Gründerzentrum, Existenzgründermodul – gemeint ist eine Einrichtung, mit der junge oder angehende Unternehmen gefördert werden können. Eine solche hatte die SPD-Fraktion im Gaildorfer Gemeinderat vor etwa zweieinhalb Jahren im Zusammenhang mit den Haushaltsberatungen per Antrag gefordert.

Umgesetzt wurde das Ganze bislang nicht, weil laut Stadtverwaltung vor dem Hintergrund der konjunkturellen Lage im Land derzeit kein Bedarf besteht. Stattdessen erhoffen sich die Protagonisten der kommunalen Wirtschaftsförderung wichtige Impulse durch die in den vergangenen Monaten angelaufenen Gaildorfer Wirtschaftsgespräche.

Rathaussprecher Dr. Daniel Kuhn hatte zur jüngsten Ratssitzung ein umfangreiches Papier erarbeitet und mit seinen Erläuterungen dazu aufhorchen lassen. So paradox es klingen mag: „Im Moment“, so Kuhn, „fehlt der Anreiz.“ Seinen umfangreichen Erhebungen zufolge werde „in wirtschaftlich schlechten Zeiten mehr gegründet“. Im Übrigen sei die Verwaltung bei diesem Thema nicht, wie es kritische Stimmen vermuteten, untätig gewesen.

„Gründergeist erlahmt“

Davon zeugt nicht zuletzt Kuhns Arbeitspapier, das die komplexe Materie auf vier Seiten zusammenfasst. Sämtliche Möglichkeiten seien ausgelotet, Erfahrungsberichte vergleichbarer, in der Wirtschaftsförderung erfahrener Institutionen studiert worden. Mit dem Ergebnis: Die gegenwärtige Wirtschaftslage sei „wenig gründerfreundlich“. Zwar stünden durch die niedrigen Zinsen „für jede Art von innovativer Idee“ finanzielle Mittel in Form von Krediten bereit. Jedoch führe die Lage auf dem Arbeitsmarkt dazu, dass der „deutsche Gründergeist erheblich erlahmt“ sei.

Kuhn hatte für seine Arbeit auch umfangreiches Zahlen- und Datenmaterial erhoben, das ihm den Schluss nahelegt: Neugründungen entstünden hauptsächlich im Nebenerwerb und im Dienstleistungssektor. Gründungen aus dem Bereich Produktion lägen unter fünf Prozent. Stark rückläufig sei die Gründerkultur, weil durch die wirtschaftliche Situation Anreize fehlten, „ein Unternehmen zu gründen und zum Erfolg zu führen“.

Es fehlen Fachkräfte

Das ist der allgemeine Trend. Auf Gaildorf bezogen, hatte sich Kuhn die Standortfaktoren des Wirtschaftsraumes unter die Lupe genommen. Die Stadt als (in der Landesplanung ausgewiesenes) Unterzentrum verfüge über eine starke Schullandschaft, einige Groß- und viele kleinere Unternehmen, die ihre gegenwärtige Auftragslage als gut bezeichneten. Die Anbindung an den Schienenverkehr in Richtung Ballungsraum Stuttgart habe sich „spürbar verbessert“, und die Sozialstruktur der Stadt sei „frei von wesentlichen Konflikten“.

Das allein aber genügt offenbar nicht, um potente Unternehmen anzusiedeln. Weitere Standortfaktoren sind laut Kuhn entscheidend, nämlich Bildung, Verkehr und ein Pool an qualifizierten Mitarbeitern. Gaildorf sei jedoch kein Hochschulstandort, und die Entfernung zur nächsten Autobahn sei „verhältnismäßig weit“. Für die Kommune „spezifisch“ sei eher die Hochwasserproblematik in der Talaue, „die die wirtschaftliche Entwicklung der ansässigen Unternehmen erheblich hemmt“. Das werde bei jedem Baugesuch deutlich. Als erfreulich wiederum nannte er eine relativ niedrige Arbeitslosenquote, „allerdings können die bereits ansässigen Unternehmen ihren Bedarf an Fachkräften nicht decken“.

