Planung Gaildorfs Wahrzeichen ist immer für Überraschungen gut

Die wuchtigen Tortürme des Gaildorfer Wahrzeichens waren vor Jahren einmal die Sorgenkinder der Sanierungsplaner. Nun richtet sich deren Augenmerk auf andere Bereiche.
Die wuchtigen Tortürme des Gaildorfer Wahrzeichens waren vor Jahren einmal die Sorgenkinder der Sanierungsplaner. Nun richtet sich deren Augenmerk auf andere Bereiche. © Foto: Klaus Michel Oßwald
Gaildorf / Klaus Michael Oßwald 13.10.2018

Mit Schaudern erinnert sich manch älterer Gaildorfer an eine kurze, aber inhaltsschwere Debatte Mitte der 1960er-Jahre, als es um „Stadtsanierung“ der robusten Art ging. Damals war allen Ernstes erwogen worden, das Alte Schloss „einzuebnen“. Das Gelände, so ein schnell wieder verworfener Vorschlag, könne dann als innerstädtischer Parkplatz genutzt werden.

Die kleine Fußnote der Stadtgeschichte hat längst keine Bedeutung mehr. Auch wenn in den vergangenen Jahrzehnten diesem oder jenem Stadtrat angesichts leerer Kassen die Äußerung entfahren war, dass ein Abriss doch die beste Lösung sei: Der prächtige Fachwerkbau, dessen Existenz erstmals im Jahr 1399 urkundlich erwähnt wird, ist vom Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Er ist d a s Wahrzeichen Gaildorfs, Keimzelle der städtischen Entwicklung, kulturelles Zentrum …

Und nicht zuletzt – in baulicher Hinsicht – eine Art Wundertüte: Kein Jahr vergeht ohne größere wie kleinere Überraschungen, die im Zuge umfangreicher Sanierungsmaßnahmen berücksichtigt werden wollen und müssen. Ohne finanzielle Hilfen aus dem laufenden Denkmalsanierungsprogramm wäre die Stadt in hohem Maß überfordert.

Veränderte Schwerpunkte

Eben wegen der immer wieder zutage geförderten Überraschungen musste nun das derzeit größte Vorhaben im Bereich der Stadtsanierung wieder umgeplant  werden – mit einem veränderten Zeitplan und geänderten Schwerpunkten. Details dazu gehen aus einem Arbeitspapier der Stadtverwaltung zur gegenwärtigen und künftigen Stadtsanierung hervor, das Rathaussprecher Dr. Daniel Kuhn am Mittwochabend dem Gemeinderat präsentierte.

An den Ausbau des Südflügels, in dem Veranstaltungsräume eingerichtet werden sollen, ist derzeit nicht zu denken. Statische Probleme haben laut Daniel Kuhn dazu geführt, dass in diesem Jahr „kaum Mittel verbaut“ werden konnten. Lediglich der „Weiße Saal“ im Nordflügel sei hergerichtet und neu möbliert worden und könne nun als Trausaal genutzt werden. Der Übersicht zufolge soll mit dem Einbau der geplanten Hausmeisterwohnung „um den Jahreswechsel herum“ begonnen werden.

Probleme statischer Art bereitet einmal mehr der Ostflügel, der vor Jahrhunderten erst nachträglich an das Hauptgebäude angedockt wurde und vor etwa 20 Jahren, um die Jahrtausendwende herum, in den Schlossgraben zu kippen drohte. Umfangreiche Sicherungsmaßnahmen waren damals nötig geworden, um das Gebäude zu erhalten.

Vorerst kein Aufzugsturm

Diese Arbeiten finden nun eine Fortsetzung, weil „die vorläufigen Ergebnisse der statischen Untersuchung darauf hinweisen, dass der Ostflügel ohne weitere Maßnahmen nicht zu nutzen ist.“ Soweit das Arbeitspapier. Durch den seit Monaten bekannten Zustand dieses Gebäudeteils  (wir haben mehrfach berichtet) soll es jedoch auf der Schlossbaustelle nicht zum Stillstand kommen. Das heißt: Die Bauarbeiten konzentrieren sich nun zunächst auf den Nordwestflügel, der ausgebaut werden soll. Die dortigen Räume seien „in einem fertigen Rohbauzustand und können nun mit Sanierungsmitteln vollständig hergestellt werden.“

Soll dieser Teil parallel zum Ausbau der Räume durch den Einbau eines Aufzugs barrierefrei erschlossen werden, liegt ein weiteres wichtiges Projekt, das der Gemeinderat beschlossen hatte, aus den genannten statischen Gründen auf Eis: Der geplante Aufzugsturm zwischen Schloss und Stadtbücherei lässt sich laut Stadtverwaltung „derzeit nicht realisieren“ – und damit auch nicht die barrierefreie Erschließung von Wurmbrandsaal und Weißem Saal über die Galerie.

Finanziell sieht es laut Daniel Kuhn so aus: Das bisherige Projektvolumen betrug 3,3 Millionen Euro, die Förderung 2 Millionen Euro. Durch einen sogenannten Aufstockungs- und Verlängerungsantrag, den die Stadt stellen muss, würde sich das Projektvolumen auf 5,7 Millionen Euro, die Summe der Förderungen auf 3,3 Millionen Euro erhöhen. Die 2010 begonnene Sanierung würde sich um ein Jahr verlängern.

Antrag auf mehr Fördermittel

Der Gemeinderat stimmte der Fortschreibung dieses städtebaulichen Konzepts zu und beauftragte die Verwaltung, einen entsprechenden Aufstockungsantrag beim Land zu stellen.

Info Rund um das Alte Schloss gibt es noch weitere städtebauliche Vorhaben. Darüber berichten wir in der nächsten Folge unserer kleinen Serie zum Thema Stadtsanierung.

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