Gaildorf Stadtfriedhof wird zum Ort der Begegnung

Ein kleiner Teil des im Jahr 1906 angelegten und später mehrmals vergrößerten Gaildorfer Stadtfriedhofs. Überragt wird die Parklandschaft durch das für den 1914 verstorbenen Ehrenbürger Hermann Frasch errichtete Mausoleum.
Ein kleiner Teil des im Jahr 1906 angelegten und später mehrmals vergrößerten Gaildorfer Stadtfriedhofs. Überragt wird die Parklandschaft durch das für den 1914 verstorbenen Ehrenbürger Hermann Frasch errichtete Mausoleum. © Foto: Klaus Michael Oßwald
Gaildorf / Klaus Michael Oßwald 18.05.2018
Auf dem Gaildorfer Stadtfriedhof soll ein breites Spektrum an Bestattungsformen ausgewiesen werden. Insgesamt wird nun das fast drei Hektar große Areal zur Parkanlage aufgewertet.

Carl Laborenz, der bekannte Gaildorfer Drechslermeister, war der Erste, der auf dem heutigen Stadtfriedhof zur letzten Ruhe gebettet wurde. Am 16. Dezember 1906 konnte der neue Begräbnisplatz mit Laborenz’ Beerdigung als „Stätte der Ruhe und seligen Hoffnung“ geweiht werden, wie es Stadtvikar Adolf Tränkle damals formulierte. Damit wurde der alte Friedhof, der heutige Schillergarten, aufgegeben.

Tausende von Gaildorfern wurden seither auf dem weiträumigen, zuletzt vor 25 Jahren vergrößerten Areal am einstigen Armenhausweg, der heutigen Friedhofstraße, beerdigt. Nun soll die Friedhofsanlage mit einem „breiten Spektrum an Bestattungsformen“ ausgestattet werden, wie es Bürgermeister Frank Zimmermann jüngst im Gemeinderat formulierte. Ziel sei auch, das Ganze als „Parkanlage mit hoher Aufenthaltsqualität“ aufzuwerten.

Ein Gesamtkonzept dazu hatte die Ellwanger „Stadtlandingenieure GmbH“ erarbeitet. Daran mitgewirkt haben im Vorfeld neben Bürgermeister Frank Zimmermann und Verbandsbaumeister Manfred Sonner auch Michael Horlacher vom Baubetriebshof und Ordnungsamtschef Raimund Horbas, ferner die beiden mit der Materie befassten Stadträte Martin Frey und Martin Zecha.

Umsetzung in Etappen

Das Ergebnis, über das der Technische Ausschuss bereits seit Mitte März informiert ist, hat nun auch der Gemeinderat einstimmig abgesegnet. Zumindest einen Teil davon. Die Verwaltung hatte das Maßnahmenpaket in Abschnitte gegliedert: in kurzfristig umsetzbare Vorhaben und in Projekte, die in den kommenden Jahren zur „Weiterentwicklung des Friedhofs“ angepackt werden.

Landschaftsarchitektin Melanie Vesel hatte zuvor dem Gremium die Planung ihres Büros erläutert, die dem Wandel des Friedhofs als Stätte der Begegnung Rechnung trägt. Hier sieht sie Handlungsbedarf, zumal der fast drei Hektar umfassende Begräbnisplatz im Lauf der Jahre bereits einen „Parkcharakter“ bekommen habe. Ein Teil der Flächen soll nicht mehr belegt werden.

In der Prioritätenliste vorne rangieren etwa neue Stelen-Gruppen für Urnen, die Neuanlage von Wahl- und Reihengräbern mit Fundamenten, von Baumgräbern für Urnen (als Rasengräber) oder das Umsetzen einer Stelen-Gruppe bei den anonymen Urnengräbern. Ebenfalls als kurzfristig umsetzbar gilt die Wegesanierung im Bereich des Frasch-Mausoleums. Für diese Vorhaben stehen im aktuellen Haushaltsplan 150.000 Euro bereit.

In den kommenden Jahren geht es dann weiter mit der Umsetzung des Wege-Sanierungskonzepts. Geplant sind ein Ruhe- und Gedenkplatz mit Sitzgelegenheiten, eine Stele im Bereich der Gräber von „Sternenkindern“, also für Kinder, die vor oder während der Geburt verstorben sind. Weitere Vorhaben sind die Sanierung des Kriegerdenkmals und die Gestaltung eines „gärtnerisch gepflegten“ Grabfeldes für Urnen. Auch das Ehrengrabfeld nahe des Mausoleums soll aufgewertet werden. Neu angelegt wird auch ein „endliches“ Grabfeld, auf dem – nach Auflösung von Urnengräbern – die Asche von Verstorbenen bestattet werden kann.

Eine „runde Sache“

Insgesamt sei das Konzept „eine runde Sache“, befand Rathauschef Zimmermann und lobte dabei ausdrücklich die von den beiden sachverständigen Ratsmitgliedern Frey und Zecha eingebrachten Ideen. Die sollen nun auch, wie Martin Frey betonte, „zügig umgesetzt“ werden, denn „die Leute warten darauf“. Das Konzept sei gut. Gleichzeitig riet er dazu, sich auch für die Gestaltung des Unterroter Friedhofs Gedanken zu machen.

Aus der Friedhofs-Chronik

Der Stadtfriedhof Gaildorf ist im Jahr 1906 eingeweiht worden. In der Zeit zuvor – ab 1710 – wurden die Toten auf dem Friedhof am südlichen Stadtrand beigesetzt, dem heutigen Schillergarten. Das Mausoleum wurde von dem prominenten Stuttgarter Architekten Albert Eitel geplant und ab 1914 für den Gaildorfer Ehrenbürger und „Schwefelkönig“ Hermann Frasch (1851–1914) nach dem Vorbild der Grabkapelle auf dem Rotenberg (Württemberg) bei Stuttgart errichtet. 1924 wurden Hermann Fraschs sterbliche Überreste in die USA überführt. Der Marmor-Sarkophag ist seither leer. Das denkmalgeschützte Bauwerk schenkten Fraschs Erben der Stadt, die es als Aussegnungshalle und für Trauergottesdienste nutzt.

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