Kuhn erinnerte in diesem Zusammenhang an einen Wandel in der kommunalen Wirtschaftsförderung. Während man in den 1980er- und 1990er-Jahren – Stichwort ARWA-Gewerbepark – noch davon ausgegangen sei, dass das Bereitstellen von Gewerbeflächen und -immobilien zur Ansiedlung ausreiche, würden heutzutage die eher „weichen“ Standortfaktoren betont. Die Stadtverwaltung sei vor allem „Helfer durch den Dschungel der Verwaltungswege und Ämterzuständigkeiten“. Und der Bürgermeister habe den Unternehmen als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen „und seinen Einfluss so zu nutzen, dass Unternehmen prosperieren können“.

Fichtenberger Unternehmen KW legt höher und tiefer

Fichtenberg

Gaildorfer Wirtschaftsgespräche

Daraus leitet Kuhn ab, dass es „meist sinnvoller“ sei, bereits wirtschaftlich am Markt erfolgreiche Unternehmen vor Ort, die expandieren möchten, zu unterstützen und auf diese Weise Beschäftigung zu sichern als Kleinstbetriebe zu fördern, „deren Existenz nicht absehbar ist“.

Parallel zu den genannten Untersuchungen hat die Stadtverwaltung eine neue Reihe angestoßen, die Gaildorfer Wirtschaftsgespräche, eine Art Forum, um die heimische Industrie mit dem Rathaus besser zu vernetzen. Dazu, so Kuhn, habe es bereits mehrere Gespräche und informelle Treffen mit großen wie kleinen Betrieben des produzierenden Gewerbes gegeben. Diese (nicht öffentlichen) Treffen, alle zwei Monate angesetzt, trügen „zu einem guten und regelmäßigen Informationsaustausch“ bei. Und nachdem sich ein Kern von Unternehmen zusammengefunden habe, werde derzeit der Kreis erweitert.

In diesem Forum, moderiert von CDU-Ratskandidat Jürgen Hinderer, sei bereits intensiv über ein Gründerzentrum diskutiert worden. Mangelnde Erfolgsaussichten und die Frage der Finanzierung führten schließlich dazu, dass man die Idee wieder verworfen habe. Allerdings bestehe die Bereitschaft, Gründern als Gesprächspartner beratend zur Seite zu stehen – und auch, wenn erforderlich, geeignete Räumlichkeiten zu suchen oder anzubieten. Vom Bau einer Halle oder eines Technik-Gründerzentrums sei „wegen mangelnder Erfolgsaussicht dringend abgeraten“ worden.

Bessere Vernetzung bevorzugt

Am Ende der inhaltsreichen Kuhn-Expertise kristallisierten sich drei Optionen heraus (siehe Info-Box), wobei sich der Gemeinderat einstimmig auf die dritte Lösung verständigte: Eine Vernetzung des heimischen Gewerbes und der Stadtverwaltung nebst Fortführung der begonnenen Wirtschaftsgespräche, in die im Herbst auch Vertreter des Stadtparlaments eingebunden werden sollen.

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Option 1: Bau einer Gewerbehalle, Vermietung an gründungswillige Unternehmer durch städtisches Unternehmen, Gemeindeverwaltungsverband oder Wirtschaftsförderungsgesellschaft. Chancen: Ansiedlung neuer Betriebe. Risiken: Niedrige Beschäftigung, Mietzins unsicher, hohe Belastung durch Investition/Abschreibung. Gründung eines städtischen Unternehmens mit entsprechendem Personal.

Option 2: Erwerb/Umnutzung eines leerstehenden Gebäudes, um Büroräume für Gründer bereitzustellen. Chancen: Ansiedlung von Gründern. Risiken: Infrastruktur wird nicht genutzt. Gründung eines städtischen Unternehmens mit Personal notwendig.

Option 3: Vernetzung der Unternehmen vor Ort. Chancen: Gründer erhalten Bewertung und Know-how der örtlichen Unternehmer. Stadtverwaltung tritt als Makler der Unternehmensinteressen auf und fördert Prosperität der örtlichen Unternehmer. Nachteile: keine rasch sichtbaren Erfolge.