Landkreis Hall/Gaildorf Gaildorfer Verein "Kinderhilfe Sighisoara" organisiert Hilfstransporte für Rumänien

Landkreis Hall/Gaildorf / UTE SCHÄFER 30.12.2013
So viele Kartons wie noch nie hat der Verein "Kinderhilfe Sighisoara" mit Sitz in Gaildorf und Lager in Ilshofen-Ruppertshofen heuer nach Schäßburg, Rumänien, verschickt: Sie füllten sechs 40-Tonner.

Klock. Beherzt greifen Hände an den Bananenkarton, das gibt das typische Geräusch. Klock. Mit Schwung wird der Karton weitergereicht, die ganze Menschenkette entlang bis zum großen 40-Tonner-Lastwagen, der abfahrtbereit in einem Hof in Ruppertshofen steht.

Das "Klock" gibt den Takt vor, und die 15 Freiwilligen beeilen sich. Der Lkw soll bald starten. Die Geschenke sollten noch rechtzeitig vor Weihnachten ankommen. "Es ist der sechste 40-Tonner, der in diesem Jahr runterfährt", erklärt Sieglinde Kurz, in deren Hof in Ruppertshofen die Menschenkette gerade schuftet.

Ein ganzes Netzwerk an Projekten entwickelt

Als Familie Kurz vor einigen Jahren die Landwirtschaft aufgab, war viel Raum frei - und der füllte sich schnell mit Bananenkisten, mit Medikamenten - und mit allem, was der Verein so braucht. Und das ist eine ganze Menge, denn in Sighisoara (sprich: Sigischwara), dem ehemaligen Schäßburg, hat sich im Lauf der Jahre ein ganzes Netzwerk an Hilfsprojekten entwickelt, die alle vom Verein "Kinderhilfe Sighisoara", der in Gaildorf seinen Sitz hat, geleitet wurden.

Sieglinde Kurz erzählt, dass der heutige Vereinsvorsitzende Peter Kilgenstein aus Sulzbach-Laufen ein Waisenkind in Rumänien adoptieren wollte. Er war so schockiert von den Zuständen in den Heimen, dass er einen Monat später mit dem ersten Hilfstransporter wiedergekommen ist. Das war vor 15 Jahren.

In Rumänien ist seither eine ganze Reihe an Hilfsprojekten entstanden: ein Waisenhaus, ein Behindertenheim, rund 40 Pflegefamilien, die verlassene Kinder aufnehmen, Kleiderläden, die einen Teil der Hilfsgüter an Bedürftige verkaufen und mit dem Erlös Werkstätten einrichten.

"Ich fahre mindestens einmal im Jahr nach Rumänien", sagt Sieglinde Kurz. So weiß sie, was gebraucht wird. Und entsprechend packt sie die Kartons - denn das ist ihr persönlicher, ehrenamtlicher Service: Jeder Karton, der bei ihr auf dem Hof abgegeben wird, wird gesichtet, sortiert und neu verpackt.

Das ist nicht immer schön. Denn was sie manchmal als Spende angeboten bekommt, "ist purer Müll", sagt sie. "Dreckige Bettwäsche. Verölte Arbeitskleidung. Manche nutzen uns, um ihren Müll loszuwerden." Es könne doch keiner etwas dafür, wo er geboren wurde. Die Empfänger seien doch Menschen. Was mögen sie denn denken, wenn sie dreckige Unterwäsche bekommen? Der Karton stehe doch nicht nur für die Hilfe. Er stehe auch für den Verein und für Deutschland.

Deshalb bittet Sieglinde Kurz, nur tragbare, gereinigte Kleider, Schuhe oder Bettwäsche zu spenden, die nur in Bananenkartons verpackt sind. Diese Kisten hätten sich bewährt. Sie sind leicht zu stapeln und gut zu transportieren.

Noch immer arbeitet die Menschenkette. 1600 Kartons wird sie am Nachmittag in den Laster geladen haben. Doch der alte Stall ist noch lange nicht leer. Da stehen zum Beispiel noch 60 Matratzen - bis vor einer Stunde waren sie noch von den Kartons verdeckt. Das Ilshofener Flair Park-Hotel hat sie gespendet. Das Lukasspital und das Behindertenheim in Schäßburg können sie gut brauchen, sagt Sieglinde Kurz. Der nächste Laster fährt Ende Januar. Dann hört man in Ruppertshofen wieder das typische Geräusch: klock, klock, klock.

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