In klaren Nächten kann man die Internationale Raumstation ISS am Nachthimmel erkennen, und wenn man über eine gute Amateurfunkausrüstung verfügt, kann man auch mit ihr in Kontakt treten. Der begeisterte Gaildorfer Funkamateur Richard Hänle funkte allerdings schon nach oben, als noch die sowjetische Raumstation MIR um die Erde kreiste, und einmal, am 1. Februar 1991, 14.10 Uhr mitteleuropäischer Zeit, 13.10 Uhr Weltzeit, konnte er unter dem Rufzeichen U2MIR kurz mit dem Kosmonauten Musa Manarov sprechen.

Zu mehr als einer Begrüßung hat's allerdings nicht gereicht, weil Hänles Antenne nicht automatisch mitlief - die Station brauchte nur wenige Minuten von Horizont zu Horizont. Weitere Versuche scheiterten leider: Zusammen mit der RUNDSCHAU hatte Hänle extra einen Begrüßungstext für die russischen Kosmonauten vorbereitet.

Als Sowjetbürger gestartet, als Russe gelandet

Nun hat Hänle erneut eine kosmische QSL-Karte erhalten. Das Kürzel QSL entstammt der Morsetelegrafie und bedeutet "Ich gebe Empfangsbestätigung". Absender war Aleksander Volkov, zweimaliger Kommandant der MIR, der seinerseits von Hänle eine QSL-Karte erhalten hat. Hänle hatte ihn allerdings nicht im Weltall erwischt, sondern ganz profan in einem Vorort in Moskau. Der 68-Jährige, der auf drei Raumflüge zurückblicken kann, verbringt dort seinen Ruhestand. Gleichwohl hat er eine historische Mission absolviert: Er war an Bord der MIR, als 1991 die Sowjetunion zusammenbrach. Zurück kehrte er nicht als Sowjetbürger, sondern als Russe.

Über solche Sachen reden Amateurfunker freilich nicht. Religion und Politik sind Tabuthemen, übers Geschäft sollte man ebenfalls nicht reden und sich auch anstößige Witze verkneifen, schreibt die "International Amateur Radio Union" in "Ethik und Betriebshinweise für den Funkamateur". In den Gesprächen zwischen Amateurfunkern, die üblicherweise auf Englisch geführt werden, geht's daher auch meistens ums Funken.

So auch bei Hänles Gespräch mit Aleksander Volkov, das vor gut einem Jahr geführt und jetzt mit einer QSL-Karte Volkovs bestätigt wurde. Hänle hatte den Kontakt nicht gesucht, er hatte an einem Samstagmorgen mit seinem Rufzeichen DG2SBL einen "allgemeinen Anruf" ins Blaue geschickt. Minuten später habe Volkov mit seinem Rufzeichen U4MIR geantwortet.

Hänle wusste nicht, mit wem er sich da über die Ausstattung ihrer Stationen und die Qualität der Verbindung unterhielt. Erst als er dem Russen bei der Verabschiedung zu seinem außergewöhnlichen Rufzeichen gratulierte und dabei erwähnte, dass er 1991 unter U2MIR mit Musa Manarov Kontakt hatte, gab sich Volkov als ehemaliger MIR-Kommandant zu erkennen. Er erklärte auch, dass er von der Raumstation aus viele Amateurfunkgespräche geführt habe.

Für Amateurfunker seien solche Kontakte mit Persönlichkeiten aus der Politik und des öffentlichen Lebens ein echtes "Highlight", schreibt Hänle. Er kam, angesteckt von seinem Groß- und Patenonkel, zum Amateurfunk, nachdem er in den Siebziger und Achtziger Jahren über Kurzwelle ausländische Rundfunksender hörte beziehungsweise jagte. Schon damals gab's QSL-Karten, wenn man Hörberichte zum Programm einschickte. Auch ein Kosmos-Radionmann-Baukasten hat in Hänles Amateurfunker-Frühgeschichte eine nicht unwesentliche Rolle gespielt.

Hänle ist auch nicht der einzige Amateurfunker in Gaildorf, der solche Promi-Kontakte vorweisen kann. Er verweist auf den langjährigen Funkamateur Erwin Frey, der vor Jahrzehnten Funkkontakt mit dem 1999 verstorbenen jordanischen König Hussein hatte. Von Hussein, schreibt Hänle, stamme übrigens auch das folgende Zitat: "Der Amateurfunk hat mir ermöglicht, Menschen in aller Welt zu begegnen, dem einen oder anderen auch persönlich, und zu erkennen, dass wir zu einer einzigen großen Familie gehören, deren Heimat heute die ganze Welt ist."

Die Internationale Raumstation ISS, die heute statt der MIR um die Erde kreist, ist übrigens auch mit einer Amateurfunkanlage ausgestattet. Neben vielen anderen Amateurfunkverbindungen, berichtet Richard Hänle, der im Zivilberuf die Fichtenberger Schule leitet, habe es bereits zahlreiche öffentlichkeitswirksame Sprechfunkverbindungen zwischen der ISS und Schulen rund um den Globus gegeben.