauschpartner. Die Gastgeber scheuen für ihre Gäste keine Mühe.

Karibuni! Mit diesem Wort wurden wir in den letzten zwei Wochen in Tansania sehr häufig begrüßt. „Karibuni“ ist Suaheli und bedeutet nichts anderes als „Herzlich willkommen“.

Alle Menschen, denen wir begegnen, tun alles, damit wir uns wohlfühlen. Das hat man vor allem bei den Besuchen in den Familien unserer Austauschpartner bemerkt. Zu Fuß oder mit dem Pikipiki, einer Art Motorradtaxi, erreichen wir die zum Teil weit auseinander liegenden Wohnorte und werden mit einer herzlichen Umarmung begrüßt.

Trotz der mehr als bescheidenen Wohnverhältnisse werden keine Mühen gescheut und die vorhandenen Sitzplätze den Gästen angeboten. Die Behausungen befinden sich noch im Rohbau und bestehen aus einem Zimmer für alle Kinder, einem für die Eltern, einem Empfangsraum, einer winzigen Kochnische und einer Abstellkammer.

Der Boden besteht aus gestampfter Erde und die Fensterscheiben fehlen. Ein Bad gibt es nicht. Das Wasser wird von weither geholt. Im Gegensatz zu diesen ärmlichen Verhältnissen steht die gastfreundliche, herzliche und offene Art. Es wird viel gelacht.

Obwohl wir in der Schule bereits mehr als ausreichend versorgt wurden (frittierte Bananen, Avocados, Orangen, Kekse, Pommes, Erdnussbutter, Teigtaschen, Marmelade, gekochte Eier, Toast, Nüsse), erwartet uns dort erneut eine ebenso üppige Mahlzeit. Jetzt stehen Reis mit Bohnen, Schweinegulasch, Hähnchenfleisch, gegrillte Rindfleischspieße, gebratener Fisch, Salate, die hierzulande sehr teuren Spaghetti  und das landestypische Blattgemüse Sukumawiki auf dem Speiseplan.

Keine Schwäche zeigen

Die tansanische Gastfreundschaft besagt, dass dem Gast immer etwas zu essen angeboten werden soll. Dies abzulehnen wiederum wäre zutiefst unhöflich. So setzen wir uns, nehmen Löffel und Gabel in die Hand und stellen uns wacker der Schlacht gegen die bereits eingetretene Sättigung. Sobald Schwäche gezeigt wird, stürzen die Gastgeber sich auf uns mit dem uns altbekannten Slogan „Eat more!“, also „Iss mehr“, beziehungsweise „Eat, eat, eat!“.

Wie oft kann man sich in Tansania wohl Fleisch leisten? Nach dem, was wir gehört haben, einmal im Monat. Haben wir etwa das Glück, sie genau an diesen Tagen zu besuchen? In dieser Häufigkeit versagt doch jede Wahrscheinlichkeitsrechnung. Zu unserer Ehre wird für uns extra Fleisch aufgetischt, obwohl dies für die meisten Tansanier einen enormen Arbeits- und Kostenaufwand bedeutet.

Typischer Händedruck

Nach jedem Besuch bedanken wir uns selbstverständlich bei unseren Gastgebern. Uns wird jedoch ein noch überschwänglicherer Dank ausgesprochen. Wofür? Wir haben doch nichts gemacht, außer ihre Essensvorräte zu verkleinern. Wie sich später herausstellt, sind sie dankbar für unsere bloße Anwesenheit. Für manche ist es das erste Mal, dass wir, die sogenannten „Mzungus“, wie die Weißen genannt werden, ihre Häuser betreten.

Zum Abschied erfolgt noch der typische tansanische Händedruck, der tiefe Freundschaft zum Ausdruck bringt und uns zu Beginn unseres Aufenthaltes sehr überforderte. Doch nach den Instruktionen, die uns unsere Begleitlehrerin Erika Theil gegeben hat, und nach vielen peinlichen Fehlschlägen haben wir das nun auch drauf.

Info

Die Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH) des Auswärtigen Amts und der Pädagogische Austauschdienst (PAD) des Sekretariats der Kultusministerkonferenz unterstützen den Schüleraustausch des Schenk-von-Limpurg-Gymnasiums mit der King’ori Secondary School. Den Großteil der Kosten trägt die Gaildorfer Bürgerstiftung.

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