Endlich einmal aus dem Vollen schöpfen und der Bürgerschaft einen süßen Tag bescheren – wo ist das für einen Schultes heutzutage möglich? Beim Gaildorfer Pferdemarkt natürlich. Gschwends Rathauschef Christoph Hald langte gestern tief in die Bonbonschachtel und beförderte die Kamellen in Richtung Publikum. Später griff er auch noch zum Handy und schoss damit für seine Rathauscrew ein Erinnerungsfoto.

Von Josef Singer moderiert, rollten ab 14 Uhr eine knappe Stunde lang Themenwagen durch die Stadt. Dazwischen marschierten Gruppen und Vereine mit und ohne Pferd. Neben Stammgästen gab es auch Pferdemarkt-Neulinge wie die Polizeireiter. Diese wurden nach ihrem „Einsatz“ auf Höhe der Marktplatzkreuzung persönlich vom Stadtbüttel per Handschlag verabschiedet.

Zielsicher geworfen

In der Zwischenzeit hatten auch einige Bonbons die Sprechertribüne auf dem Marktplatz erreicht. Josef Singer bedankte sich artig bei Pferdemarkt-Macher Martin Zecha für dessen Treffgenauigkeit. Der 83. Gaildorfer Pferdemarkt hatte in seinem Umzug allerlei Kurioses zu bieten. Mitarbeiter der Lammbrauerei aus Untergröningen verkleideten sich als Flaschen und schenkten Kostproben aus. Die Gaildorfer Jungzüchter präsentierten ein Rind und die Landesgruppe Baden-Württemberg Nord des Schweizer-Sennenhunde-Vereins bereicherte das Geschehen mit ihren Vierbeinern.

Humorig wurde beim Pferdemarkt-Umzug Politisches wie die Finanzentwicklung der Stadt Gaildorf aufgegriffen. Aber auch Ärgernisse wurden thematisiert. Dabei ging es im Detail um die Wildpinkelei in der Gaildorfer Bahnhofsunterführung. Parallel dazu beteiligte sich auch ein Team aus Fichtenberg mit einem ähnlichen Motiv. „Jeder Reisende wird froh – mit mobilem Bahnhofsklo“, stand auf ihrem Wagen.

Natürlich bekam auch der „vergreiste“ Gaildorfer Gemeinderat sein Fett weg, dafür blieb gestern, nach Jahren der thematischen Dauerpräsenz, Landrat Gerhard Bauer einmal verschont. Prächtig präsentierten sich Markus Zaklikowski und die Limpurger Flößerzunf, bevor sich der Schützenverein Eutendorf unter dem Motto „Schießen lernen – Freunde treffen“ vorstellte. Zum Schluss des Pferdemarkt-Umzuges war noch ein Wagen aus Oberrot zu sehen, der zwar ebenfalls pointenreich aufgemacht war, aber eine handfeste Botschaft transportierte. Die Familie Frey soll den Völkleswaldhof verlassen, nachdem dieser von der bisherigen Eigentümerin der Hamburger Stiftung „Aktion Kulturland“ übertragen wurde.

Ernsthafter Hintergrund

Die Freys würden aber gerne noch ihren Pachtvertrag erfüllen und kämpfen dafür heute Nachmittag in Schwäbisch Hall vor Gericht. Die Verhandlung ist nicht öffentlich – aber die Öffentlichkeit weiß jetzt durch den Pferdemarkt Bescheid, auch wenn Umzugs-Moderator Josef Singer bei der Vorstellung des Wagens mehr über das Thema Milchpreisentwicklung spekulierte.

Mit den „Zellemer Guggafatzern“ ging der Pferdemarkt-Umzug dann traditionell zu Ende und das Geschehen verlagerte sich in Richtung Körhalle.

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