Gaildorf/Westheim Gaildorfs Altbürgermeister Ulrich Bartenbach im Alter von 63 Jahren verstorben

Gaildorf/Westheim / KLAUS MICHAEL OSSWALD 26.09.2015
Ulrich Bartenbach war ein Kämpfer. Ohne zu poltern hat er seine Ziele verfolgt. Nun hat er seinen letzten Kampf verloren: Der Gaildorfer Ex-Bürgermeister erlag 63-jährig einer heimtückischen Krankheit.

Die Stimmung auf dem Gaildorfer Rathaus gestern Vormittag war gedrückt. Die Nachricht vom frühen Tod des ehemaligen Chefs sorgte für Trauer und Betroffenheit im Team von Bürgermeister Frank Zimmermann: Ulrich Bartenbach, dessen Portrait seit wenigen Monaten die Galerie der bisherigen Stadtoberhäupter im Sitzungssaal ziert, wird nicht mehr zu Besuch kommen. Der stille Kämpfer hat seinen allerletzten Kampf geführt - und diesen am Donnerstag verloren. Der Krebs war stärker.

Im Sommer 2012 zum ersten Mal damit konfrontiert, gab er sich trotz Besorgnis erregener Diagnose entschlossen zuversichtlich: "Ich schaff's!", sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Obwohl ein halbes Jahr im Krankenstand, verfolgte er, der mit seiner Familie in Westheim zu Hause war, bis zu seiner Rückkehr genau die Kommunalpolitik in seiner Geburtsstadt.

Voller Tatendrang stürzte er sich wieder in die Arbeit. Unter seiner Regie wurden viele kleinere Projekte umgesetzt, große in die Wege geleitet und begonnen. Erweiterung und Sanierung der Sporthalle oder das Projekt Ärztehaus, die schwierige Ansiedlung von Gewerbebetrieben oder die Sanierungsmaßnahmen in den Schulen, der Planungswettbewerb "Nördliches Kocherufer" und überhaupt die umfassende Modernisierung der städtischen Infrastruktur tragen seine Handschrift.

Doch bereits vor seinem Amtsantritt als Bürgermeister Mitte März 2012 prägte er das Werden der Stadt mit: Als Beigeordneter und Kämmerer hatte der seit 2005 amtierende zweite Mann auf dem Rathaus mit viel Augenmaß die Finanzen der nie reich gewesenen Kommune im wahrsten Wortsinn im Griff.

Nicht selten sah er sich deswegen dem (allerdings moderaten) Vorwurf ausgesetzt, er sei knausrig. Ulrich Bartenbach indes betrachtete dies als verantwortungsvollen Umgang der Steuergelder "seiner" Gaildorfer. Und er sollte eine wichtige Bestätigung erfahren: Dem damaligen "Finanzminister" ist es im Verein mit Verwaltung und Gemeinderat gelungen, Gaildorf ein Jahr früher als andere Kommunen aus der globalen Wirtschaftskrise 2008/ 2009 zu manövrieren.

Wohl legte Ulrich Bartenbach stets großen Wert darauf, dass die drittgrößte Stadt im Kreis Schwäbisch Hall auch nach außen hin eine gute Figur macht. Er wusste aber auch, dass es das harte Alltagsgeschäft ist, auf das es ankommt. Er könne, bekannte er an seinem letzten Arbeitstag im Rathaus Ende August 2014 mit einem Augenzwinkern, in seiner Bilanz "nicht mit einem Prachtbau aufwarten". Viel wichtiger sei es, für eine "funktionierende Stadt" zu sorgen. Eine solche werde er nun seinem Nachfolger Zimmermann übergeben.

Tatsächlich ist der Mann, der als Kind davon geträumt hatte, Pilot zu werden, stets auf dem Boden geblieben. 45 Jahre lang war er in Diensten der Kommunalverwaltung. Auf den Tag genau neun Jahre lang engagierte er sich in Gaildorf, dort nach mehr als sechsjährigem Einsatz als Kämmerer und Vize-Bürgermeister als Chef der Stadtverwaltung.

Dieses Amt hatte er für sich eigentlich nicht ins Kalkül gezogen. Er habe sich jedoch, betonte er Anfang 2012 von vielen Bürgern überreden lassen, sich als Nachfolger Ralf Eggerts zur Wahl zu stellen. Er tat es - und gewann am 5. Februar die Bürgermeisterwahl mit fast 68 Prozent der Stimmen. Seine Kandidatur hat er später nicht bereut. Im Gegenteil: Er werde sich, sagte er damals, "mit ganzer Kraft" einsetzen, um Gaildorf voranzubringen. Mehr noch: Er wolle für Gaildorf "ein neues Kapitel aufschlagen".

Mitten in dieser beinahe euphorischen Phase musste Ulrich Bartenbach die Reißleine ziehen: Die Ärzte hatten ihm unmissverständlich dazu geraten. Und vor allem dazu: Er solle mehr für seine Gesundheit tun. Nun wollte der Bürgermeister, der nach eigenem Bekunden gespürt habe, "dass meine Bürger mich mögen", seinen Ruhestand genießen, sich der Familie und seinen Hobbies widmen. Viel Zeit war ihm dazu nicht vergönnt.

Info Eine Dokumentation zum Tod von Bürgermeister i.R. Ulrich Bartenbach folgt.

Ulrich Bartenbach (1952-2015)

Sein Werdegang Ulrich Bartenbach war ein Verwaltungsfachmann mit Leib und Seele. Am 17. Juli 1952 in Gaildorf geboren und in der von ihm geliebten Idylle Unterrots aufgewachsen, studierte an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und schloss das Studium 1975 als Diplom-Verwaltungswirt (FH) ab. Sein bevorzugtes Metier waren die Finanzen. Ulrich Bartenbach arbeitete als Kämmerer in den Gemeinden Rosengarten und Michelfeld. 2005 wurde er zum Kämmerer und Beigeordneten der Stadt Gaildorf gewählt. In dieser Position musste er den damaligen Bürgermeister Ralf Eggert vertreten. Nachdem Eggert zum Oberbürgermeister in Calw gewählt worden war, ließ sich Bartenbach von seinem Umfeld überreden, sich um das Spitzenamt auf dem Gaildorfer Rathaus zu bewerben. Am 5. Februar 2012 wurde er mit deutlicher Mehrheit zum Rathauschef gewählt. Zwei Mitbewerber ließ er weit hinter sich. Am 15. März wurde er offiziell ins Amt eingeführt.

Sein Leiden Erst kurz im Amt, zwang ihn eine schwere Erkrankung dazu, etwa ein halbes Jahr zu pausieren. Als er wieder zurück auf dem Rathaus war, stellte er sich mit gewohntem Elan neuen Herausforderungen. Doch das Glück sollte nicht auf seiner Seite stehen: Im Frühjahr 2014 gab Ulrich Bartenbach auf ärztlichen Rat hin seinen Rückzug bekannt. Zum 1. September trat er aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand. Am 30. September verabschiedeten die Gaildorfer ihren Bürgermeister.

Seinen Ruhestand konnte Ulrich Bartenbach nicht lange genießen. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich zusehends. Am Donnerstag erlag er seinem schweren Leiden. Bürgermeister Frank Zimmermann reagierte gestern sehr betroffen. Er trauert mit Ulrich Bartenbachs Ehefrau Brigitte, den Kindern und Enkeln.

KMO

